proDente-Umfrage zur Ästhetik

Der Zahnarzt als Master

Master of Science, Executive Master, Magister, Master of Arts – wer kann was und wer blickt durch? Etliche neue Masterstudiengänge sind in den letzten Jahren entstanden, auch in der Zahnmedizin. Die Entwicklung ist im Fluss, viel Gestaltungsspielraum liegt vor, mehr Transparenz muss her und viele Fragen sind noch ungeklärt. Das gilt vor allem für die Positionierung des Masterstudiums zwischen strukturierter Fortbildung und Weiterbildung. Fest steht: Seinen Master zu machen, ist für den Zahnarzt, der sich darauf einlässt, ein fachlicher wie auch persönlicher Gewinn. Und grundsätzlich sollten dem fortbildungswilligen Kollegen alle Wege offen stehen.

Es gibt nichts Vergleichbares“, erklärt Dr. Alexander Oberle, niedergelassener Zahnarzt in Oppenau und Teilnehmer des Masterstudiengangs Zahnmedizin der Universität Greifswald. Er nimmt dort am Studium „Zahnmedizinische Funktionsanalyse und -therapie mit Computerunterstützung“ teil und schätzt vor allem, dass er eine umfassende akademische Ausbildung plus Praxisbezug geboten bekommt. Seine Motivation, berufsbegleitend und mit hohem Zeit- und Kostenaufwand den Master of Science (MSc) zu machen: „Es geht direkt an den Patienten ran.“

Masterstudiengänge, Spezialisierungen, Fort- und Weiterbildungen – hier tut sich ein weites Feld auf, mit dem sich der zahnärztliche Berufsstand derzeit intensiv auseinandersetzt, um Klarheit und Transparenz in die Materie zu bringen. Der Beirat Fortbildung der Bundeszahnärztekammer erarbeitet derzeit eine umfangreiche Expertise über postgraduierte Studiengänge in der Zahnmedizin. Eine Koordinierungskonferenz für die Fortbildungsreferenten der Kammern mit einer ausführlichen Standortbestimmung des Berufsstandes zum Thema ist für den Herbst geplant. Die Präsidenten der Länderkammern werden in den nächsten Monaten die politische Marschrichtung festzurren und die Bundeszahnärztekammer legt Wert darauf, dass sie in den weiteren Gestaltungsprozess konzeptionell eingebunden wird.  

Am 8. Juli 2005 fand in Karlsruhe ein Symposium mit dem Titel „Diskurs um die Zukunft der Profession Zahnarzt“ statt. Initiator: die Akademie für zahnärztliche Fortbildung. Die Absicht von Akademiedirektor Prof. Dr. Michael Heners: „Begriffsbestimmung, also Klarheit über das, worüber geredet wird“. Denn ohne Klarheit sei keine Analyse möglich, geschweige denn die Möglichkeit zur Gestaltung. Doch, so Heners im Hinblick auf die Diskussion um Masterstudiengänge, Spezialisierungen, Fort- und Weiterbildung, „wer die Zukunft nicht gestalten will, wird von der Zukunft überrollt.“

Von der Zukunft überrollt zu werden, das steht für die Zahnärzteschaft nicht zu befürchten. Eher geht es um die Frage, wie man mit einer sich verändernden Hochschul- und Fort-/Weiterbildungslandschaft umgeht. Statt sich mit dem Gefühl herumzuschlagen, dass man von außen etwas übergestülpt bekomme, müsse man vielmehr die Gelegenheit nutzen, in die Offensive zu gehen, betonte der Präsident der Bundeszahnärztekammer, Dr. Dr. Jürgen Weitkamp, in seinem Grußwort in Karlsruhe. „Jetzt ist der Beginn einer neuen Entwicklung, bei der der Berufsstand selbst gestaltend tätig werden kann“.

