Nationaler Präventionskongress in Dresden

Plädoyer für einen breiten Dialog

Gesundheitsförderung und Prävention wirken als vorausschauende Strategien gegen gesundheitliche Risiken. Diese Erkenntnis ist in etlichen Ländern politisch schon weiter umgesetzt als in Deutschland. Der erste Nationale Präventionskongress am 1. und 2. Dezember in Dresden gab praktische und wissenschaftliche Anstöße, bot eine Plattform zum Meinungsaustausch und fand mit rund 800 Teilnehmern eine breite Resonanz. BZÄK-Vizepräsident Dr. Dietmar Oesterreich leitete einen Workshop.

Gesundheitsförderung und Prävention funktionieren dann, wenn man diese Aufgaben gesamtgesellschaftlich verankert und wenn alle Beteiligten untereinander vernetzt an einem Strang ziehen. Darin waren sich die Experten auf dem ersten Nationalen Präventionskongress in Dresden einig. Eine stärkere Zusammenarbeit von Wissenschaft und Praxis forderte Prof. Dr. Dr. Wilhelm Kirch, Dresden, Mitinitiator des Kongresses, der gemeinsam von der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH), dem Deutschen Verband für Gesundheitswissenschaften und Public Health (DVGPH) und weiteren Organisationen veranstaltet wurde. Die Chancen, in Deutschland das Ungleichgewicht zwischen kurativer Medizin und Gesundheitsförderung zu Gunsten der Prävention zu verändern, stünden gut, erklärte Kirch.

Die Bedeutung des Setting-Ansatzes betonte die Vertreterin des Bundesgesundheitsministeriums, Dr. Petra Drohsel: „Prävention soll da stattfinden, wo die Menschen leben.“ Sie unterstrich, dass sich Prävention für jeden Einzelnen lohne und einen Beitrag zu mehr Lebensqualität leiste. Fehl- und Überernährung, Rauchen, Alkohol und Übergewicht seien Faktoren, die zu einer erheblichen Kostenexplosion im Gesundheitswesen geführt hätten, ergänzte die sächsische Staatsministerin für Soziales, Helma Orosz. Sie forderte einen Paradigmenwechsel zu Gunsten der Gesundheitsförderung ein.

Gegen das weithin verbreitete Argument, Prävention führe zu Kosteneinsparungen, wehrte sich Dr. Hermann Rappe von der Bertelsmann-Stifung und Heinz-Böckler-Stiftung: „Prävention ist Investition in die Zukunft“, sie sei nicht am Jahresende messbar. Im Übrigen liege die beste Prävention in einer breit angelegten Beschäftigungspolitik für alle. Prof. Dr. Bernhard Badura, Bielefeld, unterstrich diesen Aspekt und hob hervor, dass soziale Ungleichheiten gekoppelt seien mit problematischen Lebenswelten: Wo das Sozialkapital gering sei, gebe es auch ungesunde Menschen und umgekehrt. Hier könne das geplante und bisher auf Eis gelegte Präventionsgesetz Abhilfe schaffen.

Prof. Dr. Ilona Kickbusch, Brienz, Schweiz, hob hervor, dass die Wurzeln der Diskussionen von Public Health ursprünglich aus Deutschland kamen und rund um den Wirkungskreis von Rudolph Virchow entstanden sind, bevor das Ganze in den USA Fuß fasste. Heute sei der Gedanke, dass Gesundheitsdiskussionen auch in anderen Politikfeldern übergreifend eine Rolle spielen, in etlichen Ländern bereits institutionell aufgegriffen worden. So gibt es beispielsweise in Kanada ein Ministerium für Public Health, Großbritannien beschäftigt einen Staatsminister in diesem Bereich und in Schweden existiert ein Ministerium für Public Health und Social Services. Wichtig sei, Public Health als gesamtgesellschaftliches und nicht nur nationales Konzept anzusehen, das Ganze politisch zu verfestigen und Verbände und Institutionen mit einzubinden.

Workshop der Zahnärzte

Dass die Zahnärzte in Sachen Prävention und Gesundheitsförderung gut aufgestellt sind, machte der Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, Dr. Dietmar Oesterreich, in einem Workshop deutlich. Die Erfolge in der Kariesreduktion besonders bei Kindern und Jugendlichen seien enorm. Defizite gebe es aber beispielsweise bei der Betreuung von Risikogruppen oder Senioren in Betreuungseinrichtungen. Das zeige, dass präventive Betreuungsstrategien in der Zahnmedizin möglichst lebenslang, altersspezifisch, risikogruppenorientiert und im Verbund aller Beteiligten greifen müssten. Präventionsorientierte Zahnmedizin werde künftig verstärkt von Aspekten der Wechselwirkungen zur Medizin, von Lebensqualitäts- und Versorgungsforschung, Evidenzbasierung, Qualitätsförderung und von weiteren Entwicklungen in diesen Bereichen beeinflusst.

Ergänzend zum Referat von Oesterreich stellte Dr. Ralph Eismann, Landeszahnärztekammer Sachsen, ausführlich eine neue Studie zur Mundgesundheit von Senioren in Heimen im Freistaat vor, die von der Kammer durchgeführt und von der TU Dresden wissenschaftlich betreut wurde. Fazit: Es besteht für Zahnärzte die dringende Aufgabe, die Versorgung Älterer und Pflegebedürftiger zu verbessern und das Pflegepersonal in den Heimen hinsichtlich mundhygienischer Fragen zu schulen und anzuleiten.