4. Endodontie-Symposium

Endo gewinnt immer mehr an Bedeutung

Zum vierten Mal fand das Endodontie-Symposium, gemeinsam ausgerichtet von der gleichnamigen Fachzeitschrift, der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ) und der Vereinigung der zertifizierten Endodontisten Deutschlands (VDZE), diesmal in Berlin statt. Nationale und internationale Referenten äußerten sich zum „Problemmanagement in der Endodontie“.

Den Vorträgen vorgeschaltet, hatten die Interessierten am Freitagvormittag die Möglichkeit, an einem der vier stattfindenden Vorkongress-Seminare teilzunehmen. Zu wählen war zwischen einem „Fallseminar“, geleitet von der VDZE „Praxisbezogene Wurzelkanalaufbereitung mit dem Flexmaster-System“ von Dr. Thorsten Mayer, München, „Restaurationen mit Faserstiften“ von Dr. Gabriel Krastl, Tübingen, und „Das Dentalmikroskop in der Endodontie“ von Dr. Thomas Clauder, Hamburg.

Interessant und abwechslungsreich

Zu dem Hauptkongress hatten sich 150 bis 200 Kolleginnen und Kollegen versammelt und kamen in den Genuss zahlreicher interessanter und lehrreicher Vorträge. Wie in der Begrüßung von Prof. Dr. Claus Löst, Tübingen, angekündigt, befasste sich das Symposium mit praxisnah orientierten Themen und verzichtete auf große politische Vorreden. Eine kurze Zusammenfassung beschäftigte sich mit der Quantität und der Qualität der Wurzelkanalbehandlungen in Deutschland und mit möglichen Aus-, Fortund Weiterbildungen in der Endodontie. In Deutschland gibt es noch verschiede Möglichkeiten sich zu „spezialisieren“; daher bezeichnete Löst die Forderung nach einheitlichen, praxisnahen Ausbildungsstandards als notwendig und berechtigt.

Aus Oslo angereist, sprach Prof. Dr. Markus Haapasalo über den heutigen Wissensstand der bakteriellen Besiedelung und Entzündungsabläufe in infizierten Wurzelkanälen. Er ging auf die zellulären Vorgänge bei apikalen Läsionen und den sich zwischen Infektion und Abwehr abspielenden Balanceakt ein, der jahrelang symptomlos verlaufen kann. Dr. Hans-Willi Herrmann, Bad Kreuznach, schilderte eindrucksvoll den Ablauf der endodontischen Notfallbehandlung, die häufigsten hierbei auftretenden Fehler und Anhaltspunkte sowie deren Vermeidbarkeit. Als Eckpfeiler einer erfolgreichen Behandlung wurden eine sorgfältige Schmerzdiagnostik, eine korrekte Anästhesie und eine adäquat geplante und durchgeführte Behandlung genannt.

Im Anschluss folgte die Verleihung der „Endodontie“-Preise, mit einem Kurzvortrag des Preisträgers Dr. Matthias Zehnder, Zürich, (Hochschulpreis) über seine durchgeführte Studie zur Wirksamkeit von Kalziumhydroxid in Kombination mit anderen bekannten chemischen Spülflüssigkeiten. Weitere Auszeichnungen gingen an Dr. Clemens Bargholz, Hamburg, (Praktikerpreis) und Dr. Johannes Mente, Heidelberg, (Hochschulpreis Kasuistik).

Dr. Peter Kiefner (VDZE), Stuttgart, referierte über die Entscheidungsfindung und das Problemmanagement in der orthograden Revisionsbehandlung. Er unterstrich die gute Erfolgsaussicht von Revisionsbehandlungen, sofern die Fehlerquelle gut recherchiert und behoben wird. Anschließend stellte Dipl.-Stom. Ralph Buchholz (VDZE), Burg, einen seltenen, aber einprägsamen Fall einer endodontisch bedingten Halsfistel vor, die mehrfach erfolglos medizinisch behandelt wurde.

Bei der abschließenden „Get-together-Party“ hatten alle Teilnehmer die Möglichkeit in lockerer Atmosphäre den hinter ihnen liegenden Kongresstag ausklingen zu lassen und in netten Gesprächen das Gehörte zu reflektieren.

