9. Jahrestagung Initiativkreis umfassende Kieferorthopädie (IUK)

Stabilität oder Rezidive nach einer Kfo-Behandlung

Anfang April 2004 wurde in Bonn der Jahreskongress des IUK und des German Board of Orthodontics and Orofacial Orthopedics (GBO) abgehalten.

Im Vorfeld des Kongresses informierte Dr. Thomas Stamm, Münster, über die einjährige Erfahrung mit dem Internetauftritt des GBO. Dank der von Beginn an etablierten Zugriffsstatistik ist mithilfe der Nutzer eine gezielte Optimierung möglich. So kann ein umfassender und qualitativ hochwertiger Service geboten werden, der in Zukunft nicht nur in deutscher, sondern auch in englischer Sprache zur Verfügung stehen soll.

Früher Therapiebeginn bei Klasse III gefordert

Die „Rolf Fränkel Ehrenvorlesung“ hielt Prof. Dr. Helmut Droschl, Graz, der sein seit über 30 Jahren etabliertes Frühbehandlungskonzept bei Klasse III-Anomalien vorstellte. Die Behandlung beginnt schon im Milchgebiss beziehungsweise im sehr frühen Wechselgebiss, sofern der klinische Befund und die Anamnese auf eine Klasse III hinweisen, mit einer Kopf-Kinn-Kappe sowie einem Funktionsregler III nach Fränkel (FR III), die bis zur Etablierung einer korrekten sagittalen Frontzahnstufe permanent getragen werden sollten. Der Behandlungserfolg kann erst sicher nach der Pubertät beurteilt werden, was regelmäßige Kontrollen bis zu diesem Zeitpunkt erforderlich macht. Die Vorlesung wurde angeregt diskutiert: zum Beispiel die Gefahr der Kiefergelenkschädigung durch den langjährigen Einsatz von Kopf-Kinn- Kappen, oder auch die mögliche Schädigung der Schneidezahnkeime nach Protrusion der Milchfront mit dem FR III.

Prof. Dr. Robert Little, Seattle, gab einen Kurzüberblick über seine Forschungsarbeiten in den vergangenen 30 Jahren. Besondere Berücksichtigung fanden die University of Washington Studies zum Kongressthema „Stabilität und Rezidiv“, in welches Prof. Little systematisch und strukturiert einführte.

Stabilität ist nicht prognostizierbar

Am folgenden Kongresstag gab Prof. Little Fortbildung, die auf seiner 30-jährigen Erfahrung basiert. Er hat über 800 Patientenfälle zusammengetragen, die teilweise bis zu 30 Jahre nach Behandlungsabschluss dokumentiert sind.

Das Stabilitätskriterium eines Behandlungsergebnisses – rein orthodontisch – ist für ihn das Ausmaß des Engstandes im Unterkieferfrontzahngebiet, der mit Hilfe des von ihm 1975 entwickelten Irregularitäts-Index ermittelt wird. Little konnte zeigen, dass ein perfektes Behandlungsergebnis, die Entfernung dritter Molaren und/oder von Zähnen aus dem Zahnbogen, das Beibehalten der Eckzahndistanz und Überkorrekturen (overtreatment) keine Garantie für die Beständigkeit eines Behandlungsergebnisses sind. Auch das noch vorhandene Wachstum nach Behandlungsabschluss und das Platzangebot zu Behandlungsbeginn spielen eine eher untergeordnete Rolle. Dagegen traten weniger Rezidive auf, wenn die anfängliche Zahnbogenform beibehalten wurde und zur Platzbeschaffung der Leeway space ausgenutzt werden konnte.

Little zeigte auch kuriose Einzelfälle, wie beispielsweise einen „Acht-Prämolaren-Extraktionsfall“, der dennoch in einem Rezidiv der unteren Front endete.

Unklar bleibt weiterhin, ob es sich immer um echte Rezidive handelt, also ein Zurückkehren der Zähne in ihre ursprüngliche Stellung, oder aber um neue Befunde. Gerade bei Zähnen, die nach der Retentionszeit rotiert standen, war häufig keine Übereinstimmung mit dem Anfangsbefund auszumachen.

Da der Referent in allen seinen Studien keine Anhaltspunkte finden konnte, die vor, während oder nach der Behandlung einen sicheren Hinweis darauf geben, ob ein Behandlungsergebnis stabil bleibt oder nicht, empfiehlt er lebenslange Retention mit einem festsitzenden Retainer im Unterkiefer. Der Retainer sollte so gestaltet werden, dass er mindestens von Eckzahn zu Eckzahn reicht, kann aber auch die Prämolaren einbeziehen. Des Weiteren ist darauf zu achten, dass alle Zähne mittels Schmelz-Ätz- Technik und Komposit am Retainer befestigt sind, um neben der Wahrung der Eckzahndistanz auch Rotationen vorzubeugen.

Termin 2005

2005 wird der IUK- und GBO-Jahreskongress vom 22. bis 23. April mit dem Verhandlungsthema „Erwachsenenkieferorthopädie“ wieder in Bonn stattfinden. Es werden unter anderem die Risiken, die Problematik bei reduziertem Knochenangebot durch Parodontitis und die besonderen biomechanischen Anforderungen erörtert.

Dr. Julia Nolte
Zentrum für ZMK Poliklinik für Kieferorthopädie
Universitätsklinikum Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg

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