Master – ein Novum

Um diese Entwicklung zu verstehen und zu sehen, wo sich der Gestaltungsspielraum zeigt, ist zunächst ein weit ausholender Schwenk in die Gesamtzusammenhänge notwendig. Masterstudiengänge sind ein relatives Novum in der deutschen Wissenschaftslandschaft, deswegen herrscht hier derzeit noch eine ziemliche Intransparenz. Hintergrund ist der so genannte Bologna- Prozess. In der Konferenz von Bolgona 1999 haben die für das Hochschulwesen zuständigen Minister von 39 europäischen Staaten beschlossen, bis 2010 eine europaweite Konsolidierung der Hochschulausbildung herbeizuführen. In Berlin wurde 2003 festgelegt, basierend auf dem anglo-amerikanischen System mit der Einführung eines zweizyklischen Studienaufbaus, aufgeteilt in Bachelor- und Masterabschlüsse, europaweit zu beginnen. Nun sind alle Universitäten, Hochschulen und Fachhochschulen aufgefordert, ihr Lehrangebot entsprechend zu organisieren. Von rund 11 000 Studiengängen in Deutschland sind bereits rund 3 000 in das zweistufige System überführt worden. Das entspricht mehr als einem Viertel aller Studiengänge. Tendenz steigend.

Seit Bologna gibt es also Bachelor- und Masterstudiengänge auch in Deutschland (siehe dazu auch: Bernd Kordaß und Peter Wagner, „Faszination Masterstudiengänge“, zm 13/2004, Seite 66 ff). Zur Verdeutlichung:

Bachelor: Erster berufsqualifizierender Abschluss, gradual, Abschluss Bachelor- Grad. Die Regelstudienzeit beträgt mindestens drei und höchstens vier Jahre.

•  Master: weiterer berufsqualifizierender Abschluss, postgradual, Abschluss Master- Grad. Die Regelstudienzeit beträgt mindestens ein Jahr und höchstens zwei Jahre. Die Masterstudiengänge werden unterschieden in konsekutiv (auf einem Bachelor aufbauend), nicht konsekutiv (nicht direkt aufbauend) und weiterbildend (dies setzt einen qualifizierten Hochschulabschluss und berufspraktische Erfahrung voraus. Es gelten die gleichen Anforderungen wie für die übrigen Masterstudiengänge). Hinzu kommt:

•  Doktorandenausbildung: postgradual, Abschluss PhD-Grad. Im Prinzip wird sich die Hochschullandschaft dadurch langfristig umkrempeln, um sich europaweit anzugleichen. Vor allem in Deutschland wird ein Umdenken erforderlich sein. Die Bachelor- und Mastergrade werden allmählich die bestehenden Diplom- und Magisterabschlüsse ablösen.  

Besonderheit: Zahnmedizin

Problematisch wird das mit Fächern, die mit dem Staatsexamen abschließen: Rechtswissenschaft, Pharmazie, Lehramt – und eben Medizin und Zahnmedizin. Der Bologna- Prozess passt nicht auf die Fächer Medizin und Zahnmedizin, schon allein deshalb, weil zum Beispiel durch die Zahnarztrichtlinie der EU ein mindestens fünfjähriges Vollzeitstudium für Zahnärzte gefordert wird. Das zahnmedizinische Staatsexamen entspricht in seiner Wertigkeit also bereits einem Masterabschluss. Die weitere Entwicklung hängt noch ein wenig im Nebulösen: Sowohl das deutsche Bundesbildungsministerium als auch die Kultusministerkonferenz bestreben, für die Fächer Medizin und Zahnmedizin ein zweistufiges System einzuführen, konkrete Beschlüsse liegen jedoch noch nicht vor. Demgegenüber fordern die Vertreter der Zahnärzteschaft, für die Bereiche Medizin und Zahnmedizin den Bologna- Prozess so zu adaptieren, dass die Elemente von Bologna auf diese Studiengänge passen.  

Als postgraduale Studiengänge, aufbauend auf dem Staatsexamen, kommen für die Zahnmedizin nur weiterbildende Masterstudiengänge in Frage, die nach dem Hochschulabschluss eine qualifizierte berufspraktische Erfahrung von mindestens einem Jahr voraussetzen.  

