Vertreterversammlung der apo-Bank

Sorge über gesundheitspolitische Entwicklung

Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank hat das beste Ergebnis ihrer Geschichte erzielt. Auf der Vertreterversammlung am 9. Juni präsentierte Vorstandssprecher Günter Preuß eine Rekordbilanz, sparte aber auch nicht mit Kritik an den gesundheitspolitschen Plänen der großen Koalition.

Die seit 30 Jahren größte genossenschaftliche Primärbank Deutschlands – nach wie vor der Marktführer im Heilberufssektor – hat ein gutes Geschäftsjahr 2005 hinter sich: „Mit 259,1 Millionen Euro haben wir das Ergebnis des Vorjahres nicht nur um 25 Millionen Euro überschritten, sondern auch einen zweistelligen Zuwachs – wie nur wenige Banken – von 10,7 Prozent und damit das bisher beste Ergebnis der Bank erzielt“, berichtete Preuß der Vertreterversammlung. Die Gewinn- und Verlustrechnung sei „mehr als zufrieden stellend“. Die Zahl der Kunden kletterte auf 289 000, das Darlehensneugeschäft erreichte mit 3,4 Milliarden Euro Rekordhöhe. Der Bilanzgewinn der Bank in Höhe von 105 (Vorjahr: 89,6) Millionen Euro wird nach Beschluss der Vertreterversammlung zur Ausschüttung einer Dividende von sechs Prozent und zur Rücklagenzuführung verwendet.

Dennoch sei das Ergebnis kein Grund zum Übermut. Zu viele Herausforderungen stünden Branche und Bank ins Haus. Kritisch und unverkennbar auch mit Sorge betrachtete Preuß die gesundheitspolitische Entwicklung der großen Koalition: Als Beobachter habe man „zunehmend das Gefühl, Deutschland würde von drei sozialdemokratischen Parteien regiert: Der CDU, der CSU und der SPD.“ Preuß bezweifelte, ob die große Koalition die Probleme im Gesundheitswesen bewältigen kann. Der Vorstandssprecher forderte die Reformer auf, sorgsam darauf zu achten, „dass sie einen potentiellen Wachstumsmarkt, an dem schon heute Millionen von Arbeitsplätzen hängen, nicht kaputt sparen“. Schließlich sei die Gesundheitsbranche „mit einem Jahresumsatz von rund 240 Milliarden Euro die größte in Deutschland und beschäftigt mit 4,2 Millionen Menschen mehr als die stets als Schlüsselindustrie gehätschelte Automobilbranche, die es noch nicht einmal auf eine Million Beschäftigte bringt“. Bei grundsätzlicher Liberalisierung der GKV könnten in den kommenden Jahren weitere 1,3 Millionen Arbeitsplätze entstehen, „die nicht durch Maschinen zu ersetzen und somit von Dauer“ seien. Hierzu sei allerdings Liberalisierung und Wettbewerb notwendig.

Die künftige Entwicklung der Heilberufe werde in Deutschland nicht ohne deutliche Veränderungen verlaufen. Die Einzelpraxis sei zwar kein Auslaufmodell, aber ihre Zahl werde zu Gunsten unterschiedlichster Kooperationsformen „von der Gemeinschaftspraxis über Ärztenetze bis zu Medizinischen Versorgungszentren“ zurückgehen.

Härterer Wettbewerb

Preuß forderte dazu auf, durch „freiberuflich organisierte ärztliche Kooperationen ein Bollwerk“ gegen privatwirtschaftlich geführte Klinikketten zu schaffen, „die shareholder value orientiert sind und mit Macht in den ambulanten Bereich drängen“.

Die Bank habe allerdings den Eindruck, dass „sich die Niedergelassenen selbst der Gefahr, die ihnen droht, noch nicht richtig bewusst sind“. Diese drohende Erosion der Freiberuflichkeit müsse allen stärker ins Bewußtsein dringen. Für die Bank bedeute der Rückgang der Zahl freiberuflich tätiger Heilberufler auf lange Sicht härteren Wettbewerb um die Finanzierung von großen Projekten: „Schon heute beobachten wir, dass Direktbanken massiv um die Gunst von angestellten Heilberuflern buhlen und Großbanken um das Mandat bei Medizinischen Versorgungszentren kämpfen.“

Die anstehenden Veränderungen im Gesundheitswesen werde die apo-Bank, so Preuß, weiterhin aktiv und konstruktiv begleiten.

Aufsichtsratswahlen

Bei den turnusmäßigen Neuwahlen zum Aufsichtsrat der apo-Bank wurden Prof. Dr. Jörg-Dietrich Hoppe und Apotheker Hermann-Stefan Keller wiedergewählt. Neu in den Aufsichtrat wurde Dr. Helmut Pfeffer gewählt. Einstimmig als Vorsitzender des Aufsichtsrates bestätigt wurde Dr. Wilhelm Osing. (Foto) pm/mn