Immunologie

Erfolge der Statintherapie korrespondieren mit der Entzündungshemmung

Patienten mit akuten Koronarerkrankungen erhalten als Lipidsenker vorrangig Statine, um weiteren kardiovaskulären Ereignissen vorzubeugen. Wie jetzt die Reanalyse einer großen Interventionsstudie ergab, hängt der Erfolg der Statintherapie nicht nur vom Ausmaß der Lipidregulation, sondern auch vom Ausmaß der Entzündungshemmung während der Therapie ab. Dieses Ergebnis verweist auf die Eigenschaft der Statine als Immunregulatoren, die man sich inzwischen auch bei nicht-kardiovaskulären Erkrankungen zunutze macht.

Bei den eingeschlossenen 4 162 Patienten, die wegen eines akuten Koronarsyndroms, wie Herzinfarkt oder instabile Angina pectoris, hospitalisiert werden mussten, und die spätestens zehn Tage nach Symptombeginn auf ein Statin eingestellt wurden, hing der präventive Erfolg während der zweieinhalb Jahre dauernden Studie fast im gleichen Maße von der effektiven Senkung des atherogenen LDL-Cholesterins wie auch von der Senkung des Entzündungsmarkers C-reaktives Protein (CRP) ab.

Im Einzelnen führte die Absenkung des LDL-Wertes unter 70 mg/dl zu einer Verminderung der Komplikationsrate von vier Ereignissen pro 100 Personenjahren unter den höheren Werten auf 2,7 Ereignisse pro 100 Personenjahre oder um 32 Prozent unter den niedrigen LDL-Werten.

Für das CRP gilt folgende Relation: Sinkt der Wert unter die Schwelle von zwei mg/l, so mindert sich die Eventrate von 3,9 Ereignissen pro 100 Personenjahre unter dem höheren Wert auf 2,8 Ereignisse pro 100 Patientenjahre bei Patienten, die Werte unter der Schwelle von zwei mg/l erreichen. Diese Risikoabsenkung beträgt 28 Prozent. Patienten, die CRP-Werte von weniger als einem mg/l und LDL-Werte unter 70 mg/dl erreichten, hatten die geringste Eventrate (1,9 pro 100 Patientenjahre). Diese Relationen sind in der Abbildung grafisch dargestellt.

Paul M. Ridker und Kollegen vom Center for Cardiovascular Disease Prevention an der Harvard Medical School in Boston, USA, interpretieren diesen Befund als Hinweis auf Entzündungsprozesse als Auslöser von kardiovaskulären Erkrankungen (New England Journal of Medicine, Band 352, Seiten 20 bis 28).

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine Studie, die von Steven E. Nissen und Kollegen von der Cleveland Clinic Foundation in Cleveland, USA, vorgestellt wurde. In dieser Studie, die an 502 Koronarpatienten über eine Spanne von 18 Monaten durchgeführt wurde, korrelierte die Veränderung der Koronarsklerose während der Dauer der Studie sowohl mit den unter der Statintherapie erreichten LDL-wie auch mit den CRP-Werten.

Einfluss auf die Lymphozytenfunktion

Wie Michael R. Ehrenstein und Kollegen vom Center for Rheumatology der Medizinischen Fakultät der Universität London, UK, in der selben Ausgabe des New England Journal of Medicine (Seiten 73 bis 75) erklären, hängt die Wirkung einer Lipidregulation über die Hemmung der Cholesterinsynthese in der Leber auf das Immunsystem und damit auf entzündliche Prozesse primär von der Stabilisierung von Lymphozytenmembranen durch Cholesterin ab. Antigen-präsentierende Lymphozyten, die sowohl entzündliche Reaktionen wie auch Autoimmunprozesse beeinflussen, sind von einer rigiden Zellmembran abhängig. Mit diesem Parameter, der von einem gewissen Cholesterinspiegel abhängt, steht und fällt die Funktion der Lymphozyten.

So verwundert es nach Ehrenstein nicht, dass Behandlungserfolge unter Statinen von Patienten mit so unterschiedlichen Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Rheumatoide Arthritis (Polyarthritis) oder Systemischer Lupus erythematosus gemeldet werden. Allen diesen oft nur sehr schwer medikamentös behandelbaren Krankheitsbildern ist zu Eigen, dass sie durch aktivierte Lymphozyten angestoßen und unterhalten werden.

Insofern kann die Frage, die über Ehrensteins Ausführungen steht: „Statins for Atherosclerosis – As Good as It Gets?“ mit einem klaren „nein“ beantwortet werden. Statine scheinen erst am Anfang ihrer pharmakologischen Karriere zu stehen. Fraglos nicht nur zum Segen für ihre Hersteller.

T.U.Keil