Editorial

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Liebe Leserinnen und Leser,

während CDU, CSU und SPD in Berlin um ein gemeinsames Vorgehen im Gesundheitswesen stritten, beeindruckte einige Straßen weiter die Zentralveranstaltung des deutschen Zahnärztetages im ehemaligen Preußischen Landtag durch demonstrative Einheit: Bundeszahnärztekammer (BZÄK), Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) und Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) forderten gemeinsam „eine Gesundheitspolitik, die den rasanten Fortschritt der Zahnmedizin allen Versicherten zugänglich macht“.

Nichts blieben die drei Organisationen der künftigen Regierung an offenen Fragen schuldig: Während die DGZMK und ihre Fachgesellschaften im Internationalen Congress Centrum unter dem Generalthema „Zahn-MEDIZIN interdisziplinär“ einen fünftägigen Kongress der Superlative boten und damit eindrucksvoll schilderten, wo „Zahn-MEDIZIN“ heute steht und was sie kann, ließen die Standesvertretungen BZÄK und KZBV keinen Zweifel, dass die Zahnärzteschaft ein Patentrezept zu bieten hat, das alle Kriterien, die Patienten und Politik an eine medizinische Versorgung setzen wollen, verantwortungsvoll erfüllt.

Auch wenn die gesetzlichen Krankenkassen alles tun, um in der Öffentlichkeit zurzeit einen anderen Eindruck zu erwecken: Der Großteil der deutschen Zahnärzte steht, so haben beide Bundesorganisationen in ihren Versammlungen darstellen können, steht hinter dem befundbezogenen Festzuschusssystem. Dessen Vorteile – Entlastung für das Sachleistungssystem, freie Arztwahl und freien Zugang zum zahnmedizinischen Fortschritt für die Patienten – sind geeignet, die Sorgen der Politik zumindest im Bereich der zahnmedizinischen Versorgung zu zerstreuen, wenn sie sich nicht – trotz der von den KZVen inzwischen belegten Daten – den Verdächtigungen der Krankenkassen beugen. Ein Schritt, der angesichts der schwierigen Lage der Krankenkassen mehr wäre als nur ein politisches „Roll back“.

Denn in der zahnmedizinischen Versorgung wurden die Weichen schon in eine Richtung gestellt, die aus dem bereits wieder absehbaren Desaster neuer Beitragsanhebungen in der GKV und allen daraus resultierenden Folgen herausführen. Aber das, wohlgemerkt, bisher nur im kleinen Bereich des Zahnersatzes.

Dass entsprechender Courage für mutige Reformen nichts im Wege stünde, war auch auf dem Deutschen Zahnärztetag zu hören – und zwar von Deutschlands höchstem Verfassungrichter, dem Präsidenten des Bundesverfassungsgerichtes Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Jürgen Papier. Sein Festvortrag im heutigen Berliner Abgeordnetenhaus ließ keinen Zweifel: Das Grundgesetz steht einer grundlegenden Reform deutscher Sozialpolitik nicht im Wege. Ein Wink mit dem Zaunpfahl an alle, die die künftigen Generationen vor noch größeren Schwierigkeiten bewahren wollen.

Mit freundlichem Gruß

Egbert Maibach-Nagel
zm-Chefredakteur

 

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