20. Zahnärztetag in der Hauptstadt

Jubiläum in Berlin

Eine Wissenschaft, die an die Wurzel geht, Medaillenregen und Neuigkeiten aus der Dentalbranche – der 20. Berliner Zahnärztetag bot all das und mehr. Vor allem deutliche Worte in Richtung Politik.

Zum Jubiläum kamen 1 500 Besucher ins Berliner ICC, wo gleichzeitig der 35. Helferinnen- und der 16. Zahntechnikerkongress stattfanden. Auf der Suche nach dem Neuesten aus der Industrie war man an den Ständen der insgesamt 70 Aussteller aus der Dentalbranche gut aufgehoben. Unter den Nägeln brannte den Zahnärzten aber vor allem ein Thema: die Politik.

Kein Kostentreiber

„Die Bemühungen der Regierung, die Zahnmedizin weiter zu regulieren und zu bürokratisieren, sind unsinnig und dumm“, sagte Dr. Wolfgang Schmiedel, Präsident der Zahnärztekammer (ZÄK) Berlin, auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit der Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZV). Gleiches gelte für die Überlegung, die KZVen abzuschaffen. „Die Politiker versuchen, Ärzte und Zahnärzte für die finanzielle Misere im Gesundheitswesen verantwortlich zu machen“, monierte Schmiedel in seiner Eröffnungsrede. Auf die KZVen könne jedoch nicht verzichtet werden, erklärte ihr Vorsitzender für Berlin, Dr. Jörg-Peter Husemann. Begründung: „Sie garantieren die Einlösung des Sicherstellungsauftrags – und zwar mit einem geringeren Kostenaufwand als es den Krankenkassen möglich ist.“ Er kritisierte außerdem die Fülle gesetzlicher Bestimmungen zum Beispiel zur Qualitätssicherung. Hygienerichtlinien und Medizinproduktegesetz kosteten die Praxen dabei eben soviel Zeit wie die politisch gewollte Einführung der e-Card. „Weitere Regulierungen machen uns nicht besser. Im Gegenteil, es wird dann noch mehr Zeit für Schreibkram und Praxisorganisation draufgehen. Zeit, die letztlich bei der Behandlung des Patienten fehlt“, warnte Husemann.

Das Gesundheitswesen immer nur als Kostentreiber abzustrafen, lehnten sowohl Kammer als auch KZV ab. Das greife zu kurz, sagte Husemann: „Schon heute bieten die niedergelassenen Mediziner mehr Arbeitsplätze als jeder andere Industriezweig in Deutschland. Die Politik hat nicht zur Kenntnis genommen, dass das Gesundheitswesen, insbesondere das mittelständische, Deutschlands beste ‘Jobmaschine’ der letzten zwei Jahrzehnte war.“ Das „Unternehmen Zahnmedizin“ in der Hauptstadt laufe ausgezeichnet, freute sich Schmiedel. Laut „Berliner Morgenpost“ seien Zahnmediziner und -techniker mit rund 17 000 Beschäftigten das zweitgrößte Unternehmen Berlins.

Zu Unrecht im Abseits

Im wissenschaftlichen Teil der Veranstaltung ging es auf Wunsch der Berliner Zahnärzte um die Endodontie. Oft führe dieses Fach ein „Mauerblümchendasein“, sagte Prof. Dr. Claus Löst, neben Prof. Dr. Michael Hülsmann wissenschaftlicher Leiter der Fortbildung. „Das finde ich unverständlich, denn die Erfolgsquote bei Wurzelbehandlungen liegt zwischen 80 und 90 Prozent“, so Löst. Auch der ZÄK-Präsident lobte die Möglichkeiten der Endodontie. Sie sei ein „gutes Beispiel für die moderne Zahnheilkunde, die den Erhalt des natürlichen Zahns in den Mittelpunkt stellt.“

Das Interesse an der Fortbildung war groß: Über 800 Zahnärzte frischten in Workshops und Vorträgen ihr Wissen über vitalerhaltende Maßnahmen, die Bestimmung der Arbeitslänge oder Techniken und Materialien zur Wurzelkanalfüllung auf.

INFO

Ewald-Harndt-Medaille verliehen

Die Auszeichnung der ZÄK Berlin ging in diesem Jahr an Prof. Dr. Helmut Schmidt und Tobias Bauer. Schmidt (rechts) wurde für die Erfindung des Fluoridlacks „Duraphat“ geehrt. Außerdem habe er entscheidend dazu beigetragen, den Prophylaxegedanken in der Zahnmedizin zu verankern, sagte ZÄK-Präsident Dr. Wolfgang Schmiedel. Bauer (links), Mitbegründer des „Kollegiums junger Zahnärzte“, erhielt die Medaille für sein langjähriges – insbesondere internationales – Engagement für junge Kollegen. Er nehme sich ihrer Sorgen an und erleichtere ihnen den Start ins Berufsleben, lobte Schmiedel.

Weitere Bilder
Bilder schließen