Deutschen Gesellschaft für Parodontologie (DGP)

80stes Jubiläum bei den Parodontologen

Die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DGP) führte vom 09. bis 11. September 2004 in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Zahn-, Mundund Kieferheilkunde (GZMK) Dresden und unter der wissenschaftlichen Leitung des Präsidenten der DGP, Prof. Dr. Thomas Hoffmann, Poliklinik für Zahnerhaltung des Universitätsklinikums Dresden, mit großem Erfolg ihre Jubiläumstagung anlässlich des 80. Jahrestages der Gründung der Arbeitsgemeinschaft für Paradentosen-Forschung (ARPA) im neuen Maritim Congress Center Dresden durch. Das Thema lautete: Konsens – Dissens in der Parodontologie.

Als Jubiläumstagung anlässlich des 80. Jahrestages der Gründung der ARPA wurde der Auftakt des Hauptprogramms einem historischem Abriss der Entwicklung der ARPA und der DGP gewidmet. Prof. Ralph Mutschelknauss, Stuttgart, und Prof. Heinz Nossek, Dresden, zeigten in ihrem Festvortrag, dass in beiden Teilen Deutschlands um eine Etablierung der Parodontologie als selbstständiges Fach in der Zahnheilkunde gerungen wurde.

Die erste Gruppe der Hauptvorträge nahm das Thema des Kongresses: „Konsens – Dissens in der Parodontologie“ zum Anlass, über die Bemühungen, Schwierigkeiten und unvermeidlichen Kontroversen bei der Erarbeitung und Anpassung der Klassifikation und Nomenklatur parodontaler Erkrankungen zu berichten. Dr. Gary C. Armitage aus San Francisco, USA, der maßgeblich an der Erarbeitung der neuen Klassifikation von 1999 beteiligt war, und Prof. Ubele van der Velden, Amsterdam, einer der Kritiker der neuen Klassifikation, beschäftigten sich mit der Bedeutung der Klassifikation für die Praxis, mit den daraus resultierenden Schlussfolgerungen für Diagnostik, Therapie und Risikobeurteilung.

Der Nachmittag startete mit den Parallelveranstaltungen des ersten Teils der Posterdemonstration und der freien Kurzvorträge zu verschiedenen Parodontitistherapievarianten und -risikofaktoren.

Das wissenschaftliche Hauptprogramm des späteren Freitagnachmittags war der mechanischen Infektionsbekämpfung gewidmet. Dr. Marc Quirynen, Leuven, sprach zur „Mechanischen Therapie unter besonderer Berücksichtigung der Full-Mouth-Disinfection“. Erste klinisch kontrollierte Studien bestätigten die Überlegenheit der Full-Mouth-Disinfection gegenüber der quadrantenweisen Wurzelglättung.

Dr. Jan Wennström, Göteborg, diskutierte in seinem Vortrag die „Mechanische Therapie unter besonderer Berücksichtigung der pharmako-mechanischen Infektionskontrolle (PMIK)“. Zur Beeinflussung des dentalen Biofilms steht neben der mechanischen Entfernung die antiinfektiöse Therapie mittels Antibiotika zur Verfügung. Zu beachten bei der Gabe von lokalen Antibiotika sind Konzentration, Depotwirkung, Resistenzen, systemische Wirkung, Applikationsart und nicht zuletzt die Kosten. Favorisiert wird das Doxycyclin.

Prof. Sören Jepsen, Bonn, bewertete im letzten Vortrag dieser Themengruppe die „Mechanische Therapie unter besonderer Berücksichtigung der Instrumentierung“.

Scaling und Root Planing (SPR) in Verbindung mit supragingivaler Plaquekontrolle sind nach wie vor eine effektive Therapie der Parodontitis. Neben den Handinstrumenten können (Ultra-)Schallinstrumente beziehungsweise das zum Substanzabtrag geeignete Er:YAG-Lasersystem eingesetzt werden. Eine kritische Wertung erfuhr die Instrumentation mittels Vector®.

Alternativen zur handinstrumentellen Zahnsteindetektion mittels Sonde sind neu auf dem Markt oder in Entwicklung (Detec-Tar®, Diagnodent-System). Ihre Effektivität bedarf jedoch noch einer klinischen Evaluation.

Der Samstag wurde mit dem zweiten Teil der moderierten Posterdemonstration und parallel dazu der Präsentation weiterer freier Kurzvorträge begonnen.

Die ersten Hauptvorträge hatten die regenerative Paodontitistherapie zum Inhalt und wurden von PD Dr. Anton Sculean, Mainz, Dr. Ian Needleman, London, und Prof. Leonardo Trombelli, Ferrara, gehalten. Sculean beschäftigte sich mit der „Regenerativen Therapie unter besonderer Berücksichtigung der Schmelzmatrixproteine (EMD)“. Er stellte anhand der Ergebnisse zahlreicher Untersuchungen fest, dass Schmelzmatrixproteine im Rahmen der chirurgischen Parodontitistherapie die Regeneration intraossärer Defekte fördert, während der Einsatz im Rahmen geschlossener Verfahren keinen Effekt erwarten lässt.

Needleman ging anhand evidenz-basierter Daten aus Metaanalysen randomisierter klinisch kontrollierter Studien der Frage nach, inwieweit die zweifellos funktionierende parodontale Regenerationstherapie auch klinisch für den einzelnen Patienten relevant ist. Dabei zeigen die besten zur Verfügung stehenden Studien eine außerordentlich große Heterogenität, die den Einfluss weiterer bisher ungenügend untersuchter Faktoren vermuten lässt. Eine seiner Schlussfolgerungen ist deshalb auch, die konventionellen Operationstechniken nicht zu vergessen.

