Modellprojekt Patientenberatung

Transparenz – die zweite

Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) – in den kommenden fünf Jahren ist das gleichzeitig Name und Programm eines Modellprojekts führender Sozialverbände. Es ist der zweite vom Gesetzgeber verordnete Anlauf, das Gesundheitswesen für Patienten transparenter zu machen. Bevor die Beratung starten kann, sind jedoch noch viele inhaltliche Punkte zu klären.

Träger der im April gegründeten UPD sind der Sozialverband VdK, die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und der Verbund Unabhängige Patientenberatung. Bis zum Jahr 2010 wollen sie ein Informations- und Beratungsnetzwerk aufbauen, das Patienten die Orientierung im Gesundheitswesen einfacher macht. Die Mittel dafür kommen von den gesetzlichen Krankenkassen. Sie zahlen jährlich 5,113 Millionen Euro Fördergelder, bleiben bei der konzeptionellen Planung aber außen vor. Dazu hatte die Bundesregierung sie im Rahmen der Gesundheitsreform 2000 verpflichtet und den Auftrag in Paragraf 65b SGB V verankert. Der neuen UPD ging eine erste Phase der Erprobung voraus, die im vergangenen Jahr endete. Daran waren 30 Beratungseinrichtungen – von Selbsthilfegruppen bis zu Internetangeboten – beteiligt. Alle 30 verfolgten unterschiedliche Ansätze und Konzepte. Auf der Pressekonferenz zur Gründung des Verbunds lautete das Fazit der drei Sozialverbände daher: Die unabhängige Patientenberatung in Deutschland steckt noch in den Kinderschuhen. Das Ziel der UPD: professionelle Strukturen entwickeln.

Zentralisierung und Vereinheitlichung stehen ganz oben bei der Planung der neuen Beratungsorganisation. Dafür soll eine UPD-Zentrale in Berlin Sorge tragen, die Öffentlichkeitsarbeit und Werbung lenken und einheitliche Qualitätsstandards für die Beratung entwickeln soll. Dazu gehört die fachliche Schulung der Berater, die Bündelung von Informationen und die Einrichtung einer Telefonhotline, die ab Anfang 2007 erreichbar ist.

Zentral planen, überregional handeln

„In der zweiten Phase setzen wir auf Systematisierung und eine bessere Koordinierung“, kündigt Günter Hölling, Geschäftsführer des Verbunds Unabhängige Patientenberatung, an. Dabei sollen die Patienten vor allem von der guten Infrastruktur der drei Träger profitieren. Außerdem werden 22 regionale Beratungsstellen eingerichtet, die Patienten bei Fragen und Problemen vor Ort zur Seite stehen. Besondere Aufmerksamkeit soll bisher wenig beachteten Themen zukommen. Angedacht sind bundesweite Informations- und Beratungsangebote zu ausgewählten Erkrankungen, wie Essstörungen oder Allergien bei Kindern, sowie spezielle Angebote für ältere Menschen und Migranten.

Selbstbewusstsein durch Informationen

Laut Regierungsauftrag müssen die drei Trägerverbände im Jahr 2010 eine Auswertung ihrer Erfahrungen auf den Tisch legen – und eine Empfehlung, wie die unabhängige Patientenberatung am besten im Gesundheitswesen implementiert werden kann. Die dafür notwendige wissenschaftliche Begleitung übernimmt die Schweizer Prognos AG. „Im Laufe des Prozesses befragen wir Patienten nach ihrer Zufriedenheit, evaluieren die Qualität der Beratung und werten aus, zu welchen Themen besonders viele Informationen abgerufen werden“, erklärt Michael Steiner, Geschäftsfeldleiter des Baseler Unternehmens. Erfolg bedeutet für die UPDVerantwortlichen besser informierte und damit selbstbewusste Patienten.

INFO

BZÄK und KZBV: medizinischen Sachverstand einbringen

BZÄK und KZBV begrüßen grundsätzlich Bemühungen, Patienten bei der Orientierung im Gesundheitswesen zu unterstützen. Die Zahnärzteschaft engagiert sich schon seit langem auf den Gebieten Patientensouveränität und Shared Decision Making. Die regionalen Beratungsstellen der Zahnärztekammern und KZVen und die bundesweite Patientenberatungshotline der BZÄK (0800/82 33 28 3) tragen dazu bei. Der Aufbau von qualitätsgesicherten Patientenberatungsangeboten muss nach Ansicht der Zahnärzteschaft medizinischen Sachverstand einbeziehen. Denn der bloße Zugang zu Informationen kann die individuelle Beratung durch den behandelnden Arzt/Zahnarzt nicht ersetzen. Kompetente Beratung muss die ärztlichen/zahnärztlichen Erfahrungen aus dem Versorgungsalltag integrieren. BZÄK/KZBV


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