Zahnärztekammer Westfalen-Lippe verleiht Kardinal Lehmann den Apollonia-Preis

Schutzheilige und Geistlicher

Die Zahnärztekammer Westfalen-Lippe hat Kardinal Karl Lehmann mit dem Apollonia-Preis für sein Engagement geehrt. Im April hatte der vielseitig engagierte Geistliche die Schirmherrschaft des Symposiums „Zahnärztliche Behandlung von Behinderten“ in Berlin übernommen.

Dem Kammerpräsidenten Westfalen-Lippe stand am letzten Septemberwochenende die wahre Freude ins Gesicht geschrieben. Als Vorsitzender der Apollonia-Stiftung durfte er mit Kardinal Karl Lehmann einen honorigen Preisträger in dem festlichen Ambiente des Erbdrostenhofs zu Münster ehren: „einen Mann, der sich durch sein Engagement für die Allgemeinheit auszeichnet, gleichzeitig einen Mann der Kirche, von der wir Zahnärzte uns die Namenspatronin ‘ausgeliehen’ haben.“

In seiner Festrede erinnerte Kardinal Lehmann an die Bedeutung des Maßhaltens. Es stelle sich die Frage, „ob nicht Zurückhaltung statt Höchstleistung ein Gebot werden kann. Die Wirklichkeit, in der wir leben, ist endlich, und sie schließt Unvollkommenheit mit ein.“

Lehmann nutzte einmal mehr den Auftritt vor Publikum und Medien, um zum Nachdenken aufzurütteln: „Nimmt man dem Menschen nicht sein Geheimnis, wenn man ihn bis zur letzten Transparenz durchleuchtet?“ Mit Blick auf die Gentechnik warnte er vor dem Ziel, den Menschen physisch oder genetisch zu optimieren; gerade bei Schönheit und Intelligenz zeichne sich der Drang zu Missbrauch ab. „Haben wir uns an eine bestimmte Form des Wissens verloren, dass wir bei einem Embryo so von Erb-Material reden?“ Er sei erschrocken, wie selbstverständlich wir das betrachten, wenn wir schon wissen, wieviele Fehlbildungen möglich sind – warum sind wir dann nicht erstaunt, wenn sich ein Kind wundersamerweise ohne diese entwickelt? … Ist es der Wissenschaft verboten, auch einmal zu staunen? Oder staunt man schweigend?“ Er wäre nicht Kardinal Lehmann, hätte er nicht mit einem provokanten Zitat des Philosophen Martin Heidegger geschlossen: „Die Wissenschaft denkt nicht!“

Gleichzeitig betonte der Kardinal, wie wichtig ihm die Unterstützung des Symposiums sei. Die Reise nach Berlin seinerzeit und die Schirmherrschaft hätten ihn reich entschädigt: „Ich fand engagierte Menschen aus vielen Berufsgruppen, die ohne Gesetz und ohne Verpflichtung helfen“, bedankte Lehmann sich bei Dr. Dr. Jürgen Weitkamp, Präsident der Bundeszahnärztekammer, für diese ehrenvolle Aufgabe. Eine besondere Apollonia erinnert den Kardinal künftig an seinen Einsatz als Schirmherr für das Symposium der Zahnärzte: Dieckhoff überreichte ihm einen Druck des Andy-Warhol-Bildes der Schutzheiligen der Zahnkranken.

Um Beachtung für die Wirkung der Nachhaltigkeit warb auch der BZÄKPräsident und zitierte angelegentlich Ovid: „Nicht durch die Kraft höhlt der Tropfen den Stein, sondern durch häufiges Fallen!“ Weitkamp verwies auf „die Vielzahl von Initiativen, die unser Berufsstand in unsere Gesellschaft einbringt“, sei es bei Hilfswerken oder Prävention oder anderweitiges Engagement. Die Genugtuung liege im Einsatz, nicht im Erreichen. Und ein ganzer Einsatz sei ein Erfolg. Und mit der Apollonia-Ehrung wollten die Zahnärzte das vielfache Engagement des Kirchenmannes in vielen Teilen unserer Gesellschaft würdigen, schloss Weitkamp. 


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