Differentialdiagnose der paramandibulären Schwellung

Seltene Lokalisation eines Osteoms am Unterkiefer

Ein 30-jähriger Patient, stellte sich mit der in Abbildung 1 dargestellten paramandibulären Schwellung in unserer Ambulanz vor. Die anamnestisch bereits seit etwa zwölf Jahren bestehende Schwellung hatte in den letzten Monaten zugenommen, woraufhin der Patient unsere Klinik aufsuchte. Bei der klinischen Untersuchung bestand eine knochenharte schmerzlose Schwellung paramandibulär links im Bereich der Masseterschlinge. Parästhesien im Ausbreitungsgebiet des N. alveolaris inferior links lagen nicht vor. Während sich im Orthopantomogramm nur eine diskrete rundliche Verschattung basal vor dem Kieferwinkel links zeigte (Abb. 2), stellte sich in der Aufnahme nach Clementschitsch eine vestibulär gelegene eiförmige knöcherne Auftreibung des linken Unterkiefers dar (Abb. 3).

Mit dem Verdacht auf das Vorliegen eines Osteoms wurde die knöcherne Exostose über einen paramarginalen Zugang im Bereich des Kieferwinkels dargestellt (Abb. 4) und mit Säge und Meißel abgetragen. In der feingeweblichen Untersuchung zeigte sich kompaktes, lamelläres, reifes Knochengewebe, welches zur Diagnose eines Osteoms führte.

Diskussion

Die klinische Symptomatik des Patienten mit der über Jahre bestehenden Anamnese ist für einen langsam wachsenden und damit eher benignen Tumor typisch. Osteome sind gutartige, nur im Kopfbereich, besonders am Unterkiefer, vorkommende Tumore, die aus spongiösem (Osteoma spongiosum) oder kompaktem Knochen bestehen [Neville et al., 2002]. Osteome können dem Kieferknochen aufsitzen (peripher) oder zentral im Knochen gelegen sein.

Bei großer Ausdehnung ist eine knochenharte Auftreibung erkennbar. In der Regel sistiert das Wachstum nach Ausreifung zu kompaktem Knochen (eburnisiertes Osteom) [Schwenzer und Ehrenfeld, 2002]. Sie kommen in jedem Lebensalter vor, mit einem Häufigkeitsgipfel im dritten Lebensjahrzehnt. Das Geschlechtsverhältnis beträgt bei Männern zu Frauen eins zu drei [Sayan, Ucok et al., 2002].

Differentialdiagnostisch sind Osteome von klinischer Bedeutung, da ihre Abgrenzung gegen ossifizierende Fibrome, Chondrome oder osteogene Sarkome schwierig sein kann.

Auch Hartsubstanz bildende odontogene Tumoren, eine fibröse Dysplasie und der Morbus Paget müssen in die differentialdiagnostischen Überlegungen miteinbezogen werden. Bei Osteomen ist die lokale Abtragung die Therapie der Wahl [Neville et al., 2002; Schwenzer und Ehrenfeld 2002].

Dr. Dr. Rainer S. R. Buch
Prof. Dr. Dr. Torsten E. Reichert
Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und
Gesichtschirurgie
Franz-Josef-Strauss-Allee 11
93053 Regensburg

■ Differentialdiagnostisch sind Osteome sehr vielgestaltig.

■ Rezidive oder maligne Entartungen kommen beim Osteom nicht vor.

■ Chronische Schwellungen der Mandibularregion bedürfen einer eingehenden Diagnostik.


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