Praxisbezogen und aktuell

Den Samstag begann Prof. Dr. Markus Haapasalo, Oslo, mit dem zweiten Teil seines Vortrages, in dem er über die Kontrolle der Infektion während der endodontischen Behandlung sprach. Seine Strategie fasste er in drei Punkten zusammen: Die „eigene Abwehr“ und „Antibiotika“ als Prävention der weiteren Keimverbreitung, „Aufbereitung“ und „lokale Medikamente“ mit dem Ziel der Infektionsbeseitigung und „Wurzelkanalfüllung“ und „koronaler Verschluss“, um eine Re-Infektion zu vermeiden.

Dr. Marco Georgi (VDZE), Wiesbaden, stellte anschließend einen Patientenfall mit einer Via falsa und die mögliche Versorgung vor. ZA Reinhard Strenzke (VDZE), Kassel, berichtete über einen Schmerzfall aus dem Notdienst.

Schon am Freitag liefen im Hintergrund des Kongresses die Prüfungen der drei neuen Kandidaten für die DGZ-Endodontie-Spezialisierung. Nun hatten PD Dr. Matthias Folwaczny, München, Dr. Armin Gambal, Peine, und Dr. Jens Versümer, Eddigehausen, die Gelegenheit, ihre Vorträge zu halten, um allen Anforderungen zum „Endospezialisten“ gerecht zu werden.

Was der Pulpa zugemutet werden kann, stand im Mittelpunkt der Ausführungen von Prof. Dr. Bernd Haller, Ulm. Strukturiert und aufschlussreich sprach er über die direkte und indirekte Überkappung, welche Materialkombinationen am verträglichsten für die Pulpa sind und welcher Verbund zwischen Zahnhartsubstanz und Füllungsmaterial am dichtesten ist.

Problemmanagement in der Endodontie

Gut verköstigt ging es nach der Mittagspause in die zweite Tageshälfte. PD Dr. Thomas Schwarze, Hannover, stellte das Material MTA (Mineral Trioxide Aggregate) mit seinen Indikationen und Eigenschaften vor, von denen er den „Portland Zement“ als Hauptbestandteil besonders betrachtete. Er verglich verschiedene Studien, die die einzelnen Charakteristika von MTA überprüften. Dr. Johannes Mente, Heidelberg, befasste sich mit der klinischen Anwendung von MTA und beschrieb anhand von Falldarstellungen die verschiedenen Einsatzgebiete (Reparatur von Perforationen, retrograder Verschluss, Apexifikation, direkte Überkappung), die Alternativen und die Erfolgschancen des Einsatzes.

Vor der nächsten Pause überreichte Prof. Dr. Michael Hülsmann, Göttingen, an die Teilnehmer des 2. APW-Curriculums Endodontie ihre Urkunden für die erfolgreiche Teilnahme. Die Angst vor obliterierten Kanälen zu nehmen, war das Ziel von PD Dr. Claudia Barthel, Düsseldorf. Informativ schilderte sie Möglichkeiten, iatrogene Obliteration zu vermeiden beziehungsweise sie zu beheben. Dr. Gabriel Krastl, Tübingen, ging zum Schluss des Endodontie-Symposiums auf mögliche Endversorgungen ein. Im Speziellen sprach er über Stiftaufbauten, ihre Indikation und Kontraindikation.

Beendet wurde der Kongress, der sich nicht nur durch äußerst praxisnahe Themen, sondern auch durch eine ungewöhnlich große Zahl an endodontisch spezialisierten Referenten aus der Praxis auszeichnete, mit abschließenden Worten von Prof. Dr. Michael Hülsmann, Göttingen, der kurz die letzten beiden Tage reflektierte, sich für das Engagement der Teilnehmer und die Beteiligung der Referenten bedankte und bereits auf die Planungen für das nächste Symposium am letzten Aprilwochenende 2005 wieder in Berlin hinwies.

ZA Jan Heppeler
Zentrum ZMK, Universität Göttingen
Abteilung Zahnerhaltung, Präventive
Zahnheilkunde und Parodontologie
Robert-Koch-Str. 40
37075 Göttingen

Weitere Bilder
Bilder schließen