9. Parodontologie-Frühling in Dresden

Das www der plastischen, parodontalen und periimplantären Chirurgie

Zum 9. Mal in Folge fand Ende April der Dresdner Parodontologie-Frühling unter der Thematik „Das www der plastischen parodontalen und periimplantären Chirurgie – warum, wie, womit“ statt. Mehr als 300 Kolleginnen und Kollegen waren aus ganz Deutschland zu dieser interessanten und aktuellen Problematik angereist.

Dr. Raphael Borchard, Münster, begann seine Ausführungen zunächst mit den erhaltenden Maßnahmen des Parodonts. Da die Mehrzahl der Extraktionswunden einer Spontanheilung überlassen wird, sind vor allem bei vorangegangenen Parodontitiden Kammdefekte vorprogrammiert. Eine schonungsvolle Zahnextraktion mit anschließender Applikation einer glatten, alveolenüberdeckenden Folie (analog des Prinzips der gesteuerten Geweberegeneration) ist daher anzustreben, denn sie trägt sehr viel zur Wundstabilität (Raumerhaltung) und somit zum vertikalen und horizontalen Kammerhalt bei. Deshalb sind in der Regel nichtresorbierbare Membranen indiziert, bei großen Defekten auch titanverstärkte ePTFE-Membranen, so der Referent. Nur bei ausgedehnten Defekten propagierte der Praktiker eine zusätzliche Augmentation der Alveole, vorzugsweise mit autologem Knochen. Auch die Technik der Rehrmann-Plastik nach MAV, die oftmals mit dem Verlust der keratinisierten Gingiva einhergeht, kann durch dieses Vorgehen ersetzt werden.

Chirurgische Kronenverlängerung

Im Rahmen der resektiven Maßnahmen, die vorwiegend aus funktioneller Indikation heraus durchgeführt werden, nimmt die chirurgische Kronenverlängerung eine Schlüsselstellung ein. Nach diffiziler Diagnostik wird über Umfang und Ausmaß der Korrektur entschieden. Anhand vieler klinischer Beispiele erläuterte Borchard Indikationen, Methodiken und eigene Erfahrungen. Besonders die Beachtung der biologischen Breite (Distanz Alveolarfortsatz – geplanter Kronenrand) beugt späteren chronischen Entzündungen der Gingiva vor.

Auch für die Problemzone des retromolaren Raumes stellte Dr. Borchard verschiedene, indikationsbezogene Methoden der Tuberplastik (Distal-Wedge-OP) beziehungsweise Kammplastiken vor. Ziel dieser Maßnahmen ist es, durch die Entfernung des fibrösen Gewebes eine optimale individuelle Mundhygiene bei Füllungs-, Kronen-, oder Implantattherapie zu sichern.

Den größten Teil seines Vortrages widmete der Referent den aufbauenden chirurgischen Maßnahmen. Hierbei nahm die Schaffung einer ausreichenden Zone keratinisierter befestigter Gingiva (mindestens drei Millimeter ) an natürlichen Zähnen und Implantaten eine zentrale Stellung ein, wobei nicht nur die Breite, sondern auch die Dicke der Gingiva von Bedeutung ist. Wiederum anhand vieler klinischer Bilder konnte das Auditorium die Indikationen, verschiedenen Methoden und Langzeiterfolge von Rezessionsdeckungen und Gingivaextensionen verfolgen und nachvollziehen. Die Operationsmethoden des freien Schleimhauttransplantates und des freien Bindegewebstransplantates wurden dargestellt sowie eigene Erfahrungen mit den verschiedenen Techniken erläutert. Als sicherste Methode der Rezessionsdeckung favorisiert der Referent das freie Bindegewebstransplantat, was auch durch klinisch kontrollierte Studien bestätigt ist.

Als weitere, präprothetische-aufbauende Maßnahme favorisierte der Münsteraner Praktiker die Kammaugmentation mit Bindegewebe (freie oder gestielte Bindegewebstransplantate) allein oder in Kombination mit Knochen/Ersatzstoffen. Letzteres wird besonders vor Implantationen empfohlen.

Die sehr angeregte Diskussion sowie die individuellen kollegialen Gespräche zeigten einmal mehr, dass es wiederum gelungen war, sowohl eine interessante Tagungsthematik als auch einen exzellenten Referenten, der in überzeugender Art und Weise sein Praxiskonzept zu präsentieren verstand, gefunden zu haben.

Termin 2006

Der 10. Dresdner Parodontologie Frühling findet – wie immer am letzten Samstag im April – am 29. April 2006 wiederum im Theater Wechselbad statt. Geplant ist die Kombination aus Übertragung von Live-Operationen und Referaten.

Dr. Gerlinde Bruhn
Universitätsklinikum Dresden
Poliklinik für Zahnerhaltung
Fetscherstraße 74
01307 Dresden