Gespräch mit dem neuen KZBV-Vorstandsvorsitzenden Dr. Fedderwitz

„Wir passen in kein Zwangskorsett“

Am 21. Januar 2005 wählte die Vertreterversammlung der KZBV ihren neuen Vorstand. Die zm sprachen mit dem ersten hauptamtlichen Vorsitzenden der KZBV, Dr. Jürgen Fedderwitz, über Selbstverständnis, Aufgaben und künftige Projekte der vertragszahnärztlichen Vertretung.

zm: Herr Dr. Fedderwitz, wir gratulieren dem neuen Vorstand und dem ersten hauptamtlichen KZBV-Vorstandsvorsitzenden zum Wahlerfolg. Wird mit der KZBV neuen Zuschnitts jetzt alles anders?

Fedderwitz: Nein. Der Gesetzgeber hat mit dem GMG Rahmenbedingungen geschaffen, die sich eigentlich alle von uns so nicht gewünscht haben. Die jetzt frisch verfasste Vertragszahnärzteschaft passt nach wie vor nicht in ein wie auch immer vorstellbares staatliches Zwangskorsett. Die Konditionen für das hauptamtliche Parlament wurden dem Staat in hartem Ringen abgetrotzt. Die Zahnärzte haben demokratisch gewählt und wir haben einen klaren Auftrag zur Interessenvertretung für die deutschen Vertragszahnärzte. Und berufspolitische Profis waren die meisten der jetzt gewählten Delegierten – da muss sich Vater Staat nichts vormachen – auch vorher schon. Wir wissen, was zu tun ist und für wen wir unsere Aufgaben erfüllen.

zm: Der Weg der körperschaftlich organisierten Vertragszahnärzteschaft in die Hauptamtlichkeit war ja kein leichter. Mancher Freiberufler bezweifelt, ob eine GMGkorporierte Staatskörperschaft noch die Interessen des freien Berufes wahrnehmen kann. Ist die Zeit der großen ideellen Einheit der freiberuflichen Zahnärzteschaft passee?

Fedderwitz: Das glaube ich nicht. Klar, die Politik wollte die Entmachtung. Aber wir werden – da bin ich sicher – unsere Chancen nutzen; so haben wir das bei der BEMA-Umrelationierung und jetzt beim Festzuschusssystem gegen ja auch offenkundige Widerstände erreicht.

Fakt ist, dass das ehemalige Drei-Säulen-Modell momentan nicht mehr funktioniert. Und das macht mir mehr Sorge. Auch wenn zweifellos der Freie Verband nicht mehr die dominante standespolitische Rolle spielt, so bedauere ich die derzeitige Entwicklung des Verbandes. Bei der IGZ und den anderen standespolitischen Gruppierungen sitzen ja auch kluge Köpfe. Wichtig ist, dass auch zukünftig eine abgestimmte politische Positionierung und Zusammenarbeit zwischen den Körperschaften, der Bundeszahnärztekammer und den Verbänden zustande kommt. Anders ist diese ideelle Einheit, die ja gerade angesichts der nächsten Gesundheitsreform und der Durchsetzung unserer Ziele zwingend notwendig ist, nicht erreichbar.

zm: Vor der neuen Vertretung der Vertragszahnärzteschaft liegt eine sechsjährige Legislaturperiode. Eine lange Zeit, in der sich Vieles neu bilden kann. Entsprechend kritisch werden die KZVen beäugt. Den Vertragsärzten wurde bereits vorgehalten, dass die künftig zum Teil nicht mehr öffentlichen „Parlamentssitzungen“ der KBV nicht gerade demokratischen Gepflogenheiten entsprechen. Ist das neue System der Professionalisierung ein Abschied von der Basis?

Fedderwitz: Im Gegenteil. Die VV ist das demokratisch legitimierte Gremium der Basis. Und die KZBV war noch nie die kleine Kopie der KBV. Wer zuhört, weiß, dass die Ärzteschaft die VVen künftig nicht mehr als selten tagendes Gremium, sondern als Mitarbeiter und Kontrollorgan des hauptamtlichen Vorstandes öfter als bisher einberufen wird.

Wie auch immer die Zahnärzte das künftige Procedere für ihre Vertretung beschließen werden, die VV ist künftig nicht mehr das nur zweimal jährlich tagende Parlament, das Grundsatzbeschlüsse fasst, sondern sie ist Souverän zahnärztlicher Basisdemokratie. So ein Gremium muss arbeitsfähig sein. Das ist – da es wohl auch künftig die ordentlichen öffentlichen VVen geben wird – nicht weniger, sondern mehr Demokratie und Basiseinfluss als in den KZVen alten Zuschnitts. Da wollen wir die satzungsrechtlichen Möglichkeiten offensiv ausreizen.

zm: Die großen Meilensteine vertragszahnärztlicher Verhandlungen hat ja noch der alte Vorstand bestritten. Kommen jetzt die Jahre stiller Verwaltung? Oder stehen bereits absehbar weitere Großprojekte ins Haus?

Fedderwitz: Vertragszahnärztliche Interessenvertretung war, ist und wird auch auf Bundesebene immer ein Kontinuum bleiben. Wer glaubt, mit den erfolgreich betriebenen Abschlüssen von Bema und Festzuschüssen sei jetzt eine Phase verwaltungstechnischen Winterschlafes gekommen, täuscht sich in der Sache genau so wie in den jetzt gewählten Personen.

Gerade im Moment ist die KZBV bis über beide Ohren eingedeckt mit der Umsetzung der befundorientierten Festzuschüsse. Das Projekt ist eines der wichtigsten der letzten Jahre. Es ist Initialzündung für neue Wege in der Vertragsgestaltung. Manche Kassen warten nur darauf, dieses von ihnen ungeliebte System durch Anprangern von Fehlverhalten in den Praxen wieder vom Tisch zu fegen, auch wenn die Politik das Geschehen mit wohlwollender Skepsis begleitet.

Von der vernünftigen Umsetzung des neuen Verfahrens hängt vieles ab. Es ist Türöffner für mehr Freiheiten in anderen Bereichen der zahnärztlichen Tätigkeit. Deshalb gilt es, das jetzt eroberte Terrain abzusichern, und dann die nächsten Schritte zu tun, zum Beispiel durch Ausdehnung des Festzuschusssystems auf die Parodontologie.

zm: Herr Dr. Fedderwitz, wir danken für das Gespräch.