Der Wissenschaftsrat hatte im Übrigen in seinem Gutachten vom Januar 2005 den Universitäten empfohlen, für niedergelassene Zahnärzte kostenpflichtige Masterstudiengänge auszurichten. Die weiterhin geforderte Ausdehnung der Fachzahnarzt- Fächer wird in dieser Form von der Zahnärzteschaft nicht befürwortet, da die Weiterbildungsgebiete Kieferorthopädie und Oralchirurgie/ Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgie eine ausreichende Differenzierung auf diesem Felde bieten, während weitere Qualifizierungen eben über Masterstudiengänge erworben werden können.

Akkreditierung notwendig

Die Studiengänge in Deutschland, die mit einem Bachelor- oder Mastergrad abschließen, müssen durch die Bundesländer koordiniert werden. Hierzu ist nach Beschluss der Kultusministerkonferenz 2004 die Stiftung zur Akkreditierung von Studiengängen in Deutschland eingerichtet worden, die die Gleichwertigkeit von Prüfungsleistungen und Studienabschlüssen überwacht. Ein Organ dieser Stiftung ist der Stiftungsrat. Er habe die Aufgabe, Agenturen (derzeit sechs an der Zahl) zu akkreditieren, die ihrerseits Studiengänge akkreditieren, wie Prof. Dr. Johann Schneider, Bonn, Mitglied des Akkreditierungsrates, auf dem Symposium in Karlsruhe deutlich machte. Mit der Akkreditierung wolle man weg von staatlicher Regulierung und der Hochschule und hin zu einer unabhängigen Agentur. Geprüft würden das Qualifikationsziel, die personelle und sachliche Ausstattung oder auch die Evaluation des Studiengangs.  

Spezialisierungen – rechtliche Grenzen

Gerade in der Zahnmedizin ist in den jüngsten Jahren ein zunehmender Trend der Zahnärzteschaft zur spezialisierten Fortbildung entstanden. Immer mehr Praxen weisen Arbeits- beziehungsweise Tätigkeitsschwerpunkte aus, die Anzahl von Gemeinschaftspraxen steigt. Dr. Jürgen Fedderwitz, Vorsitzender der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung, machte auf dem Karslruher Symposium in seinem Vortrag deutlich, dass nach wie vor in der Vertragszahnmedizin einer speziellen Ausrichtung der einzelnen Zahnarztpraxis erhebliche gesetzliche Einschränkungen entgegenstehen. Das Zahnheilkundegesetz berechtige den Zahnarzt, das gesamte Spektrum der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde auszuüben, die Zulassungsverordnung lege die Teilnahme an der vertragszahnärztlichen Versorgung nach vorgegebenen Kautelen (Sicherstellungsauftrag) fest. Spezialisierungen seien besser in Gemeinschaftspraxen oder Versorgungszentren möglich. Insgesamt unterstrich Fedderwitz, dass der derzeitige vertragszahnärztliche Status die Umsetzung der Spezialisierung eher verhindere als fördere. Die Entscheidung zur Spezialisierung müsse individuell auf die Bedürfnisse des Kollegen abgestimmt werden. Der Zahnarzt als Generalist müsse auf jeden Fall erhalten bleiben.  

Das Generalistentum beizubehalten ist zum Beispiel für den niedergelassenen Zahnarzt Dr. Christoph Kaiser aus Heiligenhaus sehr wichtig. Er ist Teilnehmer des Karslruher Studiengangs „Master of Integrated Dental Practice“. Seine Motivation für das berufsbegleitede Studium zum Master of Arts sei es, umfassend zum Generalisten ausgebildet zu werden, fachliche Sicherheit zu bekommen und für kommunikative Aspekte der Patientenbetreuung wie auch des Umgangs mit dem Praxisteam gerüstet zu sein. Ganzheitliches Denken sei für ihn wichtiger als Spezialistentum.

Master of ... oder MSc

Ein wichtiges und von den zahnärztlichen Berufsständen noch nicht abschließend diskutiertes Thema ist die Einordnung der postgraduierten Studiengänge zwischen strukturierter Fortbildung und Weiterbildung. Die Unterschiede:

•  Fortbildung: Sie kann entweder frei oder strukturiert erfolgen, ist berufsbegleitend und endet in der strukturierten Form

oft mit einem Zertifikat (Kammer und/oder DGZMK).

