3. Domburger Endotage

Endodontie im Nordseebad

Anfang Juli 2004 begrüßte Professor Dr. Michael Baumann, Köln, zum dritten Mal Zahnärzte aus ganz Deutschland zu den Domburger Endotagen in den Niederlanden. Wie das Jahr zuvor wurde die Fortbildungsveranstaltung von der Conzept Dental GmbH organisiert.

Überwiegend praktisch tätige Zahnärzte wollten ihre Erfahrung in der Endodontologie erweitern. Theoretische und praktische Tipps vom erfahrenen Fachmann konnten bei praktischen Übungen direkt umgesetzt werden. Als Schwerpunkte der Veranstaltung standen das Arbeiten mit dem Operationsmikroskop, die instrumentelle Wurzelkanalaufbereitung und das Abfüllen mit thermoplastischen Guttaperchastiften.

Große Trepanationsöffnung

Anfangs zeigte Professor Dr. Michael Baumann zur Auffrischung des Studiumwissens Variationsmöglichkeiten der Anatomie der Zähne. Beim anschließenden Mikroskopieren fanden viele Teilnehmer zu ihrem eigenen Erstaunen in den von ihnen selbst mitgebrachten, extrahierten Zähnen die gerade theoretisch erwähnten Unregelmäßigkeiten. In mehr OK- und UK-Molaren als gedacht, wurden doch vier Wurzelkanäle eröffnet. So erkannte jeder Teilnehmer, wie wichtig eine angemessen große Trepanationsöffnung ist, um eine starke Krümmung der Aufbereitungsinstrumente weitgehend zu vermeiden. Eine klare Sicht und freier Zugang zu den trichterförmig gestalteten Kanaleingängen erleichterte das weitere Arbeiten. Schnell verging so eine Stunde praktischen Arbeitens.

Richtige Längenmessung

Im zweiten Theorieblock berichtete Professor Baumann über Neuigkeiten im Bereich der Längenmessung. Es wurden sowohl die röntgenologische und endometrische Längenmessung als auch die so genannte Paperpointmethode angesprochen. Für die in der eigenen Praxis tätigen Zahnärzte waren Abrechnungstipps sehr interessant und motivierend, die Endodontologie im Seitenzahnbereich nicht aus der Praxis verschwinden zu lassen.

Thema Kanalaufbereitung

Zum Thema Aufbereitungssysteme und -techniken berichtete Baumann kurz über die Unterschiede der verschiedenen Handinstrumente, bevor er maschinelle und manuelle Aufbereitung einander gegenüberstellte. Nickel-Titan-Instrumente zeigten eine schlechtere Schneidkraft als Handinstrumente, waren aber durch die rotierende Anwendung effizienter.  

Beispielhaft folgte die genaue Erklärung der RaCe-Instrumente der Schweizer Firma FKG Dentaire. Bei Anwendung dieser rotierenden Instrumente auf NiTiBasis zeigten sich bei der Anwendung des Crown-down-Verfahrens doch erhebliche Vorteile. Nach der Darstellung der Kanaleingänge erfolgte die Aufweitung der koronalen Anteile. Oftmals ist dieses bei Nichtbeachtung ein limitierender Faktor für die erfolgreiche Wurzelkanalfüllung. Die Bearbeitung des mittleren Drittels des Kanals galt für die folgenden Schritte als wegweisend. Die Aufbereitung der apikalen Anteile war mit NiTi-Instrumenten dann einfach zu realisieren. Wichtig für den Erfolg war es, dass die Konizität der Instrumente wechselte, um unterschiedliche Areale bearbeiten zu können.  

Nach der Pause wurde das neu Erlernte in die Praxis umgesetzt. Plastikblöcke und extrahierte Zähne wurden mit Erfolg instrumentiert, und die Vorteile der maschinellen Aufbereitung beim eigenen Arbeiten wurden herausgearbeitet.

Medikamentöse Einlage

Als erstes Thema des zweiten Tages standen die medikamentöse Einlage und Spülung auf dem Plan. Der Referent wies darauf hin, dass der Nachweis von Bakterien und Pilzen im Wurzelkanal in vivo sehr schwierig sei. Im Allgemeinen werden dazu sterile Papierspitzen verwendet. Da diese Spitzen viel- fach mit Formaldehyd sterilisiert werden, reichen die an der Spitze vorhandenen Formaldehydreste aus, Bakterien und Pilzsporen abzutöten und einen unbesiedelten Wurzelkanal vorzutäuschen.

Bei wurzelkanalbehandelten Zähnen, die über lange Zeit nicht ruhig zu bekommen sind, sollte Chlorhexidin als Spülung benutzt werden. Eine Literaturübersicht von Studien zu verschiedensten Spülungen zeigte, dass ein- bis dreiprozentiges Natriumhypochlorit (NaOCl) für den Praktiker am besten zur Bakterienreduktion geeignet ist. NaOCl ist zehn Wochen lagerbar, danach zeigt es nicht mehr die gewünschte gewebelösende Wirkung.

Watteeinlagen sind obsolet

Die medikamentöse Einlage der Wahl ist Calciumhydroxid. Zähne sollten immer sofort nach der Trepanation verschlossen werden. Kommt es auch nach 15 Minuten immer noch zur Blutung oder Exsudation aus dem Kanal, so kann man im seltenen Einzelfall den Zahn für einen Tag offen lassen.

Als provisorische Deckfüllung eigenen sich sowohl Cavit und Glasionomerzemente als auch Kompositfüllungen. Das übliche Einbringen eines Wattepellets sollte jedoch vermieden werden, da durch Wattefilamente,die durch die Deckfüllung reichen, eine Reinfektion des Wurzelkanals erfolgt.

Guttapercha warm abfüllen

Bei der Wurzelkanalfüllung propagiert Baumann Guttapercha, und zwar die neuere Methode der Warmfülltechnik. Guttaperchastifte bestehen aus der Kombination von Guttapercha, Zinkoxid und verschiedenen Wachsen und Harzen mit einem Schmelzpunkt oberhalb 65°C. Nach der theoretischen Vorstellung verschiedener Abfüllmethoden wurde den Teilnehmern Thermafil sowohl theoretisch als auch praktisch näher gebracht. Die am Tag vorher aufbereiteten Plastikblöcke konnten mit Thermafilstiften abgefüllt werden. Es zeigte sich, dass sowohl die Erfahrung als auch die perfekte Vorbereitung (in diesem Fall eine gute Aufbereitung des Wurzelkanals) für ein gutes Ergebnis nötig sind. Die Fülle der Informationen dieser zwei Tage wurde von allen Teilnehmern gut verarbeitet und jeder konnte etwas Neues mitnehmen. Einigen Zahnärzten wurde die Entscheidung, welches neue Endodontologiekonzept sie in ihrer Praxis verwirklichen, durch diese gelungene Veranstaltung erleichtert.  

ZÄ Iris Doliwa
Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
der Universität zu Köln
Vorklinische Zahnheilkunde
Kerpener Str. 32, 50931 Köln


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