Zahnärztetag Berlin

„Orale Medizin“ ist der Kongressschlager

Mit einem eigentlich nicht neuen aber nach wie vor sehr interessanten Tagungsthema sind die wissenschaftlichen Beiträge wieder einmal das Zugpferd für den großen Berliner Zahnärztetag gewesen. Denn die Orale Medizin und die Parodontologie sind genau die zahnärztlichen Themenbereiche, die den Zahnarzt über „den Kronenrand hinaus blicken“ lassen.

Über 4 000 Neuerkrankungen an Mundkrebs bei der deutschen Bevölkerung pro Jahr sollten noch mehr den Anlass dazu geben, dass wirklich jeder deutsche Zahnarzt seinen Blick schult und nicht nur bei der Erstkonsultation, sondern bei jedem Zahnarztbesuch Mund- und Rachenraum sowie Gaumen, Zunge und die Unterzungenschleimhaut nach Veränderungen inspiziert. Denn nach wie vor übernehmen in der Regel die gesetzlichen Krankenkassen sämtliche medizinischen Leistungen, die notwendig sind, um Mundschleimhautveränderungen und damit auch Präkanzerosen sicher und differentialdiagnostisch identifizieren zu können.

Diese Forderung stellte Dr. Jürgen Gromball, Vizepräsident der Zahnärztekammer Berlin, in seinen Begrüßungsworten. Gromball, der den kurz zuvor von seinem Amt zurückgetretenen Kammerpräsidenten Dr. Christian Bostorff vertrat, berichtete, dass dieses Thema auf eigenen Wunsch der Berliner Zahnärzte – es fand im Vorfeld eine Umfrage statt – vom Fortbildungsreferenten mit Leben, sprich Seminaren und Vorträgen, gefüllt wurde.

So wurden nicht nur diagnostische Parameter in den Vorträgen beleuchtet. Auch die allgemeinen Dinge, die zur Sicherheit und Gesundheit der Patienten beitragen, wie die Praxishygiene, kamen zu Wort.

Die Parallelveranstaltung für das Praxispersonal informierte über Alltagsthemen, die zwar Routine sein sollten, aber nur durch ständiges Repetieren ihre Qualität bewahren. So ist doch immer noch der Weg von der Zahnarztpraxis ins Labor für viele ein Thema, das nicht zu Ende diskutiert ist. Aber, so Prof. Dr. Klaus Bößmann, Kiel, in seinem Beitrag, durchaus kein Thema, wenn die erforderliche Hygienesorgfalt an den Tag gelegt wird.

Aber auch die „Spucke“ kam nicht zu kurz, denn sie kann als Transporteur von Keimen nicht nur Allgemeinkrankheiten, sondern auch Karies und parodontale Infektionen übertragen – und ist zu wenig davon da, kann es für den Zahnschmelz gefährlich werden.

Anlässlich der öffentlichen Feierstunde wurde auch in diesem Jahr die Ewald Harndt-Medaille verliehen. Sie ist eine Auszeichnung der Berliner Zahnärztekammer für Menschen, die sich um den Berufsstand verdient gemacht haben. In diesem Jahr haben Dr. Jochen Gleditsch, Zahnarzt und Hals-Nasen-Ohrenarzt in München, sowie Christine Vetter, Freie Medizinjournalistin in Köln, die Medaille erhalten (siehe auch unter Persönliches).


Weitere Bilder
Bilder schließen