Kampagne Rauchfrei 2006

Endlich zum Nichtraucher werden

Auch in diesem Jahr startet das Deutsche Krebsforschungszentrum mit Unterstützung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung eine groß angelegte Aufklärungskampagne in Apotheken, Arzt- und Zahnarztpraxen. Patienten soll hiermit nahe gelegt werden, ab dem 1. Mai 2006 für genau einen Monat lang völlig nikotonfrei zu leben.

Dass diese Monatskarenz durchaus für starke Raucher ein erstes möglichst noch erreichbares Ziel sein sollte, erklärte Dr. Elisabeth Pott, Köln, anlässlich einer Pressekonferenz in Heidelberg. „Denn“, so die Vertreterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung weiter, „ es hat sich anlässlich der letzten Kampagne dieser Art erwiesen, dass ein ausgesprochen hoher Prozentsatz derjenigen Raucher, die eine Nikotinkarenz von vier Wochen erreicht hatten, weiterhin rauchfrei blieben.

Gerade für Zahnarztpraxen ist es äußerst interessant, Partner dieser bundesweiten Nichtraucherkampagne zu werden. Inzwischen ist es kein Neuland mehr, dass Parodontopathien besonders bei starken Rauchern auftreten und diese nicht selten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen korrespondieren. Ebenso wird in Fachkreisen immer noch kontrovers diskutiert, ob starke Nikotinkonsumenten tatsächlich eine Indikation für Implantationen darstellen. Abgesehen von oralen Präcanzerosen, wie Leukoplakien, die fast ausschließlich bei oralen Routineinspektionen als (Neben-!)befund festgestellt werden, ist es der Zahnarzt, der über den Foetor ex ore leicht erkennt, dass sein Patient ein Raucher ist.

Mit der Aktion werden Praxen aufgerufen, sich nicht nur durch Aufklärung mit Plakaten im Wartezimmerbereich, sondern auch durch Übergabe von weiteren Informations- und Aufklärungsbroschüren an betroffene Patienten, zu beteiligen. Gerade die persönliche Ansprache hilft vielen Patienten, den ersten Schritt zu tun. „Über 50 Prozent der starken Raucher leiden unter ihrer Abhängigkeit und wollen schon lange aufhören, sie sollen hier den letzten Kick erhalten“, berichtet Dr. Martina Pötschke- Langer, Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention und des WHO-Kollaborationszentrums für Tabakkontrolle, Deutsches Krebsforschungszentrum in Heidelberg.

Bereits vor zwei Jahren wurde eine derartige Kampagne bundesweit, auch mit Unterstützung der Bundeszahnärztekammer und den Zahnärztlichen Mitteilungen, durchgeführt. Hieran haben sich 90 000 Raucher beteiligt, ein Jahr später waren noch über 35 Prozent nikotinabstinent. Diesen Patienten hat die Aktion zum Ausstieg aus ihrer Sucht verholfen.

Teilnahmekarten sind unter der angegebenen Adresse (siehe Kasten links) zu erhalten und berechtigen dazu, an der Verlosung teilzunehmen. Insgesamt werden 10 000 Euro an ausstiegswillige Raucher und ihre Helfer verlost. Die Höchstpreise auch für Jugendliche belaufen sich auf 2 500 Euro.

INFO

Aussteigen, zum Wohle der Passivraucher

Harte Daten belegen, dass alljährlich 3 300 Menschen sterben müssen, weil sie ununterbrochen in ihrer Familie, an ihrer Arbeitsstelle oder in ihrer Freizeit, wie in der Diskothek, den kanzerogenen Stoffen von exhaliertem Nikotinrauch ausgesetzt sind. Ganz besonders betroffen sind hier Beschäftigte – Raucher und Nichtraucher gleichermaßen – im Gaststättengewerbe. Aus diesem Grunde setzt sich das Deutsche WHO-Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle verstärkt bei der Bundesregierung dafür ein, den Restriktionen anderer Länder, wie Schweden, England, Italien, Irland und seit dem 1. 1. 2006 auch Spanien zu folgen und generell ein Rauchverbot im gesamten Gaststättengewerbe durchzusetzen. So genannte „rauchfreie Inseln“, wie sie in einigen Restaurants oder Hotels angeboten werden, zeigen keinerlei Effizienz, da auch hier die Luft erheblich nikotingeschwängert ist, so äußerten sich Wissenschaftler in Heidelberg. sp