Karlsruher Konferenz 2004

Endlich Sicherheit und Erfolg in der Endodontie

Seit nunmehr 17 Jahren ist es Tradition, dass mehrere hundert Zahnärzte aus ganz Deutschland und angrenzenden Nachbarstaaten im Frühjahr nach Baden reisen, um sich dort bei Michael Heners in Karlsruhe zu treffen. So auch in diesem Jahr.

Denn, der Direktor der Akademie für Zahnärztliche Fortbildung, Prof. Dr. Dr. Michael Heners, hat zusammen mit seinem Mitstreiter Prof. Dr. Winfried Walther die badische Kurfürstenstadt zwei Tage lang „voll im Griff“. Dieses Jahr stand der Wurzelkanal im Mittelpunkt, denn ihn einerseits perfekt freizulegen und dann auch noch so akkurat zu füllen, dass er der Zahnsubstanz drumherum noch viele Jahre Existenz im Munde seines „Wirts“ beschert, kann manch einen Zahnarzt schon arg nervös machen. Nicht aber den, der die spannenden Vorträge gehört hat und die Tipps und Tricks gleich am folgenden Montag in seiner Praxis umsetzen und damit „an den Zahn“ bringen konnte. Die Endodontie hat in den letzten Jahren eine große Revision erfahren, das machten alle wissenschaftlichen Beiträge deutlich. So gab Prof. Dr. Gilberto Dobelian, Oslo, einen Einblick in die heutigen Möglichkeiten der Endodontie. Mittels elektronenmikroskopischer Aufnahmen ließ er die Zuhörer in Bereiche blicken, für die ihnen bislang der Visus verschlossen war. Er machte klar, dass Keime, die das Endodont besiedeln, nahezu identisch mit den Anaerobiern sind, die verantwortlich für Parodontopathien sind. Auch sie sind in einem Biofilm organisiert, ihn gilt es bei der Behandlung aufzubrechen.

Arbeiten Sie mit dem OP-Mikroskop

Dobelian zeigte einen Zusammenhang zwischen endodontischen Behandlungen und Bakteriämie und wies auf die Brisanz dieser Problematik hin. Der Referent mahnte die Teilnehmer, bei der Behandlung von Wurzelkanälen nie auf optische Hilfsmittel zu verzichten. Er stellte Ultraschallinstrumente vor, mit deren Hilfe abgebrochene Wurzelkanalinstrumente mühelos entfernt werden können, und welche auch bei der Aufbereitung des Kanals zur retrograden Wurzelfüllung ihren Einsatz haben. Dobelian favorisiert immer noch Guttapercha-Stifte.

Professor Dr. Matthias Hannig, Homburg/Saar, widmete seinen Vortrag dem „endodontischen Kunststück“.

Hannig zeigte die Probleme auf, die in der alltäglichen Praxis bei endodontischen Behandlungen auftreten. Dieses liege, so der Referent, fast ausschließlich in der schwierigen Situation der anatomischen Verhältnisse, die äußerst variabel sein können. So können unerwartete Wurzelzweige und Verästelungen sowie Abknickungen im Apex eine exakte Aufbereitung des Kanals erschweren und das Eindringen von Bakterien begünstigen. Bei der Auswahl der erforderlichen Aufbereitungsinstrumente soll immer auf die Memory-Flexibilität, eine perfekte Schneidleistung und die Frakturresistenz geachtet werden, so Hannig.

Ledermix nur für die Schmerztherapie

Professor Dr. Edgar Schäfer, Münster, gab einen aktuellen Überblick über die derzeitigen Möglichkeiten der medikamentösen Therapie zur Unterstützung einer Wurzelkanalbehandlung und erläuterte ihren Einsatz bei verschiedenen Indikationen. So empfahl er bei der apikalen Parodontitis nur eine Reinigung und Desinfektion mit NaOCl (Natriumhypochlorid) des Wurzelkanals und der pulpanahen Dentinschichten, da sich bei dieser Form der Entzündung kaum Mikroorganismen im Apex befänden, so der Referent. Bei der infizierten Nekrose hingegen, sollte vor der Wurzelkanalfüllung unbedingt eine medikamentöse Einlage erfolgen. Das Mittel der Wahl ist für Schäfer Kalziumhydroxid. Die Einlagezeit sollte drei Monate nicht überschreiten, bei blutenden und exsudierenden Kanälen sollte CaOH2 nicht länger als drei Wochen im Kanal belassen werden. Besteht ein Verdacht auf eine Infektion mit Enterococcus faecalis, was nach Schäfer relativ häufig der Fall ist, sollte eine Einlage mit zweiprozentigem Chlorhexidin für etwa eine Woche erfolgen. Ledermix darf, so der Referent in seinen Ausführungen weiter, nur in der Schmerztherapie vor Vitalextirpation im Bereich der Kronenpulpa Anwendung finden, sei aber für die Therapie der infizierten Nekrose nicht geeignet.

Professor Dr. Jürgen Setz, Halle, zeigte Möglichkeiten auf, wie der devitale Zahn schließlich doch noch für den Patienten befriedigend „in Funktion“ gesetzt werden kann. Denn, so der Referent, wenn devitale Zähne in eine prothetische Versorgung integriert werden, müssen sie nach wie vor durch Stiftaufbau stabilisiert werden. Um aber den Wurzelrest bei der Präparation des Kanallumens nicht unnötig zu schwächen, ist immer ein geeigneter Stiftaufbau zu wählen.

Als häufigste Komplikationen dieser Versorgungen gelten, so Setz, akute Exerbationen, Zahn- und Gingivaverfärbungen (Tätowierungen), toxische Osteolysen, Via falsa, eine Stiftlockerung sowie die Stift- und letztendlich die Zahnfraktur. sp

Weitere Bilder
Bilder schließen