Kardiologie

Bypass schlägt Stentimplantat

Die interventionelle Kardiologie hat schon Tausende von Patienten vor dem Herztod gerettet. Für eine interventionelle Rekanalisation verlegter Koronararterien stehen zwei invasive Behandlungsarten zur Verfügung: Stentimplantat oder Bypass. Letzteres Verfahren hat offensichtlich die besten Langzeitergebnisse.

Ein Stentimplantat weitet die verlegten Gefäße auf und stabilisiert sie durch ein schlauchförmiges Stützgewebe. Bei einem Bypass wird auf chirurgischem Weg ein Umgehungsgefäß implantiert. Obwohl die Stentimplantation (Abbildung 1) zur Rekanalisierung von verlegten Koronararterien die elegantere Methode ist, scheint die als schon etwas „altmodisch“ in Verruf geratene Koronaroperation doch die besten Langzeitresultate vorzuweisen. Dies geht aus einer großen retrospektiven Studie in den USA hervor, die von Edward L. Hannan von der staatlichen New Yorker Universität geleitet wurde.

Mehr Revaskularisierungen bei Stentpatienten

Die Qualität einer Koronarintervention lässt sich nach verschiedenen Kriterien bemessen. Zum Beispiel kann man die direkte Operationsletalität bestimmen, den Grad der Gefäßdurchgängigkeit nach dem Eingriff oder aber die Dauer, die ein wiedereröffnetes Kranzgefäß tatsächlich offen bleibt. Den letzten Weg wählte das New Yorker Team. Die landesweite Studie umfasste 37 212 Patienten, die sich zwischen dem 1. Januar 1997 und dem 31. Dezember 2000 einer koronaren Bypassoperation (CABG) unterzogen hatten sowie 22 102 Patienten, denen im selben Zeitraum ein Stent implantiert wurde. Im Verlauf von drei Jahren benötigte ein wesentlich größerer Anteil der Stent- als der CABG-Patienten eine Revaskularisierung (Abbildung 2). Die Stents hatten sich zudem schon relativ früh zugesetzt. Interessanterweise entschied man sich in der Regel auch beim zweiten Eingriff für einen (moderneren?) Stent.

Überraschender Befund

Im Hinblick auf die bessere Langzeitwirkung der CABG könnte man annehmen, dass heute kaum noch Stents implantiert werden. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Zwei Gründe sprechen für diesen zunächst überraschenden Befund:

Erstens: Die Implantation eines Stents ist minimalinvasiv durchführbar, also schonender und kostengünstiger als eine Koronaroperation.

Zweitens: Im Gegensatz zur CABG hat die Stent-Technologie in den vergangenen Jahren eine in hohem Maße kreative Entwicklung genommen. Ergebnisse, die auf heute fünf Jahre zurückliegenden Eingriffen basieren, sind daher nicht mehr mit den Ergebnissen der heute vorgenommenen Stent-Implantation vergleichbar. Ein kleiner Ausschnitt der verfügbaren Innovationen: Stents, die mit Antiwachstumsfaktoren, mit Antibiotika, radioaktiven Substanzen oder neuartigen Metalllegierungen beschichtet sind. Ferner gibt es voll resorbierbare Stents, etwa aus Magnesiumverbindungen.

Fazit: Die Gefäßaufweitung wird heute wesentlich schonender für die endotheliale Auskleidung der Gefäße durchgeführt. Alle genannten Faktoren könnten sich – wenn die ersten vor der Einführung vorgenommenen Studien praxisnahe Resultate gebracht haben – positiv auf den Langzeiterfolg der heutigen Stentimplantation auswirken.

T. U. Keil

 

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