Investmentfonds: richtig kaufen

Die Qual der Wahl

Hier zu Lande können Anleger aus über 4 000 verschiedenen Investmentfonds wählen. Da brauchen nicht nur Amateure Entscheidungshilfe, um für einen bestimmten Zweck auch das richtige Papier zu finden. Doch wer die wichtigsten Kriterien kennt, kann teure Fehler vermeiden.

Fast eine Billion Euro beträgt die Summe, die Fondsmanager weltweit für ihre Klientel verwalten. Deshalb verwundert es nicht, wenn Rating-Agenturen wie Standard&Poor’s, Morningstar oder Feritrust in regelmäßigen Abständen ganz im Sinne der Anteilseigner die Arbeit der Verantwortlichen überprüfen. Denn schließlich geht es um unser aller Geld.

Gewusst wer

Veröffentlicht werden die Ergebnisse in den bekannten Fachblättern wie „Capital“, „Börse Online“ oder „Financial Times“. Auch die Verbraucherzeitschrift „Finanztest“ berichtet in der März-Ausgabe über ihre Prüfergebnisse. Die Namen der Siegergesellschaften sind bei allen durchweg die gleichen: Für die deutschen Fondsgesellschaften steht die DWS mit Manager Klaus Kaldemorgen auf dem ersten Platz. Hier bestanden vor allem die Aktienfonds mit weltweiter Anlage den Test von Standard& Poor’s für das Geldmagazin „Euro“. Als Fondsgesellschaft mit hervorragenden Basisaktienfonds und ohne jeglichen Ausreißer gilt die englische Gesellschaft Threadneedle bei „Finanztest“ als erste Empfehlung. Für Immobilienfonds erwies sich 2003 als eines der schwierigsten Jahre. Aufgrund großer Ratlosigkeit seitens der Anleger flossen viele Gelder in die sicheren Fonds; dieser Ansturm machte den Managern das Leben schwer. Denn es gab bei weitem nicht so viel attraktive Immobilienangebote wie Geld dafür vorhanden war. Am besten schnitt hierbei Barbara Knoflach als Managerin des SEB Immoinvest ab. Sie erwirtschaftete in 2003 eine Rendite von 4,6 Prozent. Einfacher war es bei den Rentenfonds. Der Julius Bär Emerging Bond legte im letzten Jahr um 32,6 Prozent zu, ermittelte „Börse Online“.

Dies sind nur einige Beispiele aus der großen Fülle von guten und sehr guten Fondsangeboten. Ein privater Anleger aber wird in diesem Metier kaum den Durchblick haben können. Er ist auf den fachlichen Rat seines Anlageberaters angewiesen, wenn er sein Erspartes in einem oder mehreren der über 4 000 Fonds anlegen will. Doch ganz so blauäugig sollte er sich nicht auf die Empfehlungen der Bank verlassen. Die Anzahl der Fonds, die Geld eher verbrauchen als vermehren, ist enorm. Deshalb gilt gerade hier der Rat: Vertrauen ist gut, doch Kontrolle ist besser. Denn niemand sollte sich von der Euphorie der Gewinner des vergangenen Jahres blenden lassen und mit großen Summen einsteigen. Besser ist es, sich auf solide und bewährte Fonds zu konzentrieren.

Fest trotz Schwankungen

Bevor überhaupt ein Euro über den Banktresen geht, lautet die erste Anlegerpflicht, sich auf die eigene Risikobereitschaft zu besinnen. Dabei spielt das Ziel, das mit der Anlage erreicht werden soll, eine wichtige Rolle. Wer zum Beispiel für die Altersvorsorge spart und noch reichlich Zeit bis zum Pensionsalter hat, kann ruhig etwas riskieren und in Aktienfonds investieren. Erst später, wenn der Kurs der Anteile auf dem Höchststand ist und der wohlverdiente Ruhestand näher rückt, ist es Zeit für ein Umschichten in risikoärmere Rentenfonds.

Dabei darf man aber nicht außer Acht lassen, dass eben auch Rentenfonds durchaus Gefahren in sich bergen. So hängt die Rückzahlung der Anleihen unbedingt von der Bonität der Schuldner ab. Je nachdem kommt auch noch ein Währungsrisiko hinzu. Doch im Durchschnitt bleiben die Risiken bei Rentenfonds überschaubar. Die Renditen übersteigen dementsprechend auch nur selten den einstelligen Bereich.

Aktienfonds hingegen machen alle Schwankungen an der Börse mit. So kann auch ein breit gestreuter Fonds mit Standardwerten bei ungünstigen Bedingungen mal hohe Verluste einfahren. Dafür liegen die Gewinnchancen in guten Börsenjahren umso höher. Während eingefleischte Aktienspekulanten mal eben an der Börse den einen oder anderen schnellen Euro machen wollen, eignen sich die Fonds vor allem für Anleger mit langfristiger Planung. Denn nur, wenn man Ruhe bewahren kann, besteht die Chance auf einen sicheren Gewinn.

