Die Poliklinik für Zahnerhaltungskunde (Carolinum) ist grundlegend „reformiert“

Vom Phantom- zum Patienten-Simulations-Kurs

In dem Phantomkurs der Zahnerhaltung werden den Studierenden des ersten klinischen Semesters die Voraussetzungen für die Behandlung am Patienten vermittelt. Durch Übungen am Phantomkopf erlernen die Studierenden die wesentlichen Behandlungsschritte, die in den darauf folgenden Behandlungskursen am Patienten durchgeführt werden. Hier hat sich in Frankfurt einiges getan. Der vorliegende Bericht zeigt die moderne Situation in der Abteilung „Kons“ an der Frankfurter Universitätszahnklinik auf.

Nach 24-jährigem Bestehen des alten Phantomkursraumes aus dem Jahre 1978/79 konnte zum Winter-Semesterbeginn 2002/ 2003 nach zweieinhalbjähriger Planungsund Bauphase der neue, zukunftsorientierte Patienten-Simulations-Kursraum eingeweiht werden. Die ursprünglichen kombinierten Phantom-Labor-Plätze (Abb. 1 und 2) wurden durch multimediale Patienten- Simulations-Plätze (Abb. 3 und 4) ersetzt.

Der Antrag für die Umbaumaßnahmen wurde bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) nach dem Hochschulbauförderungsgesetz (HBFG) eingereicht und an den Wissenschaftsrat weitergeleitet, um die Mitfinanzierung des Bundes zu gewährleisten. Er wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zur Umsetzung empfohlen. Das Landesministerium gab der Hochschule, nach Zustimmung des Wissenschaftsrates, die Finanzmittel für multimedial vernetzte Dental-Simulations- Behandlungsplätze frei.

Bauliche Planung

Unter Leitung des Architekten Werner Beuermann, Gießen, wurde Mitte Juli 2001 mit den Demontagearbeiten der alten Phantomkursplätze begonnen. Schließlich konnten im Oktober 2002 die Baumaßnahmen für den neuen Patienten-Simulations-Kurs beendet werden.

Die Kosten für die baulichen Maßnahmen beliefen sich letztendlich auf zirka 500 000 Euro und für die Ausstattungen des Raumes mit Schränken, dentalen Simulations-Einheiten und Geräten mussten nochmals 600 000 Euro, wovon etwa die Hälfte über das Hochschulbauförderungsgesetz gefördert wurden, aufgebracht werden. An dieser Stelle geht unser ausdrücklicher Dank an den Stiftungsvorstand des Carolinums, der das Vorhaben maßgeblich unterstützt hat.

Ausbildungsziel des Phantomkurses der Zahnerhaltung ist die realistische Simulation der Tätigkeit eines Zahnarztes bei der prophylaktischen, restaurativen und endodontischen Behandlung unter medizinischen, hygienischen und arbeitswissenschaftlichen Gesichtspunkten. Die Ausstattung des Phantomkursraumes mit modernen Behandlungssimulatoren ist somit Voraussetzung für die zeitgemäße Erfüllung des Lehrauftrages, der in der Studienordnung festgeschrieben ist.

Neben einer modernen Studentenausbildung bietet der Kurssaal die technischen Voraussetzungen, um theoretische und praktische Fortbildungen für Helferinnen und Zahnärzte durchzuführen.

Die Neugestaltung des Phantomraumes soll der Anforderung Rechnung tragen, einen klinischen Simulationsraum bereitzustellen, der sich vom Erscheinungsbild her deutlich von zahntechnischen Arbeitsplätzen unterscheidet. Der in der Vergangenheit gemachte Kompromiss der Verknüpfung von zahntechnischer und klinischer Simulation wurde bei der Neueinrichtung des Phantomraumes vermieden.

e-Learning und mehr

Mit Hilfe moderner Medien und Informationstechnologie ist die interaktive Ausbildung und Selbstkontrolle durch kontextsensitive Visualisierung und einen wissenschaftlich abrufbaren Datenpool verbessert und effektiver gestaltet worden. So kann durch Einsatz eines Intranetzes die Darstellung von guten und fehlerhaften Arbeitsweisen für alle Kursteilnehmer simultan erfolgen. Ebenso ist der Zugriff auf zentral vorgehaltene Unterrichtsmaterialien in digitaler Form, die mittlerweile in größerer Zahl vorliegen, direkt während der praktischen Arbeiten möglich.

Die Simulationseinheiten wurden eigens für den Phantomkurs von Mitarbeitern der Abteilung der konservierenden Zahnerhaltung, OA Dr. Werner Betz, Dr. Thomas Gerhardt und OÄ Priv. Doz. Dr. Susanne Szep in Zusammenarbeit mit der Firma Sirona, Bensheim, entwickelt.

Jeder Arbeitsplatz hat ein Antriebselement – entsprechend einem zahnärztlichen Stuhl – mit je zwei Mikromotoren zum Ansatz der mit Wasser gekühlten Winkelstücke, eine Multifunktionsspritze (Wasser und Luft), Ultraschall und eine integrierte Polymerisationslampe zum Aushärten lichtsensitiver Materialien. Des Weiteren enthält der Patienten- Simulations-Platz ein Helferinnenelement mit Saugschläuchen zum Absaugen des beim „Bohren“ benötigten Kühlwassers, einen Schrank für Instrumente und Materialien, Behandlungsleuchten, Flachbildschirme und einen im Schrank befindlichen PC, welcher mit dem Intranet des Zentrums für Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten (ZZMK) verknüpft ist und die Möglichkeit des Internetzuganges aufweist. Diese Simulationsplätze dienen auch als Vorbild zur derzeit geplanten Umgestaltung der vorklinischen Ausbildungsräume und haben auch international (Berlin und Chile) großen Anklang gefunden.

Die alten Phantomkurseinheiten gingen in Form einer Schenkung an die zahnärztliche Universität Szeged in Ungarn, sowie an die zahnärztliche Universität Tirgu-Mures (Neumarkt) in Rumänien.

Korrespondenzadresse:

Dr. med. dent. Astrid Kunkel
Dr. med. dent. Jasminka Pongrac
Dr. med. dent. Thomas Gerhardt
OÄ. Priv.-Doz. Dr. med. dent. Susanne Szep
Prof. Dr. med. dent.. Detlef Heidemann
Zentrum der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde des Klinikums der
J. W. Goethe-Universität, Frankfurt am Main
Zahnärztliches Universitäts-Institut der Stiftung „Carolinum“
Theodor-Stern-Kai 7
60596 Frankfurt am Main
E-Mail: S.Szep@em.uni-frankfurt.de

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