Anschließend referierte Trombelli zur Problematik der „Regenerativen Therapie unter besonderer Berücksichtigung der Defektauffüllung“. Er betonte, dass nur wenig wissenschaftliche Evidenz vorliegt, welches Material bevorzugt werden sollte, welche Defekte vorhersehbar profitieren werden und welchen Nutzen letztendlich der Patient unter Berücksichtigung der Kosten hat. Jüngere Studien zeigten bessere Ergebnisse hinsichtlich des zu erwartenden Attachmentgewinnes im Vergleich zur klassischen Lappenoperation als eine Metaanalyse von vor zirka zehn Jahren, was der Referent auf die inzwischen deutlich verbesserte mikrochirurgische Operationstechnik zurückführt.

Am Samstagnachmittag fand parallel zur gleichzeitig in Nürnberg tagenden World Conference on Dosing of Antiinfectives anlässlich des 150. Geburtstages von Paul Ehrlich ein Symposium zur modernen Antibiotikatherapie in der Parodontologie statt. Zunächst würdigte Prof. Wolfgang Pfister, Jena, das Leben Paul Ehrlichs, dem Begründer der modernen Chemotherapie. Es schloss sich der Vortrag von Thomas Beikler, Münster, zu den klinischen Grundlagen der modernen antiinfektiven Parodontitistherapie an. Auch hier betonte der Referent, dass der Einsatz von Antibiotika bei entsprechender Indikation nur adjunktiv nach mechanischer Therapie erfolgen sollte.

Neben dem traditionell bewährten Praktikerforum am Freitagnachmittag unterstrich das Spezialistenforum mit den Referenten Quirynen, zur Problematik des „Mundgeruchs – wie er diagnostiziert und behandelt wird“ und Dr. Heinz Erpenstein, Münster, zu Fragen der „Aktuellen parodontalen und periimplantären Chirurgie“ sowie das Industrieforum zum Abschluss der zwei ereignisreichen Kongresstage die Praxisnähe des Kongresses. Prof. Elmar Hellwig, Freiburg, und Professor Thomas Hoffmann, Dresden, stellten die Karies- und Gingivitiswirksamkeit einer neuen fluoridhaltigen Chlorhexidin-Mundspüllösung der Firma Gaba GmbH vor. Dr. Bernd Heinz, Hamburg, berichtete anschließend als praktisch tätiger Zahnarzt über den Einsatz von Emdogain® (Straumann GmbH) zur Deckung von Rezessionen. Die ereignis- und erfolgreichen Kongresstage in der attraktiven Tagungsstätte des neu errichteten Internationalen Congress Center Dresden mit fantastischem Rundblick auf die barocke Altstadt der Elbmetropole machten es dem wiedergewählten Präsidenten der DGP, Prof. Thomas Hoffmann, leicht, das Besondere dieser Tagung in seinem Resümee hervorzuheben. Traditionell fanden am Vortag des Hauptkongresses verschiedene Workshops namhafter in- und ausländischer Referenten in Zusammenarbeit mit der Industrie statt. Parallel dazu legten 54 Kollegen erfolgreich das Kurskolloquium im Rahmen des DGPAPW-Curiculums „Parodontologie“ ab.

Erster Studententag bei der Jubiläumstagung

Dem eigentlichen wissenschaftlichen Hauptprogramm war erstmals in der Geschichte der DGP ein Studententag vorangestellt, zu dem annähernd 250 Studenten aus fast allen zahnmedizinischen Hochschulstandorten Deutschlands begrüßt werden konnten.

Im Mittelpunkt der Beiträge standen die Probleme der Lehrinhalte und -abläufe an diesen unterschiedlichen Standorten, des internationalen Studentenaustauschs und der Weiterbildungsmöglichkeiten.

Mitgliederversammlung

In der Mitgliederversammlung der DGP wurde der komplette Vorstand einschließlich des bisherigen Präsidenten mit großer Mehrheit für eine zweite Legislaturperiode wiedergewählt.

Preise, Ehrungen und Spezialistenurkunden

Der erstmalig durch die DGP gemeinsam mit der Firma GABA vergebene meridol® Preis für die beste Publikation des Jahres 2003/2004 ging nach Dresden and die Arbeitsgruppe Noack et al. für ihre im Journal of Dental Research erschienene Publikation. Den zweiten Preis errangen die Autoren Meisel et al. aus Greifswald und den dritten Preis teilten sich die Gruppen PD Dr. Jörg Eberhard et al., Kiel, und Dr. Thomas Beikler et al., Münster.

Der vom Vorstand der DGP vergebene Eugen-Fröhlich Preis als Anerkennung für die beste der eingereichten wissenschaftlichen Arbeiten wurde an Dr. Henry Völzke et al. aus Greifswald verliehen.

Des Weiteren wurden ein Dissertationspreis sowie Bestpreise für das Praktikerforum, Kurzvorträge und Posterpräsentationen verliehen. 18 Kollegen erhielten die Ernennung zum Spezialisten der DGP (Erst- und Folgezertifikate).

OÄ Dr. Barbara Noack
Poliklinik für Zahnerhaltung
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
Dresden
01307 Dresden
Fetscherstr. 74

 

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