Fehlbildung

Die Häufigkeit des Dens invaginatus

Der Dens invaginatus – fälschlich auch als „dens in dente“ bezeichnet – ist vermutlich genetisch bedingt. In einer Untersuchung haben die Autoren seine Häufigkeit anhand von Röntgenaufnahmen bei 8 640 Patienten bestimmt.

Von einem Dens invaginatus sind im Wesentlichen die oberen seitlichen Schneidezähne betroffen. Als Nebenbefund im Röntgenbild aufzudecken, ergeben sich therapeutische Konsequenzen.

Die Fehlbildung wurde meist unzutreffend als „dens in dente“ beschrieben. Dies lässt sich an Zahnschliffen widerlegen. Eine Einstülpung an der Palatinalfläche ist innen mit Schmelz ausgekleidet, Dentin umhüllt sie peripher. Betroffen sind weitaus überwiegend (bleibende) obere seitliche Schneidezähne, die ohnehin nicht selten mit einem angedeuteten Foramen coecum behaftet sind.

Ursachen

Für eine Erblichkeit spricht das Überwiegen des bilateralen Auftretens, auch das Fehlen solcher Invaginationen bei anderen Ethnien, so bei Afrikanern. Die Anlage zur Fehlbildung sei häufig aber rezessiv übertragen und trete daher selten in Erscheinung [Grahnen]. Dieser Modus sei jedoch nur bei weniger ausgeprägten Formen nachweisbar. Schulze deutet die Invagination als Ausdruck eines Erbfaktors, der auch als Nichtanlage manifest werden kann.

Ausprägung – Formen

Im Schrifttum wird das Ausmaß der Anomalie nach folgenden Kriterien unterschieden:

1. partielle oder totale Invagination

2. (abhängig von den beteiligten Geweben) koronale oder radikuläre Einstülpung; diese mit Zement im Inneren anstelle von Schmelz

3. Schweregrad der Fehlbildung Dens invaginatus simplex – complex (letztere Form mit mehreren Hohlräumen)

In Tabelle 1 sind die (durch Kombination der Kriterien nach Punkt 1 und 2) möglichen Variationen aufgeschlüsselt. Weitaus überwiegen die am geringsten ausgeprägten, partiellen Formen, von Hallet weiter in vier Klassen unterteilt (Abb. 1). In den Abbildungen 2 und 3 sind Beispiele für den Grad III eines Dens invaginatus radicularis partialis (kein „internes Granulom“) dargestellt.

Häufigkeit

In Tabelle 2 sind die Ergebnisse bisher ausgeführter Untersuchungen zur Häufigkeit wiedergegeben, die sich in einer Spanne von 0,25 bis 17 Prozent bewegt.

Diese Unterschiede sind vor allem durch voneinander abweichende Definitionen begründet (Die Extremzahl von Hallet mit fast 50 Prozent schließt auch „leichte Einziehungen am Foramen coecum“ ein. Ein solches Vorstadium ist nur durch Inspektion, die eindeutigeren Ausprägungen nur im Röntgenbild erkennbar).

Eigene Untersuchungen

Die im Zeitraum 1971/72 an unserer Klinik exponierte Zahnröntgenfilme (8 640 Patienten an 48 370 Zähnen) wurden auf das Vorliegen mindestens einer Kontur entsprechend der Klasse II nach Hallet untersucht.

An Molaren, Prämolaren und Eckzähnen lag in keinem Fall ein solcher Befund vor. Bei 7 500 unteren Schneidezähnen war eine einzige (totale) Invagination aufzufinden. Die Zahl der festgestellten Invaginationen an 7 521 oberen Schneidezähnen gibt Tabelle 3 mit insgesamt 83 wieder.

Bis auf sechs Untersuchte mit Befall der mittleren Schneidezähne waren nur die seitlichen Incisivi betroffen. Die Frequenz bei weiblichen Probanden betrug 1,3 Prozent, bei männlichen 3,1 Prozent.

Die Häufigkeit nach den Kriterien von Hallet scheint von Klasse II bis IV anzusteigen.

Diagnostik

Ungewöhnliche Kronenformen oberer seitlicher Schneidezähne, wie die Fassform, ein tief eingezogenes Foramen coecum, können auf eine Invagination hinweisen. Das Röntgenbild am Zahnfilm (Einzelaufnahme) bestätigt sie. Der Schmelzmantel kann am Boden der Einstülpung indessen fehlen [Hülsmann].

Therapie

Bei Kariesfreiheit wird das Versiegeln angegeben, sonst eine Kompositfüllung mit regelmäßigen Sensibilisierungsprüfungen. Es treten aber auch schon kurz nach dem Durchbruch Pulpanekrosen auf. Wurzelkanalaufbereitung und -füllung können erschwert sein, bis hin zur Unmöglichkeit, den Apex zu erreichen. Dieses Hindernis kann die Extraktion erforderlich machen.

Prof. Dr. med. dent. Dr. med. h.c. mult.
Eberhard Sonnabend
Junkersstr. 21
82131 Gauting

Dr. Cheryl Lee Butz
Marschallstr. 11
80802 München
butz@kinderdent.com

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