•  Aufbaustudium: Erfolgt berufsbegleitend oder als Vollzeit-Aufbaustudium, dahinter steckt der ehemalige Spezialist, Bezeichnung „Master of Science“ oder „Master of ...“. Derzeit gibt es in Deutschland noch keinen Vollzeit- asterstudiengang für Zahnmedizin.

•  Weiterbildung: als Fachzahnarzt auf Vollzeit-Basis in hauptberuflicher Stellung im Bereich Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgie, Kieferorthopädie oder Oralchirurgie.  

Masterstudiengänge in der Zahnmedizin können als eine Möglichkeit der weiteren Qualifizierung nach abgeschlossenem Staatsexamen betrachtet werden. Eine strukturierte Fortbildung liegt im Qualifizierungsniveau darunter, eine fachzahnärztliche Weiterbildung darüber. Ein Masterstudiengang kann die fachzahnärztliche Weiterbildung nicht ersetzen.  

Dreh- und Angelpunkt, um die Studienleistung und den Studienaufwand transparent zu machen, ist das European Credit Transfer System (ECTS, siehe Kasten). Dieses Leistungspunktesystem, so betonte BZÄK-Präsident Weitkamp in Karlsruhe, sei eminent wichtig, um die Kompatibilität und Anrechenbarkeit von Studienleistungen zu ermöglichen. Er schlug einen möglichen Weg vor, um eine Synthese zwischen traditioneller und neuer Fortbildungsform zu bilden: Denkbar sei es, in einer Art Baukastensystem Bausteine eines Fortbildungscurriculums, eines berufsbegleitenden oder Vollzeit- Masters oder einer Weiterbildung über Credit Points untereinander anzurechnen. „ECTS (Credit Points) sind das Bindeglied, um eine Durchlässigkeit und Transparenz aller Maßnahmen zu ermöglichen.“

Zahlreiche Studiengänge

Im zahnmedizinischen Bereich entstehen nach und nach zahlreiche postgraduierte Studiengänge. Es gibt viele unterschiedliche Modelle und Ansätze, und es ist zum Beispiel schwierig, die einzelnen Studiengänge auch im Hinblick auf den ECTSAufwand miteinander zu vergleichen. Zwei Studiengänge sind in Deutschland bereits akkreditiert, in vielen weiteren läuft das Verfahren beim Akkreditierungsrat. Die Tabelle gibt einen Überblick über das derzeitig bekannte Angebot, jedoch ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Im Folgenden werden – beispielhaft für viele andere – fünf verschiedene Studiengänge vorgestellt:  

•  Seit dem Wintersemester 2004/2005 existiert der Masterstudiengang „Zahnmedizinische Funktionsanalayse und -therapie mit Computerunterstützung“ der Universität Greifswald. Er dauert 2,5 Jahre, ist berufsbegleitend angelegt und richtet sich an Zahnärzte, die sich für die Zukunft einer modernen zahnärztlichen Funktionsanalyse und -therapie qualifizieren wollen. Um das „Workplace Learning“ zu integrieren, sollten diese die Möglichkeit haben, selbständig zu behandeln (Praxis, Klinik). Er besteht aus 22 Modulen, in denen Leistungen geprüft und mit Credits versehen werden. Mit 80 Credits erwirbt man den Master of Science. Pro Modul sind 15 Stunden ortsgebundene Präsenzlehre (Wochenendkurs), zehn Stunden für Vor- und Nachbereitung und 65 Stunden „Workplace Learning“ in der eigenen Praxis oder Klinik vorgesehen. Standorte des Unterrichts sind Hamburg. Gütersloh, Berlin und Greifswald (für die Einführungs- und Schlussveranstaltung). Studiengangsleiter Prof. Dr. Bernd Kordaß erklärte vor den Teilnehmern in Karlsruhe, dass das Studium nicht für den Massenmarkt, sondern für spezialisiert interessierte Zahnärzte konzipiert sei. Maximal 25 Teilnehmer pro Studiengang seien vorgesehen.  

