PKV legt Zahlen vor

Dick Butter auf trocken Brot

Die private Krankenversicherung (PKV) hat das endgültige Geschäftsergebnis für 2003/2004 vorgelegt und erste Prognosen für die zweite Jahreshälfte gewagt. Fazit: Die rot-grüne Gesundheitspolitik macht den Privaten zu schaffen – längst ist der Tisch ist mehr so reich gedeckt. Zwar boomt die Zusatzversicherung, das Vollgeschäft bricht dafür stark ein.

Die Privatversicherer verlieren in ihrem einträglichsten Geschäft, der Krankheitsvollversicherung, mehr und mehr an Boden. Während dort im Jahr 2002 noch um die 213 600 Kunden eintraten, kam die PKV im vergangenen Jahr lediglich auf 186 600 Neuzugänge – ein sattes Minus von 12,6 Prozent.

Bis Ende Juni 2003 stiegen in die Vollversicherung 82 400 Personen ein. Ein Jahr später waren es dagegen nur noch 76 300 neue Klienten – 7,4 Prozent weniger. Insgesamt waren damit Ende 2003 etwa 8,110 Millionen und Ende Juni dieses Jahres 8,187 Millionen Patienten privat vollversichert.

Verantwortlich für die Misere macht die Branche die Gesundheitspolitik von Ulla Schmidt und Co.: Mit Anhebung der Versicherungspflichtgrenze Anfang 2003 auf 46 350 Euro sei vielen der Wechsel zu den Privaten verbaut – ob sie wollen oder nicht, sie müssen in der GKV bleiben.

Private Airbags sichern ab

Dick im Geschäft ist die PKV dagegen bei den Zusatzversicherungen. Allein 2003 zählten die 49 Mitgliedsunternehmen in dieser Sparte 14,7 Millionen Verträge (2002: 14,2 Millionen), alle abgeschlossen, um den gesetzlichen Schutz durch private Airbags aufzupolstern. Denn das Gesundheitssystemmodernisierungsgesetz (GMG) hat den GKV-Leistungskatalog stark zusammengestrichen – viele Patienten wollten diese Lücken schließen.

Bis zum Jahresende rechnet die PKV mit 8,3 Millionen Zusatzversicherten und insgesamt mit weit mehr als 15 Millionen Verträgen, speziell für Wahlleistungen im Krankenhaus, ambulante und Pflegeleistungen. Noch vor zwei Jahren hatten nur 7,7 Millionen eine oder mehrere private Extrapolicen abgeschlossen – ganze 600 000 Personen weniger.

Neue Zweisamkeit entdeckt

Seit Beginn des Jahres ebenfalls möglich: Anbieter aus den sonst getrennten Lagern können sich zusammentun und private Zusatzpolicen ergänzend zum GKV-Katalog anbieten. Das heißt, die gesetzlichen Kassen können ihren Versicherten Policen privater Anbieter vermitteln – die Gesundheitsreform hat den Weg dafür frei gemacht. Davor konnten die 70 Millionen GKV-Mitglieder Zusatzversicherungen nur direkt bei den PKV-Unternehmen abschließen. Jetzt ist der Private zwar immer noch Vertragspartner des Kunden, der kann aber alles über seine Gesetzliche abwickeln.

Genau das ist für viele ein Vorteil, sagt Ulrike Leschik-Hähn, Geschäftsleiterin Leistungen beim AOK-Bundesverband, der Financial Times Deutschland. „Unsere Versicherten haben den Wunsch, Leistungen, die nicht Teil der GKV sind, über die AOK zu bekommen.“

Viele private Krankenversicherungen haben inzwischen einen GKV-Partner. Ursprünglich hatte der PKV-Verband befürchtet, dass die Empfehlung bestimmter Versicherer durch die Kassen zu einer Wettbewerbsverzerrung führe. „Diese Sorge war nicht berechtigt“, gesteht PKV-Chef Christian Weber. Im Gegenteil: Das neue Modell habe die Sensibilität für das Thema Zusatzversicherungen erhöht. Rund 800 000 Zusatzpolicen hat die Branche im ersten Halbjahr 2004 mehr verkauft als ein Jahr zuvor. Weber stellte jedoch klar: „Der größte Teil des Zusatzversicherungsgeschäfts in diesem Jahr ist außerhalb der Kooperationen geblieben.“

Bei aller Freude lässt sich eine Tatsache freilich nicht wegwischen: Bei den Zusatzversicherungen geht es generell um niedrige Beträge, ihr Anteil an den gesamten Beitragseinnahmen liegt nur bei gut zwölf Prozent, Tendenz sinkend.

INFO

Den Ausgleich ausbaden

Im ersten Halbjahr 2004 lagen die Beitragseinnahmen bei rund 13,21 Milliarden Euro, bis zum Jahresende rechnet die PKV mit 26,5 Milliarden Euro. Das wäre gegenüber 2003 ein Mehr von 6,9 Prozent. Die wieder gestiegenen Leistungsausgaben im Jahr 2003 (um 569,5 Millionen Euro auf 15,292 Milliarden Euro), vor allem bei der ambulanten Arztbehandlung, Arznei- und Verbandmitteln sowie Heil- und Hilfsmitteln, führt die PKV darauf zurück, dass „Ärzte versuchen, GKVbedingte Einkommensdefizite mithilfe höherer Abrechnungen für Privatpatienten auszugleichen