Epidemiologie

Wirkung eines maßvollen Alkoholkonsums auf die geistige Funktion bei Frauen

Allgemein bekannt ist der verheerende Effekt eines starken Alkoholkonsums auf die geistige Funktion. Speziell bei Frauen wurde jedoch noch nicht nachgeprüft, ob – ähnlich wie bei Männern – ein moderater Alkoholkonsum von maximal einem Glas täglich auf die kognitive Fähigkeit eine Wirkung hat. Dies untersuchte die hier referierte Studie.

In der groß angelegten US-amerikanischen „Nurses’ Health Study“ wurden 12 480 Teilnehmer, die in den Jahren zwischen 1995 und 2001 im Alter zwischen 70 und 81 Jahren waren, prospektiv in ihrer geistigen Entwicklung über zwei Jahre verfolgt. Am zweiten Befragungstermin waren 11 102 Teilnehmer zur umfassenden Auskunft bereit. Nachgefragt wurde auch der Alkoholkonsum der Teilnehmer. Bei der hier vorliegenden Teilauswertung der Studie interessierten sich die Forscher um Meir J. Stampfer und Kollegen von der Harvard Medical School in Boston vor allem für die Frage, ob ein moderater Alkoholkonsum bei Frauen die kognitive Kompetenz beeinträchtigt oder nicht.

Wie die Abbildung zeigt, findet sich sowohl in der Gruppe, die bis zu einen Drink pro Tag konsumiert (maximal 14,9 g Alkohol/ die), wie auch in der Gruppe mit bis zu zwei täglichen Drinks (maximal 30,0 g Alkohol/ die) keine Verschlechterung, sondern eher eine Verbesserung der kognitiven Funktion. Berechnet wurde das multivariant abgesicherte Risiko für die Teilnehmer, während der Studie in die Gruppe der zehn Prozent am schlechtesten abschneidenden Teilnehmer zu geraten oder aber eine Verschlechterung der geistigen Leistung während der Studie zu erleiden, die ebenfalls in die Gruppe derjenigen Teilnehmer führte, die in der Leistungsskala die untersten zehn Prozent markierten, also die Perzentilen mit der schlechtesten Leistung

Im Vergleich mit Frauen, die überhaupt keinen Alkohol zu sich nahmen, hatten die moderaten Trinkerinnen ein um 23 Prozent vermindertes Risiko einer schweren Beeinträchtigung der kognitiven Funktion. Auch für die Teilnehmerinnen, die bis zu zwei Gläser pro Tag tranken, fand sich kein Anhalt für eine Verschlechterung, sondern ebenfalls eher für eine Verbesserung der kognitiven Kompetenz. Es war gleichgültig, welche Getränke die Teilnehmerinnen der Studie konsumierten. Allein das Quantum des täglich aufgenommenen Alkohols schien zu zählen.

Schlussfolgerungen bleiben vage

Wie schon in einem ähnlichen Beitrag über die Auswirkungen eines mäßigen Alkoholkonsums auf die Gesundheit von Männern (zm Heft 21/2004, S. 52 bis 53) bemerkt, ist es für einen verantwortungsbewussten Arzt schwierig, in der Patientenberatung aus solchen Studienergebnissen die richtigen Schlüsse zu ziehen. Sicher scheint zu sein, dass bei Menschen, die ein maßvolles Leben zu führen im Stande sind, auch der mäßige Alkoholgenuss angenehm und förderlich ist. Das gilt auch, wie man nun weiß, für Frauen.

Unverkennbar ist aber auch, dass Alkohol eine Sucht erzeugende Droge darstellt, welche die Gesundheit nachhaltig zu ruinieren vermag. Daher haben Pharmakologen immer wieder nach Wegen gesucht, die förderliche Wirkung alkoholischer Getränke auch ohne den Konsum von Alkoholika zugänglich zu machen. Wer einen solchen Weg einschlagen will, kann heute auf Diätetika mit entsprechenden Inhaltsstoffen zurückgreifen.

Bei der Erforschung der günstigen Wirkung von Alkoholika sind beim am besten erforschten Rotwein Phenole als die entscheidenden Inhaltsstoffe identifiziert worden. Diese sind zum Beispiel in „diätetischen Lebensmitteln für besondere medizinische Zwecke“ in Kombination mit Perillaöl erhältlich. Rotweinphenole haben sich in allen Studien als besonders wirksam zur Sekundärprävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erwiesen und sind wahrscheinlich auch zur Vermeidung des kognitiven Abbaus analog zu den Ergebnissen dieser Studie verwendbar.

Till Uwe Keil