Koordinierungskonferenz in Erfurt

Gebündelte Kraft voraus

Kreativität und Kooperation sind die zwei Elemente, die die präventive sowie die Alters- und Behindertenzahnheilkunde ganz nach vorne bringen. Darüber waren sich die Länderreferenten dieser Fachbereiche auf ihrer Koordinierungskonferenz in Erfurt einig.

In Deutschland leben rund zwei Millionen pflegebedürftige Menschen. Für die Lebensqualität dieser Gruppe hat die orale Gesundheit große Bedeutung. Zahnmedizinische Inhalte seien in den Lehrplänen der Pflegeberufe allerdings unterrepräsentiert, wie die Teilnehmer der Koordinierungskonferenz feststellten, die von Dr. Lothar Bergholz, Kammerpräsident Thüringen und Vorsitzender des Ausschusses Alters- und Behindertenzahnheilkunde der BZÄK, in Erfurt begrüßt wurden. Mit verschiedenen Projekten setzen sich die Kammern auf Länderebene dafür ein, dieses Manko zu beheben.

Erfolgreiche Projektarbeit

Positive Ergebnisse erzielen die Projekte in der Alters- und Behindertenzahnmedizin nach Erfahrung der Länderreferenten nur, wenn die Pflegeheime kooperieren und die Finanzierung stimmt. „Um Krankenkassen und Heime von der Wichtigkeit unserer Anliegen zu überzeugen, müssen wir die Penetranz besitzen, immer wieder Unterstützung für unsere Arbeit zu fordern“, sagte Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der BZÄK. Immerhin hätten auch die Heime einen Nutzen von diesem Engagement, denn die regelmäßige zahnärztliche Bedeutung verbessere deren Profil.

Den Schwierigkeiten zum Trotz wurden bereits viele Projekte erfolgreich ins Rollen gebracht: Die Zahnärztekammer Brandenburg berichtete von ihren Erfahrungen im Bereich Prophylaxepässe, die Kammern Bayern und Westfalen-Lippe stellten ihre Patenund Betreuungszahnarztkonzepte vor, die die zahnmedizinische Versorgung in Seniorenheimen verbessern sollen. Der intensiveren Mundhygiene in Behinderteneinrichtungen widmet sich die Berliner Kammer und bietet ein Prophylaxeprojekt für Pflegepersonal und -bedürftige an. Die ZÄK Nordrhein setzt auf erweiterte Qualifikationen und bildet ZMFs und ZMPs zu pädagogischen Unterrichtshilfen (PUH) fort. Ihre Aufgabe ist es, Pfleger nach einem festen Curriculum zu unterrichten.

Prävention voranbringen

Außerhalb der stationären Pflege bewegen sich die Bemühungen des Deutschen Forums Prävention und Gesundheitsförderung (DFPG), in dem über 70 Verbände aus dem Gesundheitssektor in vier Arbeitsgruppen assoziiert sind. Die BZÄK ist in der Arbeitsgruppe 3 „Gesund Altern“ vertreten. Für den Bereich „Präventiver Hausbesuch“ hat der Arbeitskreis Gerostomatologie im Auftrag der BZÄK eine wissenschaftliche Stellungnahme verfasst. Das Konzept: Präventive Hausbesuche bei Senioren sollen ihre Gesundheit stärken und Pflegebedürftigkeit vermeiden. Oesterreich unterstrich die Wichtigkeit der zahnärztlichen Mitarbeit auf gesundheitspolitischer Ebene. Die BZÄK werde sich weiterhin im DFGP engagieren.

Um dort und an anderen Stellen langfristig erfolgreich zu arbeiten, ist die intensive Verzahnung von Forschung und Praxis erforderlich, betonten die Konferenzteilnehmer. Nur mit Konzepten, denen harte Fakten zugrunde liegen, könne man Politiker überzeugen. Deshalb müsse die Versorgungsforschung feststellen, wo Handlungsbedarf bestehe. Für die zukünftige Arbeit machte Oesterreich den Referenten Mut. Von Rückschlägen dürfe man sich nicht verunsichern lassen, denn: „Man nimmt uns wahr, und wir haben Erfolge auf dem Gebiet der Prävention und der Alten- und Behindertenversorgung. Wir können daher ruhig selbstbewusst auftreten.“

INFO

Impulsvortrag zur Psychosomatik

Jeder vierte Patient leidet an einer psychischen oder psychosomatischen Erkrankung, sagte PD Dr. Hans-Peter Jöhren in einem Vortrag. Indikationen, die die Mundgesundheit direkt beträfen, seien Gesichtsschmerzen oder Schleimhautbrennen. Bei betroffenen Patienten sollten Zahnärzte auf invasive Therapien verzichten und stattdessen das Gespräch suchen, etwa in interdisziplinären Sprechstunden mit psychosomatisch geschulten Spezialisten. BZÄK-Vizepräsident, Dr. Dietmar Oesterreich, betonte, wie wichtig es aus präventiver Sicht sei, psychosomatischen Erkrankungen Beachtung zu schenken. Die BZÄK plane zu diesem Thema die Herausgabe eines Leitfadens für Zahnärzte.

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