Ausbildung Zahnmedizinische Fachangestellte 2004

Ausbildungszahlen gehen zurück - Zahnärzte schaffen dennoch Lehrstellen

Zahnärzte gehören seit Jahrzehnten zu den Hauptausbildern für junge Frauen in Deutschland. Das wird auch 2005 so bleiben. Dennoch werden im neuen Ausbildungsjahr weniger Zahnmedizinische Fachangestellte einen Platz in einer Praxis finden. Gesundheitspolitische Restriktionen des Gesetzgebers und eine dauerhafte volkswirtschaftliche Stagnation können nicht ohne Konsequenzen bleiben: Die Bundesagentur für Arbeit rechnet damit, dass 2004/2005 bundesweit mit einer geschätzten Lehrstellenlücke von rund 20 000 nicht genug Ausbildungsplätze für die jugendlichen Bewerber zur Verfügung stehen werden.

Von den rund 4,2 Millionen Beschäftigten im deutschen Gesundheitswesen haben im Jahr 2002 gut 318 000 Personen in Zahnarztpraxen gearbeitet (siehe Abb. 1). Mit einer leichten Zunahme gegenüber 2001 sind die niedergelassenen Zahnärzte damit wiederum der viertgrößte Arbeitgeber im Gesundheitswesen und einer der wichtigsten für Frauen in Deutschland (80,8 Prozent Frauenanteil). Dies geht aus den im Dezember 2003 vorgelegten Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor.

Zahnarztpraxen sind also nach wie vor ein bedeutender Arbeitsplatzgarant und ein Motor der beruflichen Ausbildung in Deutschland. Viele Ausbildungspraxen bekommen jedoch zunehmend die anhaltenden gesundheitspolitischen Fehlentwicklungen sowie die hemmenden Effekte der angespannten wirtschaftlichen Situation zu spüren. Dies belegen die aktuellen Ausbildungszahlen zur Zahnmedizinischen Fachangestellten (ZFA) aus 2004.

Aktuelle Zahlen

Das in den Jahren 2000 bis 2003 erreichte hohe Niveau von neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen für Zahnmedizinische Fachangestellte (ZFA) erfährt im Jahr 2004 keine weitere Stabilisierung (siehe Abb. 2).

Bundesweit wurden in diesem Jahr zum 30. September insgesamt 12 729 Ausbildungsverträge für ZFA neu abgeschlossen (ABL: 11 176; NBL: 1 553). Die Kammern, denen die Ausbildungsverhältnisse zu melden sind, verzeichnen gegenüber dem Vorjahr im Durchschnitt einen Rückgang der Ausbildungszahlen um 10,46 Prozentpunkte (ABL: -10,62 Prozent; NBL: -9,29 Prozent). Ein Ost-West-Gefälle ist dabei nicht zu beobachten.

Diese Werte markieren eine deutliche Verringerung der Ausbildungszahlen gegenüber den Vorjahren. Die Zahlen aus den einzelnen Kammerbereichen variieren um den Durchschnittswert. Weitgehend stabile Werte bei den neuen Ausbildungsverhältnissen finden sich lediglich in Brandenburg, Berlin und Hessen.

Erhebliche Verluste verzeichnen hingegen Saarland, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Baden-Württemberg. Eine deutliche Verbesserung der Ausbildungszahlen ist im Kammerbereich Bremen (siehe Tab. 2) zu verzeichnen.

Kammern setzen sich aktiv ein

Junge Frauen mit dem Berufswunsch Zahnmedizinische Fachangestellte, haben es in diesem Jahr schwerer als bisher. „Ursachen für den diesjährigen Abwärtstrend bei den neuen Ausbildungsverhältnissen sehen wir in der andauernden schwierigen wirtschaftlichen Situation vieler Zahnarztpraxen sowie in den Auswirkungen des GKV-Modernisierungsgesetzes“, erklärt der für den Bereich Ausbildung zuständige Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, Dr. Dietmar Oesterreich.

