Warnzeichen des Schlaganfalls

Wadenschmerzen beim Laufen

Herzinfarkt, Krebs oder Vogelgrippe stehen in den Medien hoch im Kurs, über den Schlaganfall spricht jedoch kaum jemand. Dabei ist er die dritthäufigste tödliche Krankheit und eine besonders häufige Ursache von schweren körperlichen und seelischen Behinderungen. Der Hirnschlag ist zwar eine typische Alterskrankheit, trifft jedoch immer häufiger auch jüngere Menschen. Der Schlag kommt oft nicht aus heiterem Himmel, sondern kündigt sich mit Warnsignalen an, die aber nur selten richtig gedeutet werden.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Jedes Jahr ereignen sich in Deutschland insgesamt rund 150 000 Schlaganfälle und weitere 15 000 Rückfälle innerhalb des ersten Jahres nach dem ersten Schlag. Nach den aktuellen Erhebungen des „Erlanger Schlaganfall-Registers“ muss bei deutschen Männern jährlich mit 81 000, bei Frauen mit 72 000 neuen Schlaganfällen gerechnet werden.

Verständlicherweise sind von einem Schlaganfall vor allem ältere Menschen bedroht, jedoch nicht ausschließlich: Jeder fünfte Fall tritt bei Frauen und Männern unter 60 Jahren auf. Die Sterblichkeit innerhalb des ersten Jahres liegt bei rund 40 Prozent. Doch von den rund 100 000 Schlaganfallpatienten, die das erste Jahr überleben, bleiben etwa 64 000 schwer behindert, pflegebedürftig und auf fremde Hilfe angewiesen.

Kurze Ausfälle

Mancher Schlaganfall wäre vermeidbar, wenn Vorsorge und Warnzeichen ernster genommen würden und eine vorbeugende Behandlung früher einsetzen würde. Nach Angaben der Deutschen Schlaganfall-Stiftung kündigt sich etwa jeder dritte Schlaganfall mit so genannten transitorischen ischämischen Attacken (TIA) an. Das sind nur wenige Minuten dauernde Durchblutungsstörungen des Gehirns, die je nach dem betroffenen Gehirnbereich zu verschiedenen Ausfallerscheinungen führen. Sie äußern sich mit Hautempfindungen wie „Ameisenlaufen“, Gehstörungen oder Verwirrtheit und werden von den Betroffenen meistens nicht ernst genommen.

Erste Warnzeichen

Damit eine rechtzeitige Behandlung eingeleitet werden kann, sollte aber jeder sofort einen Arzt aufsuchen, wenn eines der folgenden typischen Warnzeichen auftritt:

• Plötzliche Schwäche oder Gefühlsstörungen einer Körperseite, besonders des Gesichts, eines Armes oder eines Beines.

• Ein plötzlicher Verlust der Sprechfähigkeit oder Schwierigkeiten, Gesprochenes zu verstehen.

• Plötzliche Sehverschlechterungen oder ein Sehverlust, vor allem, wenn nur ein Auge betroffen ist.

• Plötzliche schwere Kopfschmerzen ohne erkennbare Ursache.

• Plötzlich einsetzender Schwindel mit Gangunsicherheit, Verlust von Gleichgewicht und Koordination, mit einem Sturz als Folge.

Ein weiterer, häufiger Vorbote eines Schlaganfalls findet auch bei den Ärzten oft nur wenig Beachtung: Die periphere arterielle Verschlusskrankheit, abgekürzt pAVK, im Volksmund „Schaufensterkrankheit“ genannt. Nach einer aktuellen Studie leidet fast jeder fünfte Patient in deutschen Hausarztpraxen an dieser Störung. Die typischen Symptome: Die Muskeln schmerzen beim Gehen und die Beschwerden steigern sich, je schneller man geht. Das Gefühl von Schmerz, Krampf oder Müdigkeit klingt aber rasch ab, wenn man eine Ruhepause einlegt (zum Beispiel um vorgeblich die Auslage im Schaufenster anzuschauen). Die Schmerzen betreffen meistens die Waden, können aber auch im Bereich des Fußes, des Oberschenkels, der Hüfte oder im Gesäß auftreten.

Die Verengung der arteriellen Blutgefäße ist ein bislang weit unterschätzter Risikofaktor, dessen Bedeutung jedoch in jüngster Zeit immer mehr erkannt wird. Wissenschaftler aus den USA und Kanada untersuchten kürzlich das Schicksal von 16 440 Patienten, die zwischen 1985 und 1995 wegen einer pAVK behandelt wurden. Das erschreckende Ergebnis: Zehn Prozent der Patienten erlitten in der Folgezeit einen Schlaganfall, weitere zehn Prozent einen Herzinfarkt. Kommentar der Münchener Ärztezeitschrift „Praxis-Depesche“: „Die pAVK ist ein Schuss vor den Bug“.

Die Vorbeugung gegen das fatale Geschehen ist einfach, jedoch leider nur schwer einzuhalten: Verzicht auf Zigaretten, Verringerung des Körpergewichts und regelmäßige Bewegung. Bei einer bereits messbaren Verengung der peripheren Arterien kann der Arzt die Beschwerden mit Medikamenten lindern und die Gefahr von Blutgerinnseln verhindern. Wichtig ist auch die Behandlung der häufig vorhandenen Begleitkrankheiten wie Bluthochdruck, erhöhter Cholesterinspiegel oder Diabetes.

Nach Schätzungen der gemeinnützigen Stiftung „Deutsche Schlaganfall-Hilfe“ könnten jährlich etwa 100 000 Schlaganfälle verhindert und das Leben von etwa 40 000 Menschen gerettet werden, wenn Warnsignale ernst genommen, Verengungen der Arterien früh erkannt und sofort geeignete Therapiemaßnahmen eingeleitet würden. Ausführliche Informationen bietet die Stiftung auf ihrer Internetseite http://www.schlaganfall-hilfe.de.

Lajos Schöne
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