Infektionserkrankungen

Paradigmenwechsel in der antibiotischen Therapie

Ein Paradigmenwechsel ist derzeit in der Antibiotika-Therapie von Atemwegs- Infektionen möglich. Während die Behandlung früher direkt auf den Erreger ausgerichtet war, zielt sie inzwischen mehr und mehr auch auf Faktoren des Patienten und auf Patienten-Erreger-Interaktionen ab.

Die Reaktion des Immunsystems auf die Infektion erweist sich als entscheidend für die Prognose. Dem wird auch in der Antibiotika- Therapie Rechnung getragen: Es werden bevorzugt Wirkstoffe eingesetzt, die eine rasche Bakterizidie bewirken und die möglicherweise auch günstige immunmodulierende Effekte vermitteln, wie es für das Chinolon Moxifloxacin beschrieben ist.

Während der zurück liegenden 60 Jahre Antibiotika- Therapie standen mehr technische Parameter, wie die minimalen Hemmkonzentrationen (MHK) einzelner Substanzen bei den zu bekämpfenden Keimen oder pharmakokinetische Eigenschaften der Antibiotika, im Vordergrund, wenn es um die Wahl des geeigneten Antibiotikums ging. Heute rücken nun, wie Prof. Horst Koch, Krankenhaus Beeskow, vor der Fachpresse Anfang März in Hamburg erläuterte, mehr ganzheitliche Aspekte der antiinfektiösen Therapie in den Fokus der behandelnden Ärzte. Dabei treten neben die klassischen Kriterien bislang weitgehend unberücksichtigte Parameter, wie die Interaktion zwischen Erreger und Immunsystem bei der Auswahl der richtigen Substanzen, in den Vordergrund.

Multimodale Wirkung

Der Hintergrund für diesen Sinneswandel sind frustrane Erfahrungen der behandelnden Ärzte besonders bei rezidivierenden und chronischen Infektionen, wenn Antibiotika nach den klassischen Kriterien ausgewählt werden. In solchen Fällen ist es offensichtlich wesentlich günstiger, wenn die multimodale Wirkung eines Antibiotikums in Betracht gezogen wird.

Nach Prof. Johannes Bogner, Klinikum Innenstadt der Universität München, entscheidet diese in solchen Fällen viel stärker über den Krankheitsverlauf, zum Beispiel in der Wirkung auf interkurrente Entzündungsreaktionen.

Speziell bei chronisch-rezidivierenden Atemwegsinfektionen könne die rasche Eindämmung der Infektion und der Entzündung offenbar dazu beitragen, einer endgültigen Chronifizierung der Infektion und damit einem unwiederbringlichen Verlust der Atemfunktion entgegenzuwirken. Eine besondere Rolle komme in diesem Kontext dem Wirkstoff Moxifloxacin zu. Denn Invitro- Daten und klinische Studien weisen darauf hin, dass speziell diese Substanz aus der Klasse der modernen Fluorochinoline frühzeitig die Freisetzung von entzündungsfördernden Zytokinen hemmt und immunmodulierende Eigenschaften besitzt. Das sei etwa bei Infektionsrezidiven (Exazerbationen) der chronisch obstruktiven Bronchitis (AECB) ein wichtiges Kriterium für die Therapieentscheidung.

Auf diese Weise könne offenbar der Teufelskreis zwischen Infektion, Entzündung und stetig sich verschlechternder Lungenfunktion durchbrochen werden, wie Dr. Manfred Möller, Hanau, darlegte. Die Lungenfunktion verschlechtere sich signifikant mit der Zahl der Exazerbationen. In einer klinischen Studie konnte unter Moxifloxacin die exazerbationsfreie Zeit der Patienten signifikant verlängert werden.

Solche Effekte tragen auch dazu bei, dass die Antibiotika-Behandlung wirtschaftlich ist. Das konnte erst Anfang diesen Jahres durch die Ergebnisse der SAVE-Studie (comparing Successful treatment outcomes of Avalox to standard treatments as Value for the patient and generates Economic profit for society) belegt werden, deren Daten Dr. Maria Kubin, Bayer HealthCare Wuppertal, präsentierte. Hier erwies sich Moxifloxacin kostengünstiger als vergleichsweise häufig eingesetzte Antibiotika, wie Roxithromycin, Amoxicillin oder Cefuroximaxetil, deren Tagestherapiekosten niedriger als Moxifloxacin liegen. TUK