Auch Zahnärzte sind betroffen

Depressionen – ein Karrierekiller

Depressionen sind keinesfalls Gesundheitsprobleme, die nur ältere Menschen, solche ohne Job oder „grüne Witwen“ befallen. Im Gegenteil: Sehr häufig manifestieren sich Depressionen bei berufstätigen, hoch engagierten Personen. Sie machen sich dann aber oft nicht primär durch seelische Probleme bemerkbar, sondern werden sehr häufig durch körperliche Symptome maskiert.

Viele Betroffene klagen zunächst über Oberbauchbeschwerden, Sodbrennen, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit oder Herzrhythmusstörungen. Häufig werden die Patienten außerdem von Schwindelattacken, Ohrensausen oder einer unerklärlichen Müdigkeit und Erschöpfungsgefühlen geplagt. Diese Beschwerden können sich bis zur Arbeitsunfähigkeit steigern oder zumindest lange Arbeitsausfallzeiten zur Folge haben.

Reaktion auf den steigenden Leistungsdruck

Vor allem leichtere bis mittelschwere Depressionen werden nach Aussage des Allgemeinmediziners Prof. Dr. Klaus Wahle, Münster, viel zu selten diagnostiziert. Zwar liegen exakte Zahlen für Deutschland nicht vor, doch nach den aktuellen Schätzungen dürften hier zu Lande vier bis sechs Millionen Menschen erkrankt sein. Es ist dabei laut Wahle ein Klischee anzunehmen, man würde den Patienten ihre Depression regelrecht ansehen. Die Betroffenen sind keineswegs erkennbar traurig oder niedergedrückt. Es handelt sich vielmehr oft um aktive Menschen, die mitten im Leben stehen und lediglich über körperliche Symptome klagen, hieß es kürzlich bei einem Symposium in Köln zu diesem Thema.

Durch die Depression sinkt die berufliche Belastbarkeit

Die Zusammenhänge aber müssen ernst genommen werden, die Depression muss diagnostiziert und adäquat behandelt werden, forderte Wahle. Geschieht dies nicht, so drohen erhebliche Gefahren, und das nicht nur wegen der stets latent vorhandenen Gefahr der Suizidalität. Auch soziale Konsequenzen sind zu befürchten. „Denn depressive Menschen sind nicht mehr richtig belastbar, ihre Leistungsfähigkeit sinkt und sie bekommen zunehmend Probleme am Arbeitsplatz und nicht selten auch im familiären Umfeld“, sagte der Mediziner.

Bei der Therapie muss die Berufstätigkeit berücksichtigt werden, es sollten nach Wahle keine Antidepressiva eingenommen werden, die sedierend wirken und die Leistungsfähigkeit dadurch ebenfalls einschränken. Bei der Medikation sollte nach den Worten der Fachleute vielmehr darauf geachtet werden, dass eines der modernen Antidepressiva, wie etwa ein Serotonin- Wiederaufnahmehemmer, gewählt wird, der weder Tremor noch Mundtrockenheit verursacht und auch die kognitive Leistungsfähigkeit nicht beeinträchtigt. Damit bleiben die Arbeitskraft und auch die Verkehrssicherheit voll erhalten.

Christine Vetter
Merkenicher Straße 224
50735 Köln