47. Westerländer Fortbildungswoche

Minimalinvasive Zahnheilkunde bei Windstärke acht

Starkwind Stärke acht! Für Sylt nicht unbedingt ungewöhnlich. Aber für die Westerländer Fortbildungstage der Zahnärztekammer Schleswig-Holstein schon. Kaum eine Chance für den Strandkorb. Das kam nur der Fortbildung zu Gute!

1100 Teilnehmer (auch, wenn der neugebackene Kammerpräsident Hans-Peter Küchenmeister von 100 000 sprach) trafen sich zum 47. Male zu einer unvergesslichen Woche der wissenschaftlichen Fortbildung, der freundschaftlichen und kollegialen Begegnung und des Teamerlebnisses. Denn, wie in all den letzen Jahren, waren viele Zahnärztinnen und Zahnärzte mit ihrem gesamten „staff“ angereist, um gemeinsam Neues für den Praxisalltag zu erlernen und diese Innovationen gemeinsam im Team umsetzen zu können.

Die Marke „ZahnArzt“

Der frisch gewählte Kammerpräsident Hans-Peter Küchenmeister stellte die gedankliche „Wandlung“ des Zahnarztberufes in seiner Eröffnungsrede in den Vordergrund und sprach von der „Marke ZahnArzt“. Ziel sollte es sein, eine Zahnbehandlung so minimalinvasiv wie möglich zu gestalten, um den Patienten so wenig wie möglich zu belasten. Der Zahnmediziner hat dabei die Aufgabe, nicht nur den Zahnzustand zu optimieren, sondern auch die Gesamt-Belastung des Patienten so gering wie möglich zu halten. „Die ZahnMedizin ist die größte medizinische Fachdisziplin, der Zahnarzt ist ein Fach-Arzt“, so die Worte Küchenmeisters. Er sprach sich gegen eine zu starke Spezialisierung in einzelne Fachbereiche aus und hält nur einige partielle Spezialisierungen bezüglich differenter Therapieanforderungen für sinnvoll. „Fatal wäre eine totale Sektorisierung der Zahnmedizin in getrennte Fachbereiche mit multiplen Fachzahnarzt-Anerkennungen“, warnte der Kammerpräsident.

Maximalinvasive Eindrücke

Eine chirurgische Parodontalbehandlung bei starken Rauchern kommt für Dr. Bernd Heinz, Hamburg, nicht in Frage. Er verweist darauf, dass jeder PAR-Patient auch als medizinischer Risiko-Patient anzusehen sei. Das bedeutet: So wenig Belastung als nötig. Ebenso sollten sämtliche Patientenwünsche und -aspekte, etwa finanzielle Belange, in den Vordergrund einer jeden Therapieentscheidung gestellt werden. Für eine grundsätzliche primäre Infektionsbehandlung, bevor operative Maßnahmen ergriffen werden, sprach sich Dr. Hannes Wachtel, München, aus. Er legt bei der operativen Therapie besonderen Wert darauf, dass die Papille durch die richtige Schnitttechnik erhalten bleibt, und rät, zum Wundverschluss einen monofilen Kunststofffaden (Polypropylen) zu verwenden, denn er absorbiert keine Bakterien. Die Nadeln sollen etwa 15 Millimeter lang sein. Sein Tipp für die Papillenpräparation: Tennisschlägerlappen vermeiden! Ein kleines Rasparatorium verwenden! Papille von buccal kommend bis nach lingual andrücken, von lingual kommend nähen, dann verknüpfen. Ersten Knoten doppelt schlingen, den zweiten Knoten als einfache Schlinge darüber setzen. Unbedingt breite Pinzetten meiden, sie quetschen das Gewebe, was oft bis zu acht Tagen Durchblutungsverminderung führt und damit eine Heilungsverzögerung verursacht, so der erfahrene Praktiker.

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