Orthopädie

Homocystein-Serumspiegel zeigen Osteoporoserisiko an

Menschen, deren Homocystein-Serumspiegel im oberen Bereich normaler Werte liegen, haben ein deutlich erhöhtes Risiko, an Osteoporose zu erkranken. Ihr Frakturrisiko ist fast doppelt so hoch, wie bei Menschen mit geringeren Serumspiegeln.

In der Ausgabe des New England Journal of Medicine vom 13. Mai diesen Jahres sind gleich zwei Originalarbeiten abgedruckt, die diesen Hinweis geben. Besonders aussagekräftig ist die Studie, die von Joyce B. J. von Meurs sowie Mitarbeitern von der Medizinischen Fakultät der Universität zu Rotterdam präsentiert wurde. In insgesamt drei prospektiven Populationen wurden Homocystein- Spiegel routinemäßig mitverfolgt.

Vergleicht man das Frakturrisiko der Personen mit den höchsten Werten (höchste Quartile) mit dem der übrigen Personen, die den 75- prozentigen Rest der Population darstellen, ergibt sich aus den erfassten 11253 Personen- Jahren das in den nebenstehenden Abbildungen dargestellte Bild.

Die Autoren haben errechnet, dass das Frakturrisiko in der oberen Gruppe 1,9fach höher liegt als bei den übrigen Personen. Diese Einschätzung gilt auch, wenn die Zahlen gegen die Knochendichte und andere bekannte Risikofaktoren für osteoporotische Frakturen abgeglichen wird. Die Studie von Robert R. McLean von der US-amerikanischen Harvard-Universität bestätigt die vorige Studie, allerdings nutzt sie retrospektiv das aus der Framingham- Studie verfügbare Material.

Der Frage, ob nun Homocystein ein eigener Risikofaktor sei oder nur ein Hinweis auf das Risiko, bearbeitet im Editorial der selben Ausgabe Lawrence G. Raisz von der Universität des Staates Connecticut (USA). Er betont, dass es eine Reihe von Indizien gäbe, Homocystein doch mehr als Risikoindikator zu betrachten – allerdings, ohne die Beobachtungen der beiden Studien auf die leichte Schulter nehmen zu können:

1. Homocystein lässt sich leicht in Großlabors messen und bei Patienten, deren erhöhtes Risiko vermutet wird, als Bestätigung nutzen.

2. Homocystein, das auch die kardiovaskulären Risiken hochtreibt, ist sehr leicht durch Supplementierung mit Folsäure und den Vitaminen B6 und B12 zu senken. Diese Vorsichtsmaßnahme sollte man auf jeden Fall ergreifen, wenn familiär oder durch Lebensumstände die Gefahr einer Osteoporose erhöht ist.

T. U. Keil


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