Wenn Probleme auftauchen

Der psychosomatisch kranke Patient in der Praxis

Für die Leserinnen und Leser, die sich noch nicht für eine spezielle, postgraduelle Ausbildung entscheiden können, aber motiviert sind, Zahnmedizin auch im Sinne der Psychosomatik als Teilgebiet der Humanmedizin zu verstehen, veröffentlichen die Zahnärztlichen Mitteilungen in einer losen Abfolge von Beiträgen grundlegende Informationen zur Psychosomatik in der Zahnmedizin (siehe auch unter zm-online.de).

Das Bewusstsein der Zahnärzte, nicht nur Krankheiten, sondern Kranke zu behandeln, hat in den letzten Jahren zugenommen. Auch die Patienten fordern zunehmend, ihre orofazialen Erkrankungen in gesamtmedizinischen Zusammenhängen zu sehen („Ganzheitsmedizin“). Die zahnärztlich „technisch“ perfekten Behandlungskonzepte verlieren ihre Bedeutung als Selbstzweck und werden einem die individuellen Bedürfnisse des Patienten berücksichtigenden Behandlungskonzept untergeordnet. Zahnärzte sind gefordert, ihre Diagnosen und Therapien nicht nur aus fachbegrenzt somatischer Sicht zu sehen, sondern auch allgemeinmedizinische, psychische und soziale Faktoren der Krankheit zu berücksichtigen. Damit gewinnt die Psychosomatik in der Zahnmedizin an Bedeutung.

Der Präsident der Bundeszahnärztekammer (BZÄK), Dr. Dr. Weitkamp, betonte kürzlich auf einer Konferenz der BZÄK mit Vertretern des Arbeitskreises Psychologie und Psychosomatik (AKPP) in der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK), dass sich ein Zahnarzt insgesamt ein breites ärztliches und zahnärztliches Wissen und Können aneignen sollte, um den Patienten eine umfassend hauszahnärztliche Behandlung zukommen zu lassen. Zu dieser hauszahnärztlichen Tätigkeit sollen in Zukunft auch allgemeine Kenntnisse der Psychosomatik gehören.

Dieses Wissen ist aber bisher im Studium kaum vermittelt worden. Zahnärzte können sich diese Kenntnisse nur durch postgraduelle Fortbildung in Kursen und Seminaren aneignen. Die Möglichkeit, Kenntnisse zur Anwendung der Verfahren der Psychosomatischen Medizin nur aus der Literatur zu erwerben, besteht nicht. Durch die Akademie Praxis und Wissenschaft (APW) der DGZMK wird seit Neuem ein Curriculum „Psychosomatische Grundkompetenz“ angeboten. Dies ermöglicht jetzt endlich auch Zahnärzten den Erwerb einer qualifizierenden Ausbildung in Psychosomatischer (Zahn-)Medizin.

Es gibt politische Überlegungen, die zahnärztliche Ausbildung von den medizinischen Fakultäten der Universitäten abzuspalten und auf Fachhochschulen zu verlagern. Dies würde einen Rückschritt auf ein mittelalterliches Verständnis von Zahnheilkunde bedeuten, durch die Wiedereinführung des nur somatisch-technisch ausgebildeten Berufes „Dentist“.

Die Zahnmedizin darf nicht von der allgemeinen Medizin getrennt werden. Das würde allen heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen widersprechen

Die Integration psychosomatischer Aspekte in das Verstehen der Erkrankungen im Bereich der Zahnmedizin begründet auch, dass die Zahnmedizin keine nur technische Disziplin ist, sondern eine humanmedizinische und damit ein Teilgebiet der gesamten Medizin.

Die Zahnärztlichen Mitteilungen werden in mehreren Beiträgen grundlegende Informationen zur Psychosomatik in der Zahnmedizin vermitteln.

Hans-Joachim Demmel

INFO

Als Themen der nächsten Beiträge sind vorgesehen:

• Möglichkeiten zum Erkennen des „merk-würdigen“ Patienten
• Ein „Fahrplan“ zum Umgang mit psychosomatisch gestörten Patienten
• Die Erarbeitung einer Überweisung zum Fachtherapeuten
• Spezielle Krankheitsbilder aus der Sicht der Psychosomatischen (Zahn-) Medizin
• Eine Literaturübersicht zur Psychosomatik in der Zahnmedizin
• Vorschläge zur qualifizierenden Fortbildung

(alle Beiträge sind nach der Printveröffentlichung unter zm-online.de zu finden)

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