•  Im April 2005 ging die erste Studiengruppe des neuen zweijährigen Studiengangs „Master of Science in Oral Implantology“ an den Start. In Zusammenarbeit mit der staatlich anerkannten privaten Steinbeis-Hochschule Berlin hat die Deutsche Gesellschaft für Implantologie (DGI) den Studiengang etabliert, wie DGIVizepräsident Dr. Günter Dhom in Karlsruhe erklärte. Voraussetzung ist die Approbation, eine Erklärung über eine mindestens zweijährige zahnärztliche Berufserfahrung und über mindestens 50 selbst gesetzte Implantate. Das zertifizierte Curriculum Implantologie von DGI und APW wird zu 100 Prozent auf den Studiengang angerechnet. Er besteht aus 24 Modulen (Projektarbeit, Hospitationen, Supervisionen, Master-Thesis). Studienorte sind beispielsweise Aachen, Berlin, Erlangen, Göttingen, München, Stuttgart und Wien. 120 ECTS-Punkte sind vorgesehen.  

•  Ein weiteres Konzept stellte Jürgen Pischel, Bevollmächtigter der Postgradualen Universitätsstudien für Heilberufe (PUSH) der Donau-Universität Krems auf der Karlsruher Veranstaltung vor. Als Begründung für den Erwerb des Mastergrades gelte, so Pischel, die „Selbstverwirklichung des Zahnarztes in seinem Fachgebiet.“ In Krems gibt es insgesamt acht verschiedene Masterstudiengänge (MSc) für Zahnmediziner: Dental Sciences, Implantologie, Endodontie, Kieferorthopädie, Ästhetisch-rekonstruktive Zahnmedizin, Orale Chirurgie, Prothetik und Funktion und Parodontologie. Das Studium ist berufsbegleitend und mit einer Dauer von fünf Semestern angelegt. Der gesamte postgraduale Studiengang umfasst in jedem der Lehrgänge jeweils 1 000 Unterrichtseinheiten. Davon werden 750 in Vorlesungen, Seminaren und praktischen Kursen durchgeführt, 250 Einheiten sind für die Erstellung der Master- Thesis vorgesehen. Es gibt Falldokumentationen aus der Praxis, Wochen- und Wochenendveranstaltungen und Fernstudienelemente. Für den Master of Dental Science sind 120 ECTS- Punkte (Kerncurriculum plus Vertiefung plus Master-Thesis), für die übrigen Studiengänge 150 ECSTS-Punke vorgesehen. Studienorte sind das österreichische Krems und Bonn.  

•  „Ohne die Scheuklappen einer falsch verstandenen Spezialisierung“ – so wirbt die Akademie für Zahnärztliche Fortbildung Karlsruhe zusammen mit der Universität Magdeburg für ihren Studiengang „Master of Arts – Integrated Practice in Dentistry“. Anders als die rein zahnmedizinisch orientierten Masterstudiengänge will dieser Weg ganz bewusst auf interdisziplinäre (zahnmedizinische wie geisteswissenschaftliche) Zusammenhänge verweisen, um so den fachlichen und gesellschaftlichen Anforderungen an einen modernen Zahnarzt gewachsen zu sein. Der zweijährige Studiengang richtet sich an niedergelassene Zahnärzte, vermittelt Fachkenntnisse aus den Kernbereichen der Zahnheilkunde, Spezialwissen in zahnärztlichen Praxisfeldern, Wissen über angewandte medizinische Qualitätsförderung sowie Organisation und Wirtschaftlichkeit. Das Ganze, so betonte Jun. Prof. Dr. Michael Dick, Magdeburg, auf seinem Vortrag in Karlsruhe, verbinde sich zu einem Gesamtprofil eines zukunftsorientierten Zahnarztes mit ärztlichem Denken und Handeln und diene der Professionalisierung des niedergelassenen Zahnarztes. Es gibt sieben Module, Fortbildungsleistungen im Rahmen der Strukturierten Fortbildung werden anerkannt. 75 ECTS-Punkte sind vorgesehen.   

