Werkstattgespräch Qualitätsmanagement der zzq in Berlin

Eine Patentlösung gibt es nicht

Modelle zum einrichtungsinternen Qualitätsmanagement (QM) erörterten und bewerteten Fachleute aus Kammern und KZVen anlässlich des Werkstattgesprächs der Zahnärztlichen Zentralstelle Qualitätssicherung (zzq) am 27. Oktober 2004 in Berlin. Die Quintessenz lautete: Es gibt keine Patentlösung für die Zahnarztpraxis, sondern es existieren viele interessante Möglichkeiten. Jeder Zahnarzt sollte in Eigenregie und eigener Verantwortung das Modell auswählen, das sich am besten für seine Belange eignet.

Der Präsident der Bundeszahnärztekammer, Dr. Dr. Jürgen Weitkamp, brachte das Ergebnis der Diskussionen auf der Punkt: Er sei sehr froh darüber, dass die Teilnehmer Klarheit und Konsens darüber geschaffen hätten, wie sich die Zahnärzteschaft zum Qualitätsmanagement positioniere. Man habe in dem Werkstattgespräch eine Vielzahl von Systemen vorgestellt, die aus dem Berufsstand selbst heraus entwickelt worden seien. Jetzt liege es an dem Kollegen selbst, liberal und in Eigenregie und Selbstverantwortung für seine Praxis die Lösung anzuwenden, die für ihn, seine Patienten und sein Team die beste ist.

Perfekte Organisation

Weitkamp betonte, dass es bereits eine Vielzahl von exzellent geführten Praxen gebe, die eine perfekte Organisation vorzuweisen hätten, ohne dass man dies explizit mit dem Etikett „Qualitätstmanagment“ versehen müsse.

Dr. Peter Boehme, Vorsitzender des BZÄKAusschusses Qualitätssicherung, hob das Engagement der diversen Kollegengruppen hervor. Man habe auf dem Feld des zahnärztlichen Qualitätsmanangements bereits Erstaunliches geleistet. In dem zzq-Werkstattgespräch ging es darum, die verschiedenen Modelle vorzustellen, zu bewerten, Unterschiede und Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten und dem Zahnarzt Kriterien an die Hand zu geben, nach denen er das für seine Belange richtige Konzept finden kann. Das Endergebnis der von Boehme souverän moderierten Diskussion, in der die Vielfalt der Aspekte gebündelt wurde, mündete in einer gemeinsamen Resolution (siehe Kasten).

Die wichtigsten derzeit entwickelten QMModelle wurden in Berlin vorgestellt.

Z-PMS: Dr. Hendrik Schlegel, Leiter der Zahnärztlichen Stabsstelle der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe, stellte das von Zahnärzten für Zahnärzte entwickelte „ZahnärztlichePraxisManagementSystem“ vor. Es versteht sich als liberales Modell, das Bestrebungen der Industrie und Politik um Zertifizierung und bürokratischer Reglementierung entgegengesetzt werden kann.

QEP: Dr. Bernhard Gibis, Dezernent Versorgungsqualität und Sicherstellung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, erklärte den Teilnehmern das KBV-Konzept „Qualität und Entwicklung in Praxen“. Es komme den Ärzten darauf an, der Kollegenschaft ein bezahlbares Konzept anzubieten, das den Anforderungen an die vertragsärztliche Versorgung entspreche.

EPA-Dent: Das ursprünglich für Allgemeinmediziner entwickelte wissenschaftlich validierte internationale Modell des „European Practice Assessmement“ wird derzeit auf zahnmedizinische Belange hin weiterentwickelt. Prof. Dr. Winfried Walther, Stellvertretender Direktor der Akademie für Zahnärztliche Fortbildung Karlsruhe, erläuterte ausführlich den derzeitigen Stand des Projektes.

DAZ-Projekt Qualitätssicherung: Dr. Eberhard Riedel, Vorsitzender des Deutschen Arbeitskreises für Zahnheilkunde, erklärte das Konzept, bei dem eine Selbstverpflichtung der Teilnehmer in Bezug auf fachliche und ethische Grundsätze und das Patientenwohl in den Mittelpunkt rücken.

ISO-Zertifizierung: Dr. Wilfried Werkmeister, niedergelassener Zahnarzt aus Beckum, und Dr. Michael Sonntag, niedergelassener Zahnarzt aus Bochum, stellten zwei in Eigenregie in Kollegenkreisen entwickelte Konzepte vor, mittels derer eine ISO-Zertifizierung für Zahnarztpraxen erfolgreich umgesetzt werden kann.

EFQM: Dr. Volker Scholz, niedergelassener Zahnarzt aus Lindau, erläuterte anhand von Beispielen Wege, wie das Modell „European Foundation for Quality Management“ in deutschen Zahnarztpraxen Anwendung finden kann. pr

Details zu den erwähnten einzelnen Qualitätsmanagement-Modellen finden sich in der Titelgeschichte von zm 20/2004, Seite 30 bis 38.

INFO

Resolution zum Qualitätsmanagement

Einrichtungsinternes Qualitätsmanagement in Zahnarztpraxen soll helfen, die Versorgungsqualität zu verbessern, die Gesundheit des Patienten und seine Zufriedenheit in den Mittelpunkt des Handelns zu stellen und den Praxiserfolg zu sichern. Qualitätsmanagement beinhaltet die Entwicklung eines praxisindividuellen Leitbildes sowie die Selbstbewertung durch Planung, Überprüfung und erfolgreiche Durchführung von Organisationsabläufen. Auf dem Markt werden zurzeit eine Vielzahl unterschiedlicher Qualitätsmanagement-Systeme angeboten. Kein System kann jedoch bis zum heutigen Tage eine Überlegenheit gegenüber anderen Systemen mit wissenschaftlichen Methoden beweisen. Untersuchungen aus der Industrie sind für die ärztliche/zahnärztliche Praxisführung irrelevant.

Die Forderung des Gesetzgebers nach Einführung eines Qualitätsmanagements in der ärztlichen/zahnärztlichen Praxis ist ein Postulat ohne wissenschaftliche Basis, da wissenschaftliche Ergebnisse über die Einführung von Qualitätsmanagement in den Praxen nur fragmentarisch vorhanden sind.

Daher gibt es auch nicht ein Qualitätsmanagementsystem, das allgemein für jede Praxis empfohlen werden könnte.

Der Kollegenschaft wird empfohlen, die auf dem Markt angebotenen Systeme nach den Kriterien:

• Nutzen für den Patienten

• Nutzen für die eigene Praxis

• Kosten

• Organisationsaufwand

• Anwendungserfahrung in Praxen

• Grad der Fremdbestimmung zu überprüfen, bevor eine Entscheidung getroffen wird.

Qualitätsmanagement muss eine Aufgabe sein, die Zahnärztinnen und Zahnärzte in eigener Verantwortung betreiben. Die Standesorganisationen sollten wichtige Hilfestellung leisten, in dem sie die sachliche Information über Nutzen und Wirkungsweise von Qualitätsmanagementsystemen bekannt machen, um auf diese Weise dem Missbrauch der gesetzlichen Vorschriften zum Nachteil der Kollegenschaft vorzubeugen.

Dies ist auch zu berücksichtigen bei der Umsetzung der §§ 135 und 136 durch die Selbstverwaltung. BZÄK

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