Editorial

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Liebe Leserinnen und Leser,

sicherlich: verantwortlich für das knappe Bundestagswahlergebnis und die ohne eindeutige Mehrheiten erfolgte Verteilung der Macht sind die Bürger. Dennoch: Den von vielen Experten prognostizierten Stillstand (= Rückschritt?) in der Sozialpolitik können die Deutschen damit nicht gewollt haben.  

Mögen viele auch dankbar sein, dass durch die künftige Verteilung der Macht die von SPD und CDU/CSU ursprünglich gewollten Finanzierungskonzepte des Gesundheitswesens vorerst wohl nicht zur Umsetzung kommen: Von einer praktikablen Antwort auf die immer größer erscheinenden Herausforderungen für eine nachhaltige Lösung der Probleme im deutschen Gesundheitswesen sind wir – wieder einmal – weiter entfernt, als es allen Beteiligten lieb sein kann.  

 Da es an Mut und Platz für große Ideen und neue Wege zu fehlen scheint, wird es beim altbekannten Genörgel um die Kleinigkeiten weitergehen. Wie gehabt: Vor lauter Bäumen an Verordnungen und bürokratischen Reglementierungen bleibt der Blick auf den Wald versperrt. Die allem zugrunde liegende Idee, die uns die Altväter dieser Demokratie mit dem Grundgesetz vermacht haben, steckt heute in einem zu engen Gatter aus tausenden und abertausenden von Verordnungen, Regulierungen und Reförmchen.  

Zur Politik der kleinen Schritte gezwungen, ist es für den zahnärztlichen Berufsstand zu Beginn dieser Legislatur um so wichtiger, sich mit Perspektiven zu befassen, Grundlagen zu analysieren und die Wahl der politischen Instrumentarien zu überprüfen.  

In einem Grundlagenartikel bietet der Bochumer Universitätsprofessor Dr. Friedrich E. Schnapp seine – rechtswissenschaftlich rekrutierte – aktuelle Sicht der Dinge: Eine Analyse zur reformpolitischen Lage der zahnmedizinischen Versorgung. Ein Beitrag, der Anlass zum Nachdenken gibt, der aber auch Mut macht, gerade in Zeiten prognostizierten Stillstandes sachlich Bilanz zu ziehen, angestammte Ziele erneut zu prüfen, aber auch erfolgreich beschrittene Wege nicht unnötigerweise aufzugeben.

Mit freundlichem Gruß

Egbert Maibach-Nagel
zm-Chefredakteur