Carl Franz Maria Partsch, 1855 – 1932

Ein runder Geburtstag

Partsch I und II – wer schon einmal eine Zyste operiert hat, dem sind diese Termini ein Begriff. Benannt sind sie nach dem Mediziner Professor Carl Franz Maria Partsch, der vor 150 Jahren im schlesischen Josefinenhütte geboren wurde.

Die Zahnmedizin in Breslau – wo Partsch lehrte und forschte – blickt auf eine lange Tradition zurück: Schon im Januar 1873 wurde dort das private Institut für Zahnheilkunde gegründet. In der internationalen Fachwelt genoss es einen sehr guten Ruf. So wurde ihm 1895 auf dem Stomatologenkongress in Rom eine Silbermedaille verliehen. Auf ministerielle Anweisung erfolgte am 25. April 1890 die Verstaatlichung des Privatinstituts. Ab sofort trug es den Titel „Poliklinik für Zahn- und Mundkrankheiten an der Medizinischen Fakultät der Königlich Preußischen Universität“.

Direktor, Autor, Lehrer

Partsch, damals Privatdozent für Chirurgie, wurde erster Direktor der Poliklinik. Als er 1895 zusätzlich die Leitung des Breslauer Krankenhauses der Barmherzigen Brüder übernahm, konnte er die Bedeutung des Instituts erheblich steigern. Denn die Fusion gab ihm die Möglichkeit, seine Erfahrungen in der Kiefer- und Gesichtschirurgie zu erweitern. Er interessierte sich vor allem für die Bereiche Pathologie und Klinik chronischer Kiefererkrankungen, Aktinomykose, radikuläre und follikuläre Zysten.

Als Autor ist Partsch durch sein „Handbuch der Zahnheilkunde“ bekannt. Darüber hinaus steuerte er in dem Sammelband „Chirurgische Erkrankungen des Mundes und der Kiefer“ (1912) seines früheren Lehrers Johann von Mikulicz-Radecki ein umfangreiches Kapitel bei.

Zu seinen Schülern gehörte unter anderem der Zahnarzt und Chirurg Antoni Cieszynski. Er erfand die für Röntgenaufnahmen von Zähnen wichtige „Halbwinkel-Technik“ nach der Isometrieregel. Ein Verfahren, das Zahnärzte auch heute noch anwenden. Später gründete er das Stomatologische Institut der Universität in Lemberg. Dort wurde Cieszynski – zusammen mit 45 weiteren Professoren – im Juli 1941 von den Nationalsozialisten erschossen.

Partsch führte außerdem Alfred Meissner zur Promotion. Er legte 1915 an der Medizinischen Fakultät der Universität Breslau seine Dissertation „Der Zahnwechsel in Dermoidzysten der Ovarien“ vor.

Engagement und Ehrungen

Neun Jahre vor seinem Tod, im Mai 1921, wurde Partsch der Titel „Doctor honoris causa“ der Universität Breslau verliehen. Er war Vorsitzender der Schlesischen Ärztekammer und der 1882 gegründeten „Odontologischen Gesellschaft“, die im Jahr 1903 in „Akademischer Odontologischer Verein“ umbenannt wurde. Auch außerhalb der universitären Mauern war Partsch sehr aktiv: So gründete er den Akademischen Turnverein, übernahm 1877 dessen Leitung und setzte sich für den Bau von Turnhallen ein.

Dr. med. Barbara Bruziewicz-Miklaszewska
Katedra i Zaklad Protetyki
Stomatologicznej Akademij Medycznej
Ul. Cieszynskiego 17/19
PL-50-136 Wroclaw

Prof. Dr. Dr. med. h.c. Eberhard Sonnabend
Universitätszahnklinik
Goethestr. 79
80336 München

INFO

Partsch I und II

Bei der Zystomie nach Partsch I (Abbildung oben) wird der Zystenbalg erhalten. Die Zyste wird durch Resektion ihrer vestibulären oder palatinalen Wandzu einer Nebenhöhle der Mundhöhlegemacht.

Nach der Methode Partsch II – derZystektomie – wird der Zystenbalg vollständig entfernt und die Wunde dicht verschlossen. Die Heilung erfolgt über das in der Knochenhöhle befindliche Blutkoagulum.

Quelle: Praxis der Zahnheilkunde, Band 9: Zahnärztliche Chirurgie. Urban & Schwarzenberg, 1989, S. 308.

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