Neben der aktuellen angespannten wirtschaftlichen Situation spiele aber auch die Unsicherheit über die zukünftigen Auswirkungen diverser gesetzlicher Regelungen auf die Zahnarztpraxen eine zentrale Rolle, ergänzt Dr. Dr. Henning Borchers, Präsident der ZÄK Niedersachsen und für zahnärztliche Mitarbeiterinnen zuständiges Vorstandsmitglied der BZÄK: „Die Gesundheitspolitik hat das Vertrauen auf Verlässlichkeit in diesem Jahr völlig verspielt.“

Schließlich kommt es auch zu vermehrter Kritik ausbildungswilliger Zahnarztpraxen über ungeeignete Bewerberinnen mit mangelnden Kulturtechniken sowie unzureichendem Berufsinteresse und fehlender Motivation, was viele Kollegen davon abhalten mag mehr Auszubildende einzustellen.

Trotz der diesjährigen verhaltenen Personalplanung vieler Praxen – die übrigens auch bei den ärztlichen Kollegen zu beobachten ist – sind sich die deutschen Zahnärzte ihrer gesellschaftlichen Verantwortung für eine betriebliche Ausbildung auf hohem quantitativen und qualitativen Niveau bewusst. Das belegt eine Vielzahl von Aktivitäten der Kammern zur Gewinnung neuer Ausbildungsbetriebe und zur Anwerbung geeigneter Schulabgängerinnen zur ZFA-Ausbildung: zum Beispiel Schulen besuchen und Informationsveranstaltungen zur Berufsfindung durchführen durch die Referenten für zahnmedizinische Mitarbeiterinnen (Ausbildungsberater), das Berufsbild auf Jugend- und Berufsmessen präsentieren, Informationsmaterial zum Praktikum in einer Zahnarztpraxis herausgeben, Flyer, Filme und Poster zum Beruf der ZFA erstellen, Ausbildungsbörsen durchführen und Infomaterial zum Ausbildungsberuf ZFA an Arbeitsagenturen und Berufsinformationszentren im jeweiligen Kammerbereich senden, regelmäßig zur Bereitstellung von Ausbildungsplätzen in regionalen Zahnärzteblättern und auf den Zahnärztetagen aufrufen, attraktive Fortbildungsangebote etablieren sowie Listen mit ausbildungsplatzsuchenden Schulabgängerinnen führen und versenden.

Staat baut Hürden auf

Die politische und unternehmerische Verantwortung der zahnärztlichen Kollegen, sich auf breiter Basis für die Ausbildung einzusetzen und damit in hohem Maße die gesellschaftliche Teilhabe der Jugend in Deutschland zu gewährleisten, wurde in den letzten Jahren staatlicherseits massiv behindert. Der Ausbildungsbereich zeigt exemplarisch, dass die ständigen Interventionen der Politik in die Wirtschaftsabläufe der Zahnarztpraxen gesellschaftspolitisch und volkswirtschaftlich kontraproduktiv sind. Aber auch bei der geplanten Novellierung des Berufsbildungsgesetzes (Gesetzentwurf zur Reform der beruflichen Bildung) werden Hürden im Ausbildungsbereich aufgebaut. So plant der Gesetzgeber, dass der Freiberufler zukünftig erst eine angemessene Zeit in seinem Beruf praktisch tätig gewesen sein muss, um die fachliche Eignung zur Ausbildung zu erlangen. Dies hätte zur Folge, dass deutlich weniger Freiberufler ausbilden dürfen, was sich wiederum negativ auf die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze auswirken würde (siehe Kasten).

Die Bundeszahnärztekammer hat den Gesetzgeber deshalb gemeinsam mit dem Bundesverband der Freien Berufe und dem Kuratorium der Deutschen Wirtschaft für Berufsbildung aufgefordert, die Förderung der Berufsbildung und Ausbildungsbereitschaft der Betriebe nicht durch neue Rechtsverordnungen zu reglementieren. Ein Mehr an Ausbildung muss vielmehr bei strukturellen Verbesserungen der Standortbedingungen für die Unternehmen in Deutschland ansetzen. Dafür sind sowohl Kostenentlastungen als auch politische Verlässlichkeit dringend erforderlich.

Dr. Sebastian Ziller,
Leiter der Abt. Prävention und
Gesundheitsförderung der
Bundeszahnärztekammer
Chausseestraße 13
10115 Berlin

 

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