Editorial

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

es erfordert kein großes Nachdenken: Qualität hat gerade in heilenden Berufen eine besonders große Bedeutung. Medizinische Qualität entscheidet über Wohl oder Weh, oft über Leben oder Tod von Menschen. Wer Arzt oder Zahnarzt ist, weiß um diese Verantwortung. Wer sich für den Beruf des Zahnmediziners entscheidet, beschreitet einen Weg lebenslangen beruflichen Lernens. Niedrige „Halbwertzeiten“ des medizinischen Wissensstandes bedingen ausgeklügelte Systeme zur ständigen Weiterentwicklung.

Die Zahnärzteschaft hat hier in jahrzehntelanger Aufbauarbeit kontinuierlich in Eigenverantwortung und Selbstverwaltung – und vor allem freiwillig – funktionstüchtige Mechanismen erstellt und ausgebaut. Der Grund? Wo – wenn nicht im medizinischen Bereich – ist Stillstand ein Rückschritt, der für den Einzelnen ausnehmend folgenschwer sein kann?

Die Zahnärzteschaft fordert deshalb nicht nur aus Verpflichtung gegenüber dem individuellen Interesse ihrer Mitglieder, sondern auch getrieben von medizinischem Ethos und der Verantwortung gegenüber schutzbefohlenen Patienten die aktive Teilnahme an einem ständigen Prozess beruflicher Fortbildung. Zwang, wie er vom Gesetzgeber inzwischen auferlegt wurde, ist überflüssig und rüttelt unnötig am Selbstverständnis der Heilberufler. Hier hat sich bewährt: Das regelt der Berufstand selbst. Qualität betrifft allerdings weit mehr als nur den Bereich medizinischen Wissens. Sie berührt sämtliche Prozesse und Faktoren der beruflichen Praxis von Zahnarzt, Team, Technik und Organisation. Jedes Arbeitsergebnis ist letztlich Summe vieler ineinander greifender Teile. Qualitätsmanagement als fortlaufender Prozess gehört nicht nur in den EDV-Konzern, sondern gerade auch in die Zahnarztpraxis. Das Ziel ist professionalistisch angegangene, größtmögliche Qualität.

Wer sich umschaut, wird allerdings feststellen, dass auch hier „viele Wege nach Rom“ führen. Anbieter privatwirtschaftlich entwickelter wie auch aus dem Berufstand heraus erstellter Systeme gibt es inzwischen immer mehr. Wer sich vorab informiert, spart nicht nur Zeit und Ärger, sondern in vielen Fällen auch bares Geld.

Aber Achtung: Spezifisch für die zahnmedizinische Praxis entwickelte Systeme bieten in der Regel sehr ausgefeilte und passförmige Ansätze zur Optimierung von Prozessund Ergebnisqualität des Praxisalltags. Das Herunterbrechen allgemeingültiger ISO-, DIN-, TÜV- oder anderer Normen auf das, was im Praxisalltag anfällt, ist nicht zwangsläufig der ideale Weg zur Optimierung von Abläufen. Man sollte die Spannbreite der Angebote kennen, bevor man in medias res geht.

Qualitätsmanagement ist idealerweise kein zeitbegrenztes, einmaliges Prüfverfahren. Es ist eine kontinuierliche Aufgabe. Und der Lohn: Danken dürfte es einem der eigene Finanzhaushalt, ein zufriedenes, selbstbewusstes und motiviertes Praxisteam, aber – last, not least – vor allem auch der Patient.

Mit freundlichem Gruß

Egbert Maibach-Nagel
zm-Chefredakteur