Editorial

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

am 24. Januar wird die „Sprachkritische Aktion“ ihre Entscheidungen für die „Unworte des Jahres 2005“ bekannt geben. Wir wissen nicht, welche Begriffe die sprachwissenschaftlich besetzte Jury diesmal küren wird. Was wir wissen: Den Vorschlag, der uns zur Zeit für das Jahr 2006 vorschwebt, können wir nicht einbringen. Der Grund: Die „Gesundheitsreform“ feiert in diesem Jahr als „Unwort“ bereits ihr Zehnjähriges.

Schon 1996 fiel einer der Versuche der Politik, das deutsche Gesundheitssystem auf Vordermann zu bringen, bei den Sprachforschern in Ungnade. Zwischenzeitlich wurden mehrere Versuche unternommen, die in diesem Bereich erfolgten drastischen Einschränkungen und Sparbemühungen mit dem eigentlich positiv besetzten Begriff „Reform“ zu verknüpfen.

Auch in diesem Jahr sieht sich die Bundesregierung, diesmal in der pikanten Lage einer großen Koalition, gezwungen, das Sachleistungssystem wieder einmal vor dem drohenden großen Fiasko zu bewahren.

Und wieder hat es den Anschein, dass es nicht um neue Freiheiten, sondern erneut nur um Kostendämpfungsmaßnahmen geht, die vorübergehend die öffentlichen Haushalte entlasten, aber die wirklichen Probleme nicht nachhaltig lösen.

Sparen kann man sich derart euphemistische Wortprägungen und peinliche Titel, indem man endlich wahrnimmt, dass Prävention, medizinische Versorgung, und möglichst gesundes Altern einen Preis haben, den man kalkulieren, aber letztlich auch zahlen muss.

Mit freundlichem Gruß

Egbert Maibach-Nagel
zm-Chefredakteur