•  Ein Novum stellt der 2003 eingeführte postgraduale einjährige berufsbegleitende Studiengang „Master of Oral Medicine Implantology“ am International Medical College der Universität Münster dar. Das Besondere ist eine web-basierte multimediale Wissensvermittlung in Kombination mit praktischen Ausbildungsabschnitten, aufgeteilt in insgesamt zehn Module. 60 ECTSPunkte sind vorgesehen. Die teilnehmenden Zahnärzte müssen nur für die Blockpraktika nach Münster kommen, der theoretische Lernstoff kann am heimischen Computer erarbeitet werden. Wöchentlich werden vom IMC entsprechende Lektionen freigeschaltet, wobei sämtliche multimedialen Möglichkeiten des Internets zur Gestaltung der wissenschaftlichen Inhalte verwendet wurden, inklusive Online-Klausuren. Es bestehen Grund- und Aufbaukurse. Die praktischen Kurse (Anatomie, klinische Chirurgie, Prothetik) würden in Münster abgehalten, es bestehe eine Zusammenarbeit mit den Universitäten Essen und Leipzig, erklärt Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Ulrich Joos, Wissenschaftlicher Leiter des Studiengang, gegenüber den zm. Maximal 45 Teilnehmer würden pro Kurs zugelassen. Das Studium zeichne sich dadurch aus, dass die Zahnärzte Schritt für Schritt unter Aufsicht das Implantieren lernten und sich so später im Beruf erfolgreich und sicher fühlen könnten. Der Kurs sei als erster vom Akkreditierungsrat erfolgreich genehmigt worden.  

Fazit

Insgesamt ist derzeit vieles im Fluss, was die postgraduierten Studiengänge in der Zahnmedizin angeht. Das birgt die Chance für viel Entwicklung und Gestaltungsfreiraum. Die Zahnärzteschaft spricht sich für eine offensive Gestaltung der zahnärztlichen Fort- und Weiterbildungslandschaft der Zukunft aus und wird diese aktiv mitgestalten. Besonders spannend dürften die Diskussionen sein, inwieweit eine Anrechnung von Qualifikationen aus Masterstudiengängen auf die Weiterbildung möglich sein könnte, ebenso wie insgesamt eine Durchlässigkeit gestaltet werden kann. Basis bleibt weiterhin der Hauszahnarzt mit fakultativ ein bis drei Spezialisierungen, unter Beibehaltung der geltenden Fachzahnarzt-Systematik.

Tabelle:
Übersicht über Postgraduierte Studiengänge
in der Zahnmedizin. Die Tabelle ist ohne Anspruch
auf Vollständigkeit.

INFO

Dreh- und Angelpunkt: ECTS

Der Bologna-Prozess sieht vor, dass ein Leistungspunktesystem eingeführt wird, um Leistungen und Arbeitsaufwand kompatibel zu machen. Dieses European Credit Transfer System (ECTS) wird inzwischen europaweit angewendet. Ein ECTSPunkt entspricht 25 bis 30 Arbeitsstunden, das umfasst die ganze Zeit, die ein Studierender benötigt, um eine Lernaktivität erfolgreich abzuschließen. Rund 60 ECTS-Punkte können pro Jahr im einem Vollzeitstudium erworben werden. Das entspricht einem zeitlichen Arbeitsaufwand von rund 1500 bis 1800 Stunden im Jahr. Ein Masterstudiengang soll zwischen 60 und 120 ECTS-Punkten umfassen. pr  


INFO

Spezialisierungen im Ausland

Interessant ist ein Blick über die Grenzen in Bezug auf die Weiterbildungen und Spezialisierungen in Europa.

In fast allen EU-Mitgliedstaaten sind Kieferorthopäden, Oralchirugen und/oder Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgen als Fachzahnarztqualifizierungen vorhanden und anerkannt.    

In manchen Ländern gibt es weitere Spezialisierungen. In den meisten Ländern erfolgt diese Qualifizierung ausschließlich an Universitäten oder Lehrkrankenhäusern (siehe Übersicht im Leserservice).

Anders sieht es in Deutschland, der Schweiz, Polen, Slowenien und der Slowakei aus. pr

 

 


Bereich/Fach

Veranstalter

Abschlussgrad

Dauer

Struktur

Zeitpunkt der Einführung

Akkredi-tierung

Kosten

Implantologie

International Medical College der Universität Münster

Executive Master of Oral Medicine (EMOM)

2 Semester 1790 Einheiten 60 ECTS 1)

berufsbegleitend, web-basierte multimediale Wissensvermittlung in Kombination mit prak-tischen Ausbildungsab-schnitten

2003

4. 6. 2004

15 000 € + Reise- und Aufenthalts-kosten

Master-Thesis

Deutsche Gesellschaft für Implantologie in Kooperation mit Stein-beis-Hochschule Berlin

Master of Science in Oral Implantologie (MSc)

2 Jahre mit 120 ECTS

berufsbegleitend, 24 Module

2005

in Vor-bereitung

max. 32 000 € absolvierte strukt. Fort-

bildung + Mitgliedsch. wird ange-rechnet

Donau Universität Krems in Kooperation mit PUSH Postgraduale Universitätstudien für Heilberufe, Bonn

Master of Science Implantologie (MSc)

5 Semester 150 ECTS

berufsbegleitend 1000 Unterrichts-einheiten 1 UE = 45 Min

2001

ja

23 750 €

Funktions-therapie

Universität Greifswald Poliklinik für zahnärzt-liche Prothetik und Werkstoffkunde

Master of Science (MSc) Zahnärztliche Funktionsanalyse und -therapie mit Compu-terunterstützung

2 Jahre mit 80 ECTS

berufsbegleitend modularer Aufbau mind. 22 Module müssen absolviert werden

WS 2004

Verfahren wurde eingeleitet

1000 € pro Modul = ca. 22 000 € insgesamt

Integrierte ZHK

Universität Magdeburg in Kooperation mit der Akademie für zahnärzt-liche Fortbildung in Karlsruhe

Master of Arts – Integrated Practice in Dentistry (MA)

4 Semester 75 ECTS

berufsbegleitend 6 Module in 24 Prä-senzveranstaltungen und Master-Thesis

WS 2004/ 2005

Verfahren wurde eingeleitet

abhängig von Vor-leistung, da bereits erbrachte

Module an-

gerechnet werden, maximal

20 000 €

Laser ZHK

TH Aachen

Professional Master in Lasers in Dentistry

4 Semester 60 ECTS

berufsbegleitend 10 Module

26. 3. 2004

23 000 €

Parodotologie

Donau Universität Krems in Kooperation mit PUSH

Master of Science Parodontologie (MSc)

5 Semester 210 ECTS

berufsbegleitend 750 UE + 250 Std. Masterthesis

25 000 €

Universität Nijmegen, Abt. Parodontologie

Master of Science (MSc) in Periodontologie

3 Jahre

Vollzeit

14 000 € pro Jahr

Academic Centre for Dentistry, Amsterdam

Master of Science (MSsc) in Periodontology

3 Jahre

Vollzeit

ab Sept. 2005

14 500 € pro Jahr

Chirurgie

Donau Universität

Master of Science (MSc) Orale Chirurgie

5 Semester 150 ECTS

berufsbegleitend

April 2005

ja

23 750 €

KfO

Master of Science (MSc) Kieferorthopädie

5 Semester 150 ECTS

berufsbegleitend 750 UE + 250 Std. Masterthesis

ja

23 750 €

Ästhetik

Master of Science (MSsc) Ästhetisch-rekonstruktive

5 Semester 150 ECTS

berufsbegleitend

23 750 €

Krems in Kooperation mit PUSH, Bonn

Zahnmedizin

Endodontie

Master of Science (MSc) Endodontie

5 Semester 150 ECTS

berufsbegleitend ca. 750 UE + 250 Std. Master-Thesis

ab November 2005

23 750 €

Funktion und Prothetik

Master of Science (MSc)

5 Semester 150 ECTS

berufsbegleitend ca. 750 UE + 250 Std. Masterthesis

23 750 €

Dental Sciences MSc

5 Semester 120 bis 150 ECTS

berufsbegleitend

2005

19 000 bis 23 000 €

Weitere Bilder
Bilder schließen