Editorial

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

Heilig Abend in jungen Kinderjahren. Spannung beim Warten aufs Christkind. Wir tollten im Flur herum, eine Vase ging zu Bruch. „Schöne Bescherung“ murmelte unsere Mutter nach Ablassen der verdienten Schimpf-Tirade beim Einsammeln der Scherben. Dass sie damit nicht das Glücksgefühl beim Feiern am kerzenbeleuchteten Baum meinte, war uns Kindern sofort klar.

„Schöne Bescherungen“ wie diese – oder schlimmere, wie sie unsere Titelgeschichte zum Thema hat – wünscht man zu den anstehenden Festtagen niemandem. Deshalb haben wir das Thema „Einbruch“ aufgenommen. Vielleicht lassen sich so böse Überraschung verhindern oder – falls der Ernstfall eintritt – wenigstens die Folgen schmälern.

Denn „schöne Bescherungen“ gab es in diesem Jahr ohnehin mehr als genug:

Direkt zu Jahresbeginn begann das Durcheinander um die Praxisgebühr. Sie war die erste spürbare Auswirkung des GKV-Modernisierungsgesetzes. Und sie beschäftigte Patienten und Heilberufler bis weit ins Jahr hinein. Eine schöne Bescherung. Dank an die Gesetzgeber.

Gemäß GKV-Modernisierungsgesetz starteten sehr früh im Jahr die Verhandlungen zur Festlegung der Festzuschüsse für die zum Januar 2005 anstehenden Veränderungen im Bereich Zahnersatz. Zahnärzteschaft und Krankenkassen taten das ihre, um den Anforderungen des Gesetzgebers Genüge zu tun. Auch wenn die Zeiten knapp gesetzt waren, die Angelegenheit läuft und wird nach Angaben der KZBV rechtzeitig starten. Damit erfüllt sich – wenn auch nur in rudimentärer Form – ein seit Jahren erhoffter Wunsch der deutschen Zahnärzteschaft. Es ist ein erstes Projekt, dem weitere folgen können.

Die Bundesregierung hat der gleichzeitig im Gesetz vorgesehenen Auslagerung des Zahnersatzes aus der GKV und der damit verbundenen Wahlfreiheit zwischen gesetzlicher oder privater Zusatzversicherung einen Riegel vorgeschoben. An den ursprünglich im Gesetzes-Konsens des GMG beteiligten Unionsparteien vorbei wurde durch ein nicht zustimmungspflichtiges nachgeschobenes Gesetz die erste Gesundheitsprämie verhindert. Eine wahrhaft „schöne Bescherung“.

Auch die CDU/CSU hat sich mit ihrer Unentschlossenheit in Sachen Gesundheitsprämie keinen Gefallen getan. Der Beschluss des Leipziger Parteitages zur Gesundheitsreform wurde mehr und mehr wegdiskutiert, ein Streit zwischen CDU und Schwesterpartei CSU erforderte einen eher faulen Kompromiss. Dieses „Geeiere“ kostete Wählergunst, Angela Merkel Stimmen bei der Wiederwahl zur Parteivorsitzenden und die Gesellschaft wieder einmal die Kraft für grundlegendere Reformen im angeschlagenen Gesundheitswesen. Also noch eine „schöne Bescherung“.

Die zm-Redaktion jedenfalls hofft, dass Ihnen für die Festtage und das kommende Jahr weitere „schöne Bescherungen“ dieser Art erspart bleiben.

Ein frohes Fest, Gesundheit und ein hoffentlich besseres Jahr 2005 wünscht im Namen aller zm-Mitarbeiter Ihr

Egbert Maibach-Nagel
zm-Chefredakteur