Für Anleger ist es wichtig, sich klar zu machen, um wie viel ein Fonds steigen muss, um einen Verlust wieder auszugleichen. Der Finanzexperte Martin Aehling rechnet in seinem Buch „Investmentfonds“ vor: „ Sinkt der Anteilspreis eines Fonds um 20 Prozent, dann muss er um 25 Prozent steigen, um sein altes Niveau zu erreichen. Fällt der Wert um 40 Prozent, ist ein Gewinn von 67 Prozent nötig, um den Verlust wieder auszugleichen. Das würde bei einer angenommenen Rendite von neun Prozent pro Jahr sechs Jahre dauern.“ Jeder, der in Fonds investieren will, muss für sich entscheiden, wie viel Schwankungsbreite, so genannte Volatilität, er aushält. Sinkt der Anteilspreis in einem Jahr dramatisch und man verkauft, ist der Verlust realisiert. Wer hingegen durchhält, kann wahrscheinlich später mit Gewinn verkaufen. Grundsätzlich gilt: Je höher das Risiko, desto größer die Gewinnchance und umgekehrt.

Lust auf Risiko

Darüber hinaus hängt die Entscheidung für oder gegen ein Engagement auch von dem Zeitaufwand ab, den Anleger für ihre Investitionen betreiben wollen. Seit die im Ausland längst bekannten Hedgefonds Anfang dieses Jahres auch in Deutschland zugelassen wurden, sind sie in aller Munde, aber – wohl aus gutem Grund – noch nicht in aller Hände: Solche Spezialitäten erfordern eine große Marktkenntnis und das permanente Studium der Finanzseiten in den Wirtschaftstiteln. Kaum ein Kundenberater dürfte sich mit diesen zum Teil hochbrisanten Papieren wirklich auskennen. Berater, die eine solche Anlage empfehlen, verdienen erst einmal großes Misstrauen. Diese Fonds dürfen eben mit allen Anlageformen arbeiten: mit konservativen aber auch mit Terminmarktprodukten und auf steigende und fallende Kurse spekulieren. Bislang war noch nicht Zeit genug, um die versprochenen konstanten Renditen nachzuweisen. Deshalb gilt für besonnene Anleger bis auf Weiteres: Hände weg von Hedgefonds.

Allmählich umschichten dürfen jetzt diejenigen, die ihr Geld während der turbulenten Börsenzeiten in Garantiefonds geparkt haben. Sie versprechen den Erhalt des Kapitals auch bei sinkenden Kursen. Doch angesichts einer deutlich schmaleren Gewinnchance zahlt der Anleger einen hohen Preis für die Absicherung nach unten.

Sparen im Schlaf

Wer beruflich eingespannt ist und keine Zeit oder Interesse für das risikoreiche Hobby Geldanlage aufbringen mag oder kann, aber dennoch sein Geld Gewinn bringend für sich arbeiten lassen will, dem bieten sich die alt bewährten breit streuenden Aktienfonds wie der DWS Vermögensbildungsfonds I oder Templeton Growth an. Sie sorgen für einen ruhigen Schlaf. Erfüllen sie doch die Kriterien, die ausschlaggebend sind für einen gut gemanagten Fonds. Anleger, die sich über die Art der Geldanlage noch nicht im Klaren sind, tun gut daran, ihr Erspartes erst einmal in einem sicheren Geldmarktfonds zu parken. Diese Anteilsscheine gelten zwar nicht als besonders rentabel. Dafür aber bieten sie eine ziemlich große Sicherheit und hohe Flexibilität.

Kritische Kriterien

Gut beraten sind Anleger, wenn sie vor der Entscheidung für einen Fonds einige Kriterien prüfen:

• Vorsicht ist geboten bei Fonds, die gerade neu aufgelegt sind oder für die Werbung nur mit kurzfristigen Rendite-Rekorden betrieben wird. Für einen ruhigen Schlaf sorgen Fonds, die sich mindestens zehn Jahre auf dem Markt behauptet und auch in dürren Jahren noch sichere Renditen erwirtschaftet haben.

• Das Anlagevolumen darf nicht zu klein sein. Zwar gelten Riesenfonds als schwer beweglich. Doch wenn sie gut gemanagt sind, versprechen sie Sicherheit. Bei kleineren Fonds besteht die Gefahr, dass sie Krisen nicht überstehen und geschlossen werden. Bestenfalls werden sie von anderen Fonds übernommen, die möglicherweise andere Anlageziele haben.

• Eine gute Hilfestellung für die Kaufentscheidung geben die Bewertungen der Rating-Agenturen wie Feritrust, Morningstar oder Standard&Poor’s. Sie verfolgen, ob das Management des Fonds ein konsequente Anlagestrategie über Jahre hinweg erfolgreich umsetzt. Kurzfristige Renditechancen sind uninteressant.

Ob der Bankberater diese Informationen alle liefert, ist fraglich. Die Angestellten der Geldinstitute sind meistens gehalten, die hauseigenen Produkte anzupreisen. So verkaufen die Sparkassen ihre Deka- und die Volks- und Raiffeisenbanken Unionfonds, die Dresdner Bank dit, die Deutsche Bank DWS und die Hypovereinsbank Activest.

