Öffentlicher Gesundheitsdienst – wissenschaftlicher Kongress in Marburg

Prävention stärken

Mehr Prävention in Deutschland forderte der öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) anlässlich seines wissenschaftlichen Kongresses Anfang Mai in Marburg. Rund 500 Ärzte und Zahnärzte aus den Gesundheitsämtern aller Bundesländer kamen zu der Fortbildungsveranstaltung, um sich fachlich über die letzten Neuerungen zu informieren und eine politische Standortbestimmung vorzunehmen.

Zwei Themen brannten den Vertretern des öffentlichen Gesundheitsdienstes besonders unter den Nägeln: Prävention und Katastrophenschutz.

Durch gezielte Prävention seien viele Krankheiten zu vermeiden, erklärte der Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD), Dr. Klaus Walter. Der ÖGD verstehe sich dabei als Koordinator und Organisator. Schätzungen über künftige Einsparungen durch Prävention gingen in die Millionenhöhe. Um mittelfristig Geld in der Krankenversorgung sparen zu können, forderte der Verband aber kurzfristig die Bereitstellung von Mitteln für Präventionsprogramme. Der ÖGD erhoffe sich neue Impulse durch das in Vorbereitung befindliche Präventionsgesetz.

In jüngster Zeit sei durch Ereignisse, wie den 11. September, den Ausbruch von SARS, die Bedrohung durch Milzbrand oder Pocken, der Katastrophenschutz in den Fokus der Arbeit der Gesundheitsämter gerückt. Man sei gut vorbereitet und für alle Eventualitäten gerüstet, erklärte Walter.

Ganz konkret ist der öffentliche Gesundheitsdienst von haushalterischen Streichungen bedroht und muss unter erschwerten Rahmenbedingungen (Personalknappheit, leere Kassen der Kommunen) arbeiten. Deswegen richtet man sich im ÖGD darauf ein, sich gezielt in politische Gespräche einzubringen, um auf die vorhandenen Ressourcen und Erfolge, aber auch auf die Konsequenzen der Streichungen hinzuweisen.

Ohne eine personell ausreichende Ausstattung könne der ÖGD nicht erfolgreich sein – das bescheinigte den Tagungsteilnehmern der Vertreter des Bundesgesundheitsministeriums, Ministerialdirektor Prof. Dr. Stefan Winter. Beim geplanten Präventionsgesetz seien die Gesundheitsämter unverzichtbare Partner bei der Umsetzung, niemand außer ihnen wisse so gut Bescheid über die Bedarfe vor Ort. Wichtig sei die Vernetzung von Strukturen und die Kooperation aller Akteure, die am Gesundheitswesen beteiligt sind.

Kritisch mit dem Präventionsgesetz ins Gebet ging hingegen die hessische Sozialministerin Silke Lautenschläger. Es sei noch nicht klar, wie das Gesetz auf örtlicher Ebene umzusetzen sei, sagte sie. Fraglich sei auch, ob die Mittel tatsächlich dort ankämen, wo sie vor Ort gebraucht würden.

Dr. Andreas Crusius, Vizepräsident der Bundesärztekammer, hob unter anderem die gute Zusammenarbeit der Ärzteschaft mit ÖGD und Krankenkassen hervor und nannte als Beispiele Aktivitäten im Bereich Darmkrebs, Magenkrebs oder Depressionen. Er plädierte dafür, im Bereich Impfungen die Aktivitäten zu verstärken.

Lob für die Zahnärzte

Viel Lob gab es auf dem Kongress für die Zahnärzte. Der Bereich Zahnmedizin wurde von verschiedenen Seiten als beispielhaft herausgestellt. Dank gezielter Präventionsprogramme und Vernetzungsstrukturen hatte sich die Zahngesundheit in Deutschland in den letzten zehn Jahren erheblich verbessern können. Dr. Klaus-Günter Dürr, 1. Vorsitzender des Bundesverbandes der Zahnärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes (BZÖG), hob die Aktivitäten der Arbeitsgemeinschaften für Jugendzahnpflege hervor. Die auf kommunaler Ebene organisierten Programme erreichten die Kinder gut. Der mit der aufsuchenden Gruppenprophylaxe begangene Weg zur Verbesserung der Mundgesundheit bei Kindern und Jugendlichen müsse konsequent weiter verfolgt werden.

Dr. Michael Frank, Präsident der Landeszahnärztekammer Hessen, dankte seitens der Zahnärzteschaft dem öffentlichen Gesundheitsdienst für sein Engagement um Kinder mit erhöhtem Kariesrisiko. Gerade die Betreuung von Risikogruppen liege der Zahnärzteschaft und auch der Bundeszahnärztekammer sehr am Herzen. Dies habe sich eindrucksvoll am Beispiel des kürzlich veranstalteten Symposiums zur Behindertenbehandlung gezeigt. Bei der Betreuung von Kariesrisikogruppen habe sich die Verzahnung zwischen Individual- und Gruppenprophylaxe als erfolgreich bewährt. Als konstruktiv hob Frank auch die Kontakte zwischen dem BZÖG und der verfassten Zahnärzteschaft hervor und bot an, hier gemeinsam den eingeschlagenen Weg weiter zu entwickeln.

Beim zahnärztlichen Programm stand vor allem ein Fachvortrag von Prof. Dr. Willi-Eckhardt Wetzel, Universität Gießen, im Vordergrund. Er referierte über frühe Milchzahnkaries im Konfliktfeld der altersentsprechend unzureichenden Kooperation der Kleinkinder. Sein Appell an die Zahnärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes: „Helfen Sie den Kollegen in den Praxen, damit Missverständnisse bei der Behandlung dieser besonders schwierigen Altersgruppe verschwinden.“

Das Foto zeigt (v.l.n.r.): Dr. Grit Hantzsche, Dr. Uwe Niekusch, Dr. Cornelia Wempe, Dr. Michael Schäfer, Dr. Claudia Sauerland und Bernd Schröder. | Foto: BZÖG

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