Interaktive Fortbildung

Ohne Parodontologie keine Zahnerhaltung

Dieser für den Jahresablauf der Zahnärztlichen Mitteilungen ungewöhnliche Fortbildungsteil erscheint zusätzlich zu den großen Frühjahrs- und Herbstschwerpunkten. Sie werden mit diesem Interaktiven Fortbildungsteil die Gelegenheit haben, praktische Fälle und ihre Therapielösung aus verschiedenen Fachbereichen der Zahnmedizin zu begleiten. In zm-online.de haben Sie die Möglichkeit, interaktiv ihr erlerntes Wissen zu überprüfen.

Parodontopathien und Karies sind nach wie vor die Hauptursachen für Zahnverlust. Insofern zählen parodontaltherapeutische Maßnahmen zu den wichtigsten zahnerhaltenden Behandlungsmethoden. Neben diesen klassischen Aufgaben der Parodontologie gibt es zahlreiche Berührungspunkte mit anderen Teilgebieten der Zahn-, Mundund Kieferheilkunde, wobei in den letzten beiden Jahrzehnten insbesondere oralchirurgische Themenkomplexe, zum Beispiel Implantologie, Transplantatchirurgie und der Einsatz von Augmentationstechniken, von zahlreichen Parodontologen als Teilgebiete des Faches reklamiert werden. Im wissenschaftlichen Bereich hat die Parodontologie eine enorme Bedeutung. Kenntnisse in den Bereichen Immunologie, Mikrobiologie, Genetik und zahlreichen anderen wissenschaftlichen Disziplinen sind für das Verständnis der Ätiologie, Pathogenese und Therapie, vor allem der entzündlichen Parodontalerkrankungen, notwendige Voraussetzungen.

Parodontologie in der Allgemein(zahnarzt)praxis

Parodontale Erkrankungen sind zumeist komplexe, chronische Erkrankungen, und häufig ist die Therapie nicht von Erfolg gekrönt. Die Patientencompliance spielt im gesamten Behandlungsablauf eine wichtige Rolle, und noch ist wenig über die Kosten-Nutzen-Relation umfangreicher Parodontalbehandlungen bekannt. Letztlich leisten Parodontalbehandlungen, wie viele Behandlungsmethoden bei chronischen Erkrankungen, auch einen großen Beitrag zum Erhalt der Lebensqualität. Und dieser Bereich lässt sich möglicherweise nicht allein in Geldbeträgen messen.

Die nachfolgenden Behandlungsfälle mögen verdeutlichen, wie wichtig eine gut geplante und systematisch durchgeführte Parodontalbehandlung für die Erhaltung der Zähne und des Zahnhalteapparates ist. Sie sollen auch veranschaulichen, dass in einem eher synoptischen Konzept einer zahnärztlichen Praxis die systematische Parodontalbehandlung zu den unverzichtbaren Bestandteilen eines Gesamt-Therapiekonzeptes gehört.

Prof. Dr. Elmar Hellwig
Universitätsklinik für Zahn-, Mund- und
Kieferheilkunde
Abteilung für Zahnerhaltungskunde und
Parodontologie
Hugstetter Str. 55
79106 Freiburg


Verantwortlich für die Interaktive Fortbildung:

Prof. Dr. Elmar Hellwig
Prof. Dr. Detlef Heidemann
Susanne Priehn-Küpper

Kommentar aus der Hochschule

Parodontologie in Klinik und Forschung

Die Parodontologie ist nicht nur im Bereich der Krankenversorgung, sondern auch oder gerade im Bereich der Forschung ein wichtiges Bindeglied der Zahnmedizin zu humanmedizinischen Disziplinen. Die Betonung dieses Zusammenhangs hat jedoch nicht nur positive Aspekte. An zahlreichen Universitäten sind die Bereiche Forschung und Lehre bei den Medizinischen Fakultäten und die Krankenversorgung beim Universitätsklinikum angesiedelt. Neuerdings wird in Medizinischen Fakultäten die Frage gestellt, warum Professorenstellen für forschungsintensive Fächer, also auch für Parodontologie, nicht gleich als Forschungsstellen für die obengenannten wissenschaftlichen Schwerpunkte ausgeschrieben werden und die klinische Kompetenz einem fachkundigen Mediziner (Zahnarzt) in die Hände gelegt wird. Dieser Tendenz sollte von Seiten der Zahnmedizin vehement entgegengetreten werden. Will die Parodontologie als eigenes Fach überleben und sich weiterentwickeln, so benötigt sie starke Verbündete. In einer Zeit, in der zahlreiche große medizinische Fachgebiete aufgrund wirtschaftlicher Aspekte zusammengelegt werden (wie Traumatologie und Orthopädie) und in der so genannte kleine Fächer an den Universitäten – unabhängig von ihrer möglicherweise großen Bedeutung – wirtschaftlich ausgehungert werden, kann die Zahnmedizin wissenschaftlich und auf dem Gebiet der Krankenversorgung nur etwas bewegen, wenn sie als Einheit auftritt. Dabei geht es nicht darum, ob ein Fach prüfungsrelevant ist oder nicht. Sondern es geht darum, arbeitsfähige Strukturen zu erhalten oder zu schaffen. Hier hilft auch kein Schielen auf historisch gewachsene Strukturen im Ausland oder das Klammern an ordnungspolitische Vorgaben, wie sie in der Deklaration von Bologna festgeschrieben sind. Der wirtschaftliche Druck in den Medizinischen Fakultäten ist so groß, dass neue Professuren oder gar neue Abteilungen in naher Zukunft nicht zu erwarten sind. Insofern erscheint es umso wichtiger, dem Fach Parodontologie angemessene Arbeitsmöglichkeiten in vorhandenen Strukturen zu schaffen, sodass sich das Fach in Forschung, Lehre und Krankenversorgung adäquat weiterentwickeln kann.

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