Autobanken

Attraktive Parkhäuser fürs Geld

Große Autohersteller, wie VW, BMW oder Daimler-Chrysler, verkaufen längst nicht mehr nur ihre Produkte. Sie betreiben Geldhäuser, die neben der günstigen Finanzierung von Autos vor allem mit attraktiven Einlagenzinsen neue Kunden locken.

Magere 1,4 Prozent Zinsen für einen Monat Festgeld in Höhe von 5000 Euro, mehr bietet kaum eine der etablierten Geschäftsbanken. Da bleibt das Interesse der Kunden eher gering. Sie wenden sich lieber den attraktiven Angeboten der Autobanken von VW, BMW, Audi oder Daimler- Chrysler zu. Neben Finanzierung und Leasing von firmeneigenen Autos betreiben sie das Einlagengeschäft für Privatkunden. Das Angebot reicht von Tagesgeld über Festgeld, Sparpläne bis hin zum Fondsund Aktiengeschäft. Im Unterschied zur etablierten Konkurrenz aber können sie sehr viel attraktivere Konditionen anbieten.

Sie arbeiten wie die großen Direktbanken DiBa oder Comdirect ohne Vertrieb. Das heißt der Kunde verkehrt mit seiner Bank online oder per Telefon. Normale Girokonten gibt es nicht. Für die Bank bedeutet das, sie spart viele Kosten und kann deshalb deutlich günstigere Zinssätze bieten.

Die Autokonzerne selbst freuen sich über den regen Zuspruch, den ihre Bankprodukte erfahren. Schlagen sie doch gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe:

• Sie akquirieren neue Kunden, eben auch solche, die nicht die Hausmarke fahren. Doch über die Bank kann man sie stärker beeinflussen, um sie vielleicht beim nächsten Autokauf als Neukunde begrüßen zu können.

• Die Spareinlagen der Bankkunden eignen sich hervorragend zur Refinanzierung. Denn die Guthabenzinsen, die sie zahlen, sind viel niedriger als die Kreditzinsen, die die Unternehmen für die Finanzierung neuer Investitionen auf dem Kapitalmarkt zahlen müssten. Doch clevere Anleger scheren sich nicht um die Belange der Autohersteller. Sie nutzen die günstigen Angebote für ihre Zwecke. Dabei ist es egal, ob man bereits Kunde des Unternehmens ist. Und so legt man sein Geld bei einer Autobank an:

• Um ein Konto zu eröffnen, braucht man seine Wohnung nicht zu verlassen, den Filialen gibt es nicht.

Man ruft an oder schickt eine E-Mail.

• Die Bank sendet dann die Unterlagen. Diese füllt der Kunde aus und schickt sie per Post wieder zurück.

• Die Bank überprüft die Daten und sendet wiederum ein Formular zur Legitimation. Damit geht man zur Post, unterschreibt im Beisein des Postbeamten und der Zeuge schickt die Papiere wieder an die Bank zurück. Diese

bekommt auf diese Weise zwei Unterschriften ihres Kunden, die sie miteinander vergleichen kann. Stimmen sie überein, ist

das Konto eröffnet. Jetzt bekommt der Kunde noch das Passwort. Das benötigt er, um alle Kontobewegungen ausführen zu können.

• Die Abwicklung der Geschäfte erfolgt per Telefon, Fax oder Internet.

• Die Führung eines Anlagekontos ist generell kostenlos.

• Wie die normalen Geschäftsbanken gehören auch die Autobanken dem Einlagensicherungsfonds deutscher Banken an. Der Kunde braucht also auch für den Fall, dass die Bank Pleite macht, nicht um sein Geld zu fürchten.

Die Angebotspalette reicht vom Tages- und Festgeld über Sparpläne, Fonds oder Aktien. Für den Kunden, der in unsicheren Zeiten nicht so recht weiß, worin er sein Erspartes anlegen soll, eignet sich besonders das gut verzinste Tagesgeldkonto. Für dieses täglich fällige Geld zahlt zum Beispiel die BMWBank 2,50 Prozent für Beträge zwischen 0,01 Euro und 49 999 Euro, wenn man das Konto selbst online führt. Für Festgeld ab 5000 Euro bietet die VW-Bank derzeit zwei Prozent für Laufzeiten zwischen 30 und 179 Tagen. (Stand: Mitte Februar 2004).

Marlene Endruweit

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