Leitartikel

Selbstbewusste Stimme in der Öffentlichkeit

Sehr verehrte Frau Kollegin,
sehr geehrter Herr Kollege,

der Deutsche Zahnärztetag vom 26. bis 30. Oktober 2005 in Berlin ist das zahnärztliche Zentralereignis des Jahres – gemeinsam getragen von den beiden Eckpfeilern des Berufsstandes, Standespolitik wie Wissenschaft. Von hier werden deutliche Impulse in die Fachwelt wie in die Öffentlichkeit ausgehen. Im Vordergrund stehen politische Themen – standes- wie wissenschaftspolitische. Hauptveranstaltungen sind die Bundesversammlung der Bundeszahnärztekammer, die Vertreterversammlung der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung und der wissenschaftliche Kongress der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mundund Kieferheilkunde unter Beteiligung aller Fachgesellschaften. Im Mittelpunkt aber steht die Zentralveranstaltung im Berliner Abgeordnetenhaus, von der eine hohe politische Symbolwirkung ausgehen wird. Es schließt sich eine gemeinsam von BZÄK, KZBV und DGZMK getragene Pressekonferenz an.
 
Dieses Grundkonzept hatte sich bereits auf dem Deutschen Zahnärztetag 2004 in Frankfurt bewährt und wird in den nächsten Jahren fortgeführt. In diesem Jahr jedoch ist die Struktur des Zahnärztetages noch als Zwischenlösung gedacht. Und zwar deshalb, weil die Wissenschaft – so war es bereits seit längerem festgelegt – unter Einbindung aller Fachgesellschaften und auch örtlich getrennt von der Standespolitik tagen wird. Die künftigen Deutschen Zahnärztetage (Erfurt 2006, Düsseldorf 2007, Stuttgart 2008 und München 2009) werden das von uns entwickelte Konzept weiter verdeutlichen. 

Ein isoliertes Auftreten von Standespolitik und Wissenschaft – das machen die wachsenden Herausforderungen an Praxen wie Hochschulen deutlich – kann nicht den Erfolg aufbringen, den eine gemeinsame Plattform erzielt. Stark sind wir nur im Schulterschluss zwischen Standespolitik und Wissenschaft. Die einen sind zuständig für die vielfältigen internen und externen Belange des Berufsstandes, die anderen sind Garanten für eine hoch stehende Ausbildung und die fachliche Absicherung des medizinischen Fortschritts. Seit den vergangenen Jahren stehen BZÄK und DGZMK in einem konstruktiven Dialog, um immer mehr zusammenzuführen, was zusammengehört.

Dabei ist uns die Fortbildung ein ganz zentrales Anliegen. Sie garantiert unsere fachliche Kompetenz sowie eine qualitativ hochwertige Versorgung im Bereich der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, und zwar unabhängig von der Politik. Fortbildung und lebenslange fachliche Weiterentwicklung auf präventionsorientierter Basis, und auf dem festen Fundament der Medizin sind der Schlüssel unseres professionellen Selbstbewusstseins.

Der Deutsche Zahnärztetag in Berlin wird demonstrieren, dass zahnmedizinische Berufsausübung und Wissenschaft, unsere berufliche Ethik und unser gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein Hand in Hand gehen. Gerade in Zeiten wie diesen, wo nach der Bundestagswahl eine politische Starre herrscht und auch in der Gesundheitspolitik mehr Stillstand als Fortschritt zu erwarten ist, werden wir Zahnärzte unsere eigenen Vorschläge unterbreiten. Und das werden wir mit gesundem und berechtigtem professionellem Selbstbewusstsein auf Basis der Freiberuflichkeit tun. Auch in der Vergangenheit waren es Initiativen der Zahnärzte, die den Mut zur Gestaltung der Zukunft bewiesen haben. Mit unseren Konzepten und mit unseren Ideen werden wir uns aktiv in den dringend notwendigen gesundheitspolitischen Gestaltungsprozess einklinken.

Der Deutsche Zahnärztetag 2005 wird dafür Sorge tragen, dass die Stimme der Zahnärzteschaft in der Öffentlichkeit nachhaltig Gehör findet.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen
Dr. Dr. Jürgen Weitkamp