Differentialdiagnose der Schwellung im Parotisbereich

Basalzelladenom am Vorderrand der Ohrspeicheldrüse

Eine 44-jährige Patientin stellte sich mit seit zehn Jahren bestehenden Schmerzen und Knackgeräuschen im linken Kiefergelenk in unserer Poliklinik vor. Im daraufhin angefertigten MRT der Kiefergelenke, auf dem sich im linken Kiefergelenk nur ein diskreter Gelenkerguss darstellen ließ, wurde nebenbefundlich eine glatt begrenzte, etwa 1,4 x 1,2 Zentimeter große Raumforderung am Vorderrand der Ohrspeicheldrüse links beschrieben (Abb. 1). Bei der erneuten klinischen Untersuchung ließ sich ein druckdolenter, palpatorisch relativ derber Knoten palpieren, den die Patientin erst vor wenigen Wochen bemerkt hatte. Enoral war das Ostium des Parotisausführungsganges unauffällig, der zu exprimierende Speichel war klar. Eine dentogene Ursache konnte klinisch und radiologisch ausgeschlossen werden.

Auch sonographisch ließ sich am Vorderrand der linken Parotis ein scharf begrenzter Befund mit einer Größe von 2,1 x 1,4 Zentimetern und einer homogenen Binnenstruktur mit Schallverstärkung darstellen. Das umgebende Speicheldrüsengewebe erschien homogen und nicht pathologisch verändert (Abb. 2).

Die operative Entfernung des Befundes erfolgte über einen präaurikulären Zugang. Abbildung 3 stellt das Operationspräparat des glatt begrenzten Tumors mit lobulärer Struktur dar. Die feingewebliche Untersuchung des Gewebes ergab die histologische Diagnose eines 0,8 x 1,2 x 1,5 Zentimeter messenden Basalzelladenoms (Abb. 4).

Diskussion

Das Basalzelladenom ist ein gutartiger Speicheldrüsentumor, der nur etwa ein bis zwei Prozent der gesamten Speicheldrüsentumoren ausmacht und seinen Namen von dem basaloiden Erscheinungsbild der Tumorzellen ableitet. [Neville, 2002]. Früher wurden die Basalzelladenome, die überwiegend in der Parotis auftreten [Jang, 2004], den monomorphen Adenomen zugezählt. Diese Zuordnung sollte jedoch nicht mehr verwendet werden, da histologische und immunhistologische Untersuchungen zeigen, dass Basalzelladenome oft aus mehreren Zelltypen (Ausführungsgangepithelzellen, myoepitheliale Zellen) bestehen [Neville, 2002]. Das histologische Bild zeigt im vorliegenden Fall girlandenförmig angeordnete, teils drüsig anmutende Zellverbände (Abb. 4).

Klinisch unterscheidet sich das Basalzelladenom häufig nicht vom pleomorphen Adenom, so dass eine Differenzierung erst nach histologischer Untersuchung möglich ist. Auch das Basalzelladenom ist langsam wachsend und besitzt typischerweise ebenfalls eine derbe Konsistenz. Wie auch beim pleomorphen Adenom besteht beim Basalzelladenom der Speicheldrüsen das Risiko eines Rezidivs. Ebenso ist eine maligne Entartung (Basalzelladenokarzinom) möglich [Lausen, 2005; Neville, 2002].

Basalzelladenome sind differentialdiagnostisch jedoch nicht nur gegen andere benigne, sondern vor allem gegen maligne Speicheldrüsentumoren sowie gegen Lymphknotenerkrankungen und Tumoren der Wangenregion abzugrenzen.

Eine sorgfältige Anamnese und die klinische Untersuchung liefern erste diagnostische Hinweise zur möglichen Dignität des Befundes und sollten durch eine Sonographie, die als bildgebendes Verfahren der ersten Wahl gilt, vervollständigt werden. Neben der Sonographie können eine Szintigraphie sowie eine Kernspintomographie [Jang, 2004] bei der Diagnostik von Parotistumoren hilfreich sein. Die Histologie ist jedoch bei diesem Krankheitsbild für die endgültige Diagnosestellung und Dignitätsbeurteilung entscheidend.

Dr. Dr. Rainer S.R. Buch
Prof. Dr. Dr. Torsten E. Reichert
Klinik und Poliklinik für Mund-, Kieferund
Gesichtschirurgie
Franz-Josef-Strauss-Alle 11
93053 Regensburg

Fazit für die Praxis

• Bei jeder Schwellung im Bereich der Ohrspeicheldrüse muss ein Speicheldrüsentumor ausgeschlossen werden.
• Auch die Palpation der Weichgewebe des Gesichts gehört zur vollständigen klinischen Untersuchung eines Patienten.
• Jeder Verdacht auf das Vorliegen eines Parotistumors muss histologisch abgeklärt werden.
• Aufgrund der Vielfältigkeit der klinischen Erscheinungsbilder von Speicheldrüsentumoren führt erst die histologische Untersuchung zur endgültigen Diagnose.
 



Weitere Bilder
Bilder schließen