Interview mit Dr. Dr. Jürgen Weitkamp zum Deutschen Zahnärztetag 2006 in Erfurt

Eine machtvolle Demonstration nach außen

Der Deutsche Zahnärztetag ist das zahnärztliche Großereignis des Jahres. Er findet diesmal vom 22. bis 25. November in Erfurt statt. Die zm befragten den Präsidenten der Bundeszahnärztekammer, Dr. Dr. Jürgen Weitkamp, zu Hintergrund und Bedeutung dieser Veranstaltung, vor allem im Hinblick auf die anstehenden tiefgreifenden Veränderungen im Rahmen der Gesundheitsreform.

zm: Qualitätsmarke Deutscher Zahnärztetag – diesmal in Erfurt 2006: Die diesjährige Veranstaltung verspricht – nach den großen Erfolgen der Kongresse 2003 in Berlin, 2004 in Frankfurt und 2005 in Berlin – wiederum eine starke Impulsgebung der Zahnärzteschaft in Richtung Politik wie Öffentlichkeit. Dass das Konzept der Initiatoren aufging, ist offensichtlich. Welche Erfolgskriterien stecken dahinter?

Dr. Dr. Weitkamp: Der Deutsche Zahnärztetag gilt als das zahnärztliche Großereignis des Jahres. Das Konzept, in dem sich Standespolitik und Wissenschaft als ergänzende Säulen des Berufsstandes zusammenfinden und ihre Anliegen bündeln, ist – so haben die vergangenen Kongresse bewiesen – mit diesem Schulterschluss in sich stimmig. Es ist zusammengewachsen, was zusammengehört. Der Kongress in Erfurt wird diesen Weg weiter verstetigen. Es ist ganz wichtig, dass wir gerade in politisch unruhigen Zeiten mit dieser machtvollen Außendemonstration untermauern, dass der Berufsstand mit einer Zunge spricht.

Als wir die Idee des Deutschen Zahnärztetages mit der ersten Veranstaltung nach dem neuen Konzept in Berlin 2003 aufgriffen, war genau das unsere Intention. Standespolitik und Wissenschaft – das ist eine zukunftsweisende Symbiose. Und das Konzept ist aufgegangen. Politische – und damit meine ich standeswie wissenschaftspolitische – Themen stehen beim Deutschen Zahnärztetag im Vordergrund. Es gibt die Bundesversammlung der Bundeszahnärztekammer, die Vertreterversammlung der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung und den wissenschaftlichen Kongress der DGZMK, der diesmal zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie abgehalten wird. Gastgeber ist die Landeszahnärztekammer Thüringen. Darüber hinaus sind alle zahnärztlichen Organisationen eingeladen, sich am Deutschen Zahnärztetag zu beteiligen beziehungsweise ihre Versammlungen abzuhalten. Die Zentralveranstaltung im historischen Kaisersaal der Stadt Erfurt wird im Mittelpunkt stehen. Mit einer gemeinsam von BZÄK, KZBV und DGZMK getragenen Pressekonferenz werden wir unsere Botschaften in die Öffentlichkeit tragen.

zm: Sie sprechen von politisch unruhigen Zeiten: Was bedeutet der Zahnärztetag im Hinblick auf die anstehenden Neuentwicklungen in der Politik, vor allem in Punkto Gesundheitsreform?

Dr. Dr.Weitkamp: Nun, heute kennen wir allenfalls den Fahrplan und ein paar Details zur Gesundheitsreform. Zum Zeitpunkt des Kongresses wird die Reform das Gesetzgebungsverfahren durchlaufen, um zum 1. Januar in Kraft zu treten, so sich die Koalition einigt. Die politischen Weichen werden dann so oder so gestellt sein. Ganz gewiss wird das als Thema Nummer Eins die politischen Debatten beherrschen. Schließlich geht es um die Fortentwicklung unseres Heilberufes als freier Beruf und dessen Einbindung in eine langfristig sinnvolle Gesundheitspolitik. Der Deutsche Zahnärztetag wird mit seinen Beschlüssen auf den Delegiertenversammlungen von BZÄK und KZBV wieder eine Vorreiterrolle einnehmen.

Deutschlands Zahnärzte haben stets bewiesen, dass sie innovativ, aktiv und kontinuierlich an der Gestaltung des deutschen Gesundheitswesens mitwirken. Unser höchstes Primat ist dabei die Freiberuflichkeit. Denn nur das freiberufliche ärztliche und zahnärztliche Berufsbild garantiert, dass wir unseren Patienten eine qualitativ hochwertige Versorgung angedeihen lassen können.

zm: Gerade das Primat der Freiberuflichkeit scheint ja durch das geplante Vertragsarztrechtsänderungsgesetz (VändG) einen kräftigen Dämpfer zu bekommen. Zumindest lässt der entsprechende Koalitionsentwurf erkennen, dass für den Berufsstand einiges im Argen liegt. Was genau? Und wie wollen Sie sich auf dem Deutschen Zahnärztetag dazu positionieren?

Dr. Dr. Weitkamp: Der Zahnärztetag ist deswegen so bedeutsam, weil wir unseren Argumenten eine breite öffentlichkeitswirksame politische Plattform bieten, um uns Gehör zu verschaffen. Denn eines scheint sicher: Dieser Gesetzentwurf, so wie er jetzt vorliegt, untergräbt massiv die Freiberuflichkeit.

Die Tendenz sieht so aus, dass das freiberufliche ärztliche und zahnärztliche Berufsbild durch das Sozialrecht vereinnahmt wird. Das in der Landeskompetenz liegende Heilberufsrecht wird durch Vorgaben der Sozialversicherung präformiert. Das ist eine Versozialrechtlichung des Arzt- und Zahnarztberufes. Und wenn es um die im zahnärztlichen Bereich längst überfällige Liberalisierung von Bedarfsplanungs- und Zulassungsvorschriften geht, passiert in der Politik nichts wirklich Nachhaltiges. Für die Weiterentwicklung der Freiberuflichkeit werden hier die falschen Signale gesetzt. Genau hier werden wir auf dem Zahnärztetag Diskrepanzen zwischen Schein und Sein aufdecken.

zm: Welche Rolle spielt die Verzahnung von Standespolitik, Praxis und Wissenschaft auf dem Deutschen Zahnärztetag?

Dr. Dr. Weitkamp: Eine ganz zentrale Rolle. Neben der Standespolitik ist die wissenschaftliche Fortbildung ein wesentlicher Schwerpunkt des Zahnärztetages. Das wissenschaftliche Motto dieses Jahr lautet: „Entscheidungsfindung in der Zahn-, Mund- und Kieferhheilkunde.“ Wissenschaftliche Erkenntnisse in die tägliche Praxis zu bringen, ist uns ein ganz zentrales Anliegen, weil sie Garant für die Erhaltung unserer fachlichen Kompetenz sind und die ethische Voraussetzung für eine qualitiativ hochwertige Versorgung in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde darstellen.

Eine lebenslange fachliche Weiterentwicklung auf präventionsorientierter Basis sind der Schlüssel unseres beruflichen Selbstbewusstseins. Darauf beruht auch unser Anspruch an die Politik, Forderungen für die ambulante Behandlung unserer Patienten nach dem Prinzip der Freiberuflichkeit auszuüben. zm

Das komplette Programm zum Deutschen Zahnärztetag 2006 ist in zm 11/2006 abgedruckt sowie als download-Version unter www.deutscherzahnaerztetag2006.de

 

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