Editorial

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

„es war eine schöne Zeit,“ antworten Akademiker oft, befragt nach ihrem Studium, mit Blick auf die Ausbildung an der Universität. Nicht selten geraten sie dabei ins Schwärmen. Dass mancher auch dazu neigt, die Schattenseiten dieser Jahre zu verklären, liegt in der Natur von Erinnerungsprozessen. Dennoch: Vielen wird beim Nachdenken nicht nur einfallen, dass auch Studienjahre keine Herrenjahre sind, dass nicht nur voller Bauch nicht gern studiert, sondern auch ein leeres Portmonee den Weg zum Examen äußerst steinig werden lassen kann.

Das Gerangel um die Finanzierung der eigenen Ausbildung ist dabei keineswegs das Prä der älteren, inzwischen arrivierten Generation. Denn wer heute seinen Weg durch die Hallen der Wissenschaft sucht, dem drohen nicht nur finanzschwache oder überfüllte Universitäten, sondern in manchen Bundesländern bereits die aufgehaltene öffentliche Hand, die Studiengebühren einfordert.

Sprich: Der Job neben dem Studium gehört auch heute zum universitärem Alltag, die Suche nach zusätzlichen Finanzierungsquellen ist kein Relikt alter Zeiten, sondern für Viele ganz aktuell, vielleicht sogar wichtiger denn je.

Gut aufgehoben scheint, wer es geschafft hat, sich unter den Hochschulstiftungen ein Stipendium zu ergattern. Welche Chancen und Möglichkeiten – auch jenseits der pekuniären Unterstützung – die heute zum Teil schon traditionell wirkenden Organisationen bieten, beschreibt unsere Titelgeschichte.

Erfahrungen und Angebote für ein interessantes Miteinander, der Blick über den Tellerrand auch in andere Teile der Welt sind dabei ebenso wichtig wie das Quäntchen an finanzieller Sicherheit, das den Stipendiaten den Weg in die Zukunft ein wenig gangbarer machen soll.

Dabei ist die dahinter liegende Einsicht nach wie vor die gleiche: Die Investition in die Ausbildung von begabten Menschen ist meist gut angelegtes Geld.

Gerade in einer Zeit, in der wir lauthals über „Pisa“ stöhnen, in dem die vielen Alten von Morgen und Übermorgen schon heute über die schlechte Bildung der wenigen künftigen Leistungsträger klagen, sind diese nach wie vor unbeirrt wirkenden Stiftungen wenigstens eine zuverlässige Konstante.

Die Gesellschaft täte jedenfalls nicht schlecht daran, sich beizeiten wieder um den eigenen akademischen Nachwuchs zu kümmern. Es zahlt sich aus. Derek Bok, bis 1991 Präsident der Harvard-Universität, hat es einmal auf den Punkt gebracht: „Wenn Sie Bildung für teuer halten, versuchen Sie es mal mit Unbildung.“

Mit freundlichem Gruß

Egbert Maibach-Nagel
zm-Chefredakteur