Fast 2 500 Objekte auf 250 Quadratmetern

Colditz schreibt Dentalgeschichte

Wer einmal mit eigenen Augen bestaunen will, mit welchen Instrumenten und Apparaturen die Kollegen in vergangenen Zeiten gearbeitet haben, sollte einen Abstecher nach Sachsen machen: Das Dentalhistorische Museum auf Schloß Colditz beherbergt die zweitgrößte Sammlung der Welt zum Thema Dentalgeschichte. Jetzt ist die Ausstellung um ein Highlight reicher: Die wissenschaftliche Dokumentation zur Ausbildung des Zahnarztes in der DDR, die berühmte „Blaue Reihe“, wurde feierlich vorgestellt.

Die herrschaftliche Prominenz ließ sich nicht lange bitten: Kulturbeauftragte Cornelia Kasten war in die historischen Kleider Kurfürstin Sophies (1568-1622) geschlüpft und durchtrennte als einstige Schlossherrin das blaue Band – die Ausstellung im Dentalhistorischen Museum auf Schloß Colditz war eröffnet. Sofort drängten sich die Besucher rund um die neuen Exponate. Insgesamt 22 Bände umfasst die „Blaue Reihe“, die wissenschaftliche Sammlung zum Zahnmedizinstudium in der DDR. 60 Lehrstuhlinhaber und acht Zahnärzte haben in den Jahren 1949 bis 1989 daran gearbeitet. Einige leben mittlerweile nicht mehr, doch 17 reisten nach Colditz, um die Übergabe gebührend zu feiern.

Neben Arbeitstischen, Behandlungseinheiten und Instrumentenkoffern gibt es auch viel Kurioses zu entdecken: Museumsleiter Andreas Haesler führte als Beispiel den Prototypen einer nie eingesetzten Lichtbogenschmelzschleuder vor. Fast 2 500 Objekte finden Platz auf 250 Quadratmetern.

Prachtstück aus Petersburg

Zurzeit ist ein aufwändig mit Schnitzereien und Marmor verzierter Zahnschrank aus St. Petersburg unterwegs – etliche große Projekte, wie die Einrichtung einer Bibliothek und komplett ausgestalteter OP-Zimmer der Jahre 1880 bis 1900, sind in Planung.

Zwar müsse er sein Geld mit der Herstellung von Zähnen und nicht dem Sammeln von Stücken verdienen, wendete Zahntechnikermeister Haesler ein, aber: „Mit so einer Resonanz hätte ich nie gerechnet. Das ist der absolute Wahnsinn!“

INFO

Vergangenes Jahr zählte das Schloss 21 000 Gäste. Neben dem 2000 eröffneten Dentalhistorischen Museum, das Andreas Haesler in seiner Freizeit aufbaute, soll das Schloß Colditz künftig ein Porzellanmuseum und eine Jugendherberge erhalten. Das fast 1 000-jährige Schloss erlebte wechselvolle Zeiten: Unter Kurfürstin Sophie von Sachsen erfuhr es im 17. Jahrhundert eine Blütezeit, im Zweiten Weltkrieg diente das Gebäude als Kriegsgefangenenlager für alliierte Offiziere. Eine Ausstellung erzählt von abenteuerlichen Fluchtversuchen.

Kontakt:
Dentalhistorisches Museum
im Schloß Colditz, Schloßgasse 1, 04680 Colditz,
http://www.dentalmuseum.de,
E-Mail: info@dentalmuseum.de,
Andreas Haesler, Tel.: 0174/3261161

Spenden:
Raiffeisenbank Grimma,
Konto: 80008694, BLZ: 86065483,
Stichwort: Dentalhistorisches Museum.

Interessierte können per Internet die dekorativen „Jahreszähne“ aus Keramik erwerben: Jedes Jahr wird ein neuer Zahn aufgelegt, pro verkauftem Zahn erhält das Museum fünf Euro.

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