Die meisten Filialen führen zwar auch fremde Fonds im Angebot, doch um deren Anteile kaufen zu können, muss der Kunde meist einigen Widerstand überwinden. Das liegt allein schon daran, dass die Berater sich mit den eigenen Produkten viel besser auskennen. Ein objektiver Vergleich der hauseigenen mit fremden Fonds ist nicht zu erwarten. Um diesen muss der Kunde sich schon selbst kümmern, es sei denn er sucht einen unabhängigen Vermögensberater auf. Allerdings hat die Deutsche Bank inzwischen erkannt, dass es sich durchaus lohnt, fremde Produkte, wie die Fonds von ACM, Fidelity oder Templeton, zu vertreiben. Schließlich lässt sich mit diesem Geschäft auch viel Geld verdienen.

Beizeiten gelesen, viel gespart

Vor dem Kaufentscheid lohnt sich die Lektüre des Fondsprospekts. Den gibt es bei der Bank und jeder Verkäufer ist verpflichtet, seinem Kunden dieses Papier kostenlos zur Verfügung zu stellen. Neben den allgemeinen Geschäftsbedingungen enthält es alles Wichtige über den Fonds, zum Beispiel Hintergrundinformationen über die Anlagegrenzen. Der aufmerksame Leser erfährt so Erstaunliches. So darf der etwa der Allianz Flexi Rentenfonds ein Viertel der Anlagegelder in Aktien investieren. Grundsätzlich gilt: Rentenfonds müssen zu 51 Prozent in Renten investieren, Aktienfonds ebenso in Aktien. So steht es im Kapitalanlagegesetz.

Für Anleger, die sich selbst um die Zusammensetzung ihres Depots kümmern, ist es deshalb wichtig, die jährlich erscheinenden Berichte gründlich zu studieren. Denn ändert sich die Zusammensetzung des Fonds – wird er vielleicht zu aktienlastig – kann das Risiko höher steigen als gewollt.

Auskunft gibt der Prospekt auch über die Kosten. So sind für Ausgabeaufschlag und Verwaltungsgebühr manchmal Obergrenzen angegeben, die nicht überschritten werden dürfen. Ganz wichtig sind auch die Vorgaben, unter welchen ein Fonds geschlossen werden darf, zum Beispiel wenn eine bestimmte Investitionssumme unterschritten wird. Deshalb achten Anleger auf den im Prospekt angegebenen aktuellen Stand. Informationen zur Gewinnentwicklung und vieles andere findet sich auf der Internetseite des Bundesverbandes Investment und Asset Management BVI: www.bvi.de.

Teuer gilt nicht

Nicht immer ist das, was besonders teuer ist, auch besonders gut. Jedenfalls nicht beim Fondskauf. Denn hohe Kosten mindern langfristig die Rendite. Selbstverständlich soll gute Arbeit belohnt werden. Für den Anleger ist es aber entscheidend, was nach Abzug aller Kosten für ihn übrig bleibt. Er zahlt zunächst beim Kauf den Ausgabeaufschlag: für Rentenfonds ein bis vier, für Aktien- bis zu sechs und für Immobilienfonds rund fünf Prozent. Geldmarktfonds sind in der Regel aufschlagfrei. Dieses Aufgeld gibt die Fondsgesellschaft für Vertrieb und Marketing wieder aus. Management- und Verwaltungsgebühren wandern in die Taschen der Fondsgesellschaft. Bis hierhin sind die Kosten für den Kunden klar erkennbar im Prospekt aufgelistet. Wieviel hingegen für Kauf und Verkauf von Wertpapieren, Honorare von Wirtschaftsprüfern oder für Berichtskosten ausgegeben wird, ist nicht erkennbar. Dem soll die TER (Total Expense Ratio) abhelfen. Sie umfasst außer den Kaufund Verkaufsgebühren alle sonstigen Kosten. Nicht enthalten sind der Ausgabeaufschlag und die Kosten für die Performance. Wer sich dafür interessiert, wie hoch die TER bei den einzelnen Fonds zu Buche schlägt, findet sie als Excel-Datei auf der Internetseite des BVI. Danach sind die Dachfonds mit einer durchschnittlichen TER von 1,36 Prozent am teuersten, gefolgt von Aktien- (1,31 Prozent) und Rentenfonds mit 0,91 Prozent. Die niedrigsten Gebühren weisen Geldmarktfonds auf. Allerdings ist die TER nur ein erster Schritt auf dem Weg zu mehr Transparenz beim Kauf von Investmentfonds.

Käufer von Fondsanteilen sollten sich – besonders wenn sie größere Summen investieren wollen – nicht scheuen, um einen Nachlass beim Ausgabeaufschlag zu feilschen. Denn diese Gebühr kassieren die Banken. Zeigt sich der Berater von seiner sturen Seite, bleibt immer noch der Anruf bei einer Direktbank. Dort bietet man meist schon von sich aus einen Rabatt an.

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