Editorial

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

ein Nahrungsmittel-Allergiker, der sich im Café das aufgetischte Stück Sahnetorte erst nach Biochip-Check schmecken lässt, ist – noch – eine Figur aus Science-Fiction und wohl nicht der vorrangig avisierte Konsument dieses molekularbiologischen Prüfverfahrens. Wissenschaftlich wäre diese Vorstellung – entsprechende Entwicklungssprünge und Erfahrungen vorausgesetzt – vielleicht interessant. Kostspielige wissenschaftliche Höhenflüge solcher Art verhindert schon allein das extreme Klima zunehmender ökonomischer Zwänge.

Dennoch: Biochips werden in den nächsten Jahrzehnten nicht nur in der Lebensmittelkontrolle, auch in der Medizin zunehmende Bedeutung bekommen. Dieser Entwicklungsstrang, an dem sich Biologie und EDVTechnik ein neues Stelldichein geben, ist in Medizin und Zahnmedizin schon heute alles andere als „terra incognita“. Ob Paro-Check, Brustkrebs-Frühdiagnostik oder anderes mehr, das Zusammenspiel von DNASchnipseln und moderner EDV-Technik ist eröffnet und wird in den kommenden Jahren dazu beitragen, medizinische und biologische Laborarbeit spürbar zu vereinfachen.

Auch dabei wird gelten: Was erst – in der Forschung – kostet, kann später – nach technischer Massenproduktion – Kosten sparen. Wenn es so kommt, ist das ein Idealfall, der unser Leben sicherer, komfortabler und auch kosteneffizienter werden lässt. Voraussetzung ist, dass Vater Staat sich auf entsprechende Freiheiten für Forschung und Lehre einlässt. Denn das Wettbewerbsniveau muss stimmen. Konkurrenzfähig ist nur, wer politische Rahmenbedingungen vorfindet, die es erlauben, international auf gleicher Augenhöhe mitzumachen.

Noch spielen deutsche Unternehmen im Konkurrenzkampf um die Biochip-Forschung eine beachtliche Rolle. Und das nicht nur zum Wohle der Industrie, sondern auch einer besseren Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik und – last but never least – als Erfolg versprechende Maßnahme für eine zukunftsorientierte zahnmedizinische und medizinische Versorgung. Auch das sollte im Auge behalten, wer sich um Deutschlands Zukunft kümmert.

Mit freundlichem Gruß

Egbert Maibach-Nagel
zm-Chefredakteur