Obstruktive Schlafapnoe

Jetzt sicher: Risikofaktor für Schlaganfall

Ein guter Schlaf schützt vor Schlaganfall und vermindert das Mortalitätsrisiko. Patienten, die unter Anfällen von Schlafapnoe leiden, müssen hingegen mit einem verdoppelten Risiko für Schlaganfälle und einer erhöhten Mortalität rechnen im Vergleich zu Probanden, die sich an einem von Atemnot ungestörten Schlaf erfreuen.

Patienten mit Schlafapnoe leiden während des Schlafes unter Anfällen von Atemnot. Sie sind offensichtlich nicht ausreichend vor einem Kollaps der oberen Atemwege geschützt. Solche Anfälle können sich in schweren Fällen sogar im Abstand weniger Minuten einstellen. Die Dramaturgie von Schlafapnoe-Anfällen ist vor allem den Lebenspartnern der Patienten wohl bekannt. Die Anfälle beginnen mit einer verflachenden Atmung der in der Regel schnarchenden Patienten, was sich bis zur Nähe von Erstickungsanfällen verschlechtern kann. Ab einem bestimmten Grad an Sauerstoffmangelversorgung im Gehirn wird eine kompensatorische forcierte Atmung ausgelöst. Spätestens in dieser Phase wachen die Patienten auf.

Im kardialen Bereich führen die Episoden von Hypoxie zum Vorhofflimmern, was wie in einem Teufelskreis wiederum die Sauerstoffversorgung vermindert. Angiologisch sieht man eine zunehmende Verdickung des Blutes. Diese vermag ebenfalls die Versorgung mit Sauerstoff – vor allem im kapillären Bereich – zu vermindern.

In der Regel handelt es sich bei diesen Patienten um Übergewichtige, die kaum Schlafhygiene betreiben und durch lautes Schnarchen auffallen. Eine Behandlung ist durch Gewichtsreduktion, Alkoholkarenz, Veränderung der Schlafhaltung und vor allem durch Beatmung unter Überdruck möglich. Es ist allerdings unklar, ob eine solche Behandlung die bereits durch den Verlauf der Erkrankung entstandenen Risiken beseitigt.

Wichtigstes Schlaganfall-Risiko

In einer offenen Kohortenstudie, die nun von H. Klar Yaggi und Kollegen von der Yale Universität in New Haven (Connecticut / USA) veröffentlicht wurde, untersuchte man im Zeitraum von bis zu sechs Jahren das Schicksal von 1 022 Patienten, die im Schlaflabor polysomnographisch untersucht worden waren. Die Patienten wurden geteilt in solche, mit einem normalen Atemverhalten in der Nacht (n = 325). Sie hatten weniger als fünf Apnoe-Hypopnoe- Episoden pro Stunden (Mittlerer Apnoe- Hypopnoe-Index < 5) und dienten als Kontrolle. Und in Probanden, die einen höheren Index hatten, wurden als Patienten eingeschlossen (n = 697). Als Studienendpunkt wurde die Zahl der während der Studie auftretenden Schlaganfälle und Todesfälle jeglicher Ursache registriert.

Rechnet man alle anderen bekannten Risikofaktoren für Schlaganfall bei diesen Patienten heraus, so bleibt die nächtliche Atemnot doch, wie Abbildung 1 zeigt, ein prominenter Risikofaktor für diesen kombinierten Endpunkt (Hazard-Ratio 1,97, Konfidenzintervall 1,12 bis 3,48, p = 0,01). Auch die allgemeine Mortalität der Patienten ist im Vergleich zur Kontrollgruppe mit einer Hazard-Ratio von 2,0 signifikant erhöht (Abbildung 2).

Mit der Schwere der obstruktiven Schlafapnoe nimmt auch die Lebensgefahr beziehungsweise die Gefahr eines Schlaganfalls zu. Sie beträgt bei einem Index von mehr als 36 (Anfälle häufiger als alle zwei Minuten) mehr als das Dreifache (Hazard-Ratio = 3,3). Die übrigen bekannten Risikofaktoren für Schlaganfall sind nicht so bedrohlich wie die obstruktive Schlafapnoe. So wurde in dieser Studie das Rauchen als Schlaganfall- Risiko mit einer Hazard-Ratio von 1,46 und der Diabetes mellitus mit einer Ratio von 1,31 errechnet.

Therapeutische Intervention mit fraglichem Nutzen

Die üblichen Therapiemaßnahmen bestehen in einer Schlafberatung, in der mit den Patienten eine Veränderung der Schlafhaltung eingeübt wird. Normalerweise bevorzugen die Patienten die Rückenlage, wodurch aber die Gefahr eines Kollapses der oberen Atemwege vergrößert wird. Dann wird alles getan, um bei übergewichtigen Patienten durch kluge Diätberatung das Übergewicht abzubauen. Schließlich nutzt man das große Angebot von Beatmungsgeräten, die unter Überdruck Atemluft über eine Nasensonde oder Maske applizieren und die Symptomatik gut zu verändern vermögen.

Es ist jedoch unklar, ob sich durch die Beatmung, die symptomatisch am schnellsten greift, die bereits bestehende Risikosituation noch wenden lässt. Daher erscheint es klüger, das Bewusstsein über die Gefährlichkeit des Krankheitsbildes so zu verstärken, dass immer mehr Patienten in den noch weniger gefährlichen Frühformen vor allem durch forcierte Gewichtsreduktion ihr Risiko vermindern können.

T. U. Keil

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