Editorial

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Liebe Leserinnen und Leser,

für Außenstehende war es ein fast schon erstaunlicher Akt: Ungewohnt diszipliniert, reibungslos und zuverlässig kamen Deutschlands Bundesparlamentarier dem Wunsch des Kanzlers nach, ihre vierjährige Amtsperiode einfach vorzeitig zu beenden. Generalstabsmäßig zog man das Misstrauensvotum gegen – oder für? – den Kanzler durch. Jetzt hat Bundespräsident Köhler den „Staffelstab“ für den wohl schnellsten Wahlkampf des deutschen Bundestages in seinen Händen.

Was nach der Wahl kommt, darüber brüten zurzeit Deutschlands Lobbyisten hinter mehr oder minder verschlossenen Türen heftigst. Für das Gesundheitswesen – egal, ob Wahlkampfthema oder nicht – wird die neue Legislaturperiode aller Wahrscheinlichkeit nach eine Weichenstellung mit sich bringen, die für manchen mehr als nur bittere Medizin bedeutet.

Denn das Geschiebe um Bürgerversicherung oder Gesundheitsprämie wird, so man sich weitgehend an die bisherigen Absichten hält, für einzelne Betroffene harte Konsequenzen haben. Paradebeispiel sind sicherlich die privaten Krankenversicherungen: Sie sahen sich in den zurückliegenden Jahren gern als stärkendes, weil ausgleichendes Mittel für ein immer stärker krankendes Gesundheitssystem, das in ihren Augen noch dazu ständig falsch therapiert wurde.

Aber jetzt, wo die Branche wegen der anstehenden – inzwischen auch für die privaten Unternehmen spürbaren – Herausforderungen alle Kraft für sich selbst bräuchte, spielen Politiker unterschiedlicher Fraktionen Modelle durch, die der PKV mittelfristig auf den Lebensnerv gehen könnten.

Der Verband, dessen Mitglieder sicherlich besser in Kondition stehen als die intensiv gepflegte GKV, tritt die Flucht nach vorn an und macht Alternativvorschläge, die genau da ansetzen, wo die Politik ihre Probleme sieht. Sparvorschläge mit einem nicht uneigennützigen Charme und größeren Chancen für die kapitalgedeckte Vorsorge sollen der Politik Luft zum Atmen schaffen. Gleichzeitig aber sollen sie auch neue Kundschaft in die privaten Krankenkassen schleusen.

Das Rezept der PKV liegt vor, es kann geprüft und getestet werden. Ohnehin ist es wenig wahrscheinlich, dass es zu Ergebnissen in Reinform, ohne einen Wust an Kompromissen, kommen wird.

Eines ist sicher: Muss die PKV aufgrund puristisch umgesetzter Konzepte auf die Intensivstation, wird es keine potenten Spender für ein längeres Überleben geben. Das weiß die PKV. Das sollte sich auch die Politik bewusst machen, bevor sie einschneidende Maßnahmen ergreift.

Mit freundlichem Gruß

Egbert Maibach-Nagel
zm-Chefredakteur