Zahnmedizinische Betreuung von Senioren in Westfalen-Lippe

Hohe Akzeptanz für ein flächendeckendes Konzept

Die Zahnärztekammer Westfalen-Lippe (ZÄKWL) hat ein neues Konzept der Betreuung von Senioreneinrichtungen erarbeitet, um die flächendeckende Versorgung der Senioren im Land zu bewerkstelligen.

Eine der Grundlagen für dieses Konzept ist eine Befragung unter den Zahnärzten in Westfalen-Lippe (siehe Artikel DZZ 60, 2005). Das Thema findet in der Kollegenschaft hohe Akzeptanz. Interesse besteht an Fortbildung für Zahnärzte und Fachangestellte, aber auch an der Zusammenarbeit mit den Pflegeeinrichtungen. Die Initiative und Organisation sollte Aufgabe der Zahnärzteschaft sein.

Am 8. Juni 2005 fand die erste Tagung der Seniorenbeauftragten der 33 Bezirksstellen in Westfalen-Lippe statt. Der Referent für Alterszahnmedizin des Vorstandes der ZÄKWL, Dr. Franz-Josef Wilde, berichtete über die derzeit unzureichende Versorgung der Senioren in Alten- und Pflegeheimen. Nicht nur Zahlen aus einer Studie der Landeszahnärztekammer Sachsen aus dem Jahr 2004 seien diesbezüglich alarmierend.

Vier Strukturen

Das Betreuungskonzept in Westfalen-Lippe verfügt über vier Strukturen:

• eine Leitstelle in der Kammer

• Seniorenbeauftragte der Bezirksstellen

• Betreuungszahnärzte in den Pflegeeinrichtungen

• behandelnde Zahnärzte. Übergeordnete Aufgaben übernimmt eine Leitstelle in der Kammer. So werden hier die Listen der Einrichtungen zusammengetragen, Gespräche mit Landesverbänden der Senioreneinrichtungen geführt, aber auch die Seniorenheime durch Anschreiben über das Konzept informiert.

Der Seniorenbeauftragte in den Bezirksstellen sorgt dafür, dass die Pflegeeinrichtungen von Kollegen betreut werden und steht zur Beratung bei Umsetzungsproblemen zur Verfügung.

Die Aufgabe der Betreuungszahnärzte sei, so Wilde, einerseits die Verbesserung der Mundhygieneverhältnisse bei Senioren und andererseits die Organisation einer umfassenden zahnmedizinischen Versorgung. Da die Kenntnisse des Personals in Pflegeeinrichtungen nicht nur in Fragen der Mundhygiene für betreute Personen, sondern auch bezüglich zahnmedizinischer Grundbegriffe oft nicht ausreichend seien, würden den Betreuungszahnärzten Medien zur Verfügung gestellt, um dieses Wissen zu vermitteln. Darüber hinaus finde zurzeit ein Pilotprojekt an Pflegeschulen statt, um schon bei der Ausbildung dieses Grundwissen zu lehren. Ein Curriculum werde erarbeitet.

In einem Vortrag referierte Professor Dr. Christoph Benz, Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie der Ludwig-Maximilians-Universität München, zum Thema „AlterszahnMedizin“. Er räumte mit allgemein bekannten Ansichten über die Alterungserscheinungen im Mund und an den Zähnen auf. Was sich tatsächlich bei Patienten mit zunehmendem Alter maßgeblich verändere, sei die Möglichkeit der adäquaten Mundhygiene, die mit der Pflegebedürftigkeit rapide abnehme.

Hilfe zur Selbsthilfe

„Diesem Umstand wirkt das Betreuungskonzept der ZÄKWL entgegen“, erläuterte Wilde. Es werde eine der Hauptaufgaben sein, hier Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten.

In Bayern, so Benz, habe man bislang sehr gute Erfahrungen bei der Schulung des Pflegepersonals gemacht. Sein Fazit: „AlterszahnMedizin ist eine herausfordernde Aufgabe mit Zukunftsperspektive.“

Das wird auch in Westfalen-Lippe so gesehen. Wilde bezeichnete die bestehende Ausgangslage für die zahnmedizinische Versorgung Pflegebedürftiger in Westfalen-Lippe als gut. Immerhin hätten fast 37 Prozent der befragten Kolleginnen und Kollegen angekündigt, sich auch ehrenamtlich in diesem Bereich engagieren zu wollen, „zweifelsohne eine Zahl, die Hoffnung macht und uns bestätigt, auf dem richtigen Weg zu sein”